Würzburg

Innere Auflösung statt Freude am Glauben

20 Jahre nach seiner Gründung sieht das Forum Deutscher Katholiken die innerkirchlichen Zustände in Deutschland mit großer Sorge. Gründer Hubert Gindert hofft dennoch auf eine geistliche Wende.
Foto: Forum Deutscher Katholiken | Hubert Gindert gründete vor 20 Jahre das Forum Deutscher Katholiken. Trotz der innerkirchlichen Zustände hofft er dennoch auf eine geistliche Wende.

Herr Professor Gindert, als sich das Forum Deutscher Katholiken im September 2000 gründete, stand die Kirche in Deutschland noch ganz unter dem Eindruck des Konflikts um den Ausstieg der Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung. Was bestärkte sie damals in der Erwartung, dass das Forum Zukunft haben würde?

Vor allem das Gespräch mit Erzbischof Dyba im Juni 2000. Dann die Erwartung, wir könnten für unsere Ziele Bischöfe, wie etwa Kardinal Meisner gewinnen, die mit der Einbindung der Kirche in die vom Bundestag beschlossene Abtreibungsregelung nicht einverstanden waren. Schließlich die angestrebte Zusammenarbeit mit lehramtstreuen geistlichen Bewegungen. Hier zeigte sich bald, dass einige wenig geneigt waren, den Weltauftrag der Christen aufzugreifen, der uns wichtig war.

Zu dieser Zeit verloren viele aktive Christen ihre politische Heimat, die C-Parteien. Wie hat das Forum darauf reagiert?

Wir haben uns nie als parteipolitische Bewegung verstanden, haben aber verstärkt auf gesellschaftspolitische Themen (Fragen der Familie, des Lebensschutzes) die früher bei den C-Parteien in guten Händen waren, durch Stellungnahmen reagiert.

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Die Wahl Kardinal Joseph Ratzingers zum Papst erlebten viele lehramtstreue Katholiken in Deutschland als Sternstunde. Dennoch gab es in Deutschland keine nachhaltige geistliche Wende. Welche Ursachen hat das?

Als Ursache für die fehlende geistliche Wende sehe ich die – mit wenigen Ausnahmen – nahezu totale Ablehnung von Benedikt XVI. in der katholischen Kirche in Deutschland an. Auf das, was er sagte oder anordnete, reagierte die Mehrheit der Theologen mit „sprungbereiter Feindseligkeit“. Manche Bischöfe zeigten Papst Benedikt die kalte Schulter. Die großartige Chance wurde vertan.

Welche innerkirchlichen Entwicklungen der vergangenen zwanzig Jahre in Deutschland stimmen Sie zuversichtlich? Was macht Ihnen Sorge?

Sorge machen uns die zunehmende Gleichgültigkeit, die an die apokalyptische Warnung an die Gemeinde in Ephesus erinnert: „Du hast die erste Liebe verlassen. Darum bedenke, von welcher Höhe du gefallen bist“ (Off.2, 4–5) Diese Gleichgültigkeit zeigt sich im ständig abnehmenden Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes und in der Sakramentenpraxis (Beichte). Konsequenzen wurden daraus kaum gezogen. Die Entwicklung mündet seit einigen Jahren in Gottvergessenheit und massenhaften Auszug aus der Kirche ein.

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Die inneren Auflösungserscheinungen werden im „Synodalen Weg“ deutlich. Dort versucht eine deutliche Mehrheit einen Weg zu gehen, der aus der Universalkirche herausführen muss. Zuversichtlich stimmen zahlenmäßig kleine Gemeinschaften, die versuchen, den Glauben authentisch zu leben und neue Initiativen wie zum Beispiel Die „Neue katholische Frauenbewegung“ (NKF) und „Maria 1.0“ oder die von der „Tagespost“ erwähnte „Holyween statt Halloween“, besonders aber die Renaissance der eucharistischen Anbetung durch junge Menschen.

Nächstes Jahr findet der Kongress Freude am Glauben in Regensburg statt, einer Diözese, die gute Nachbarschaft mit den tschechischen Nachbarn pflegt, insbesondere dem Bistum Pilsen. Können Sie sich grundsätzlich vorstellen, den Kongress stärker auf Europa hin auszurichten?

Auf dem Kongress 2004 in Regensburg war Bischof Frantisek Radkovsky von Pilsen unser Gast. Der Präsident von Paneuropa Bernd Posselt ist Kuratoriumsmitglied unserer Kongresse. Europa ist bei uns gut vertreten. Wir wünschen uns, dass ein geeintes Europa ins Konzert der Kontinente Gewicht einbringt, im Inneren Europas aber die Eigenständigkeit der Länder, besonders im kulturellen Bereich, möglichst gewahrt bleibt.

Wie würden Sie die geistliche Ausrichtung beschreiben, die das Forum in Zukunft verfolgen soll?

Angesichts der Verunsicherung vieler Menschen geht es darum, ihnen Hoffnung zu geben und zu vermitteln, dass mit Gottes Hilfe eine geistliche Wende möglich ist. Benedikt XVI. hat einmal geäußert, Gott kann alles, aber er respektiert die Freiheit des Menschen. Er gab dem Kirchenverfolger Saulus die Chance, zum größten Missionar der Kirche zu werden. Aber auch er kam nicht an einer persönlichen Umkehr und an der Frage vorbei: Was soll ich tun? Das dürfen wir nicht verschweigen. Das Motto des nächsten Kongresses 2021 lautet daher: „Was er euch sagt, das tut (Joh. 2,5)“. Und wir werden zu den Bischöfen stehen, die sich in der Verwirrung einen klaren Blick bewahrt haben.

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