Bratislava

In das reale Leben eintauchen

Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
Papst in der Slowakei
Foto: Petr David Josek (AP) | Papst Franziskus segnet einen unbekannten Mann, während er die Menge beim Verlassen der Kathedrale St. Martin begrüßt.

Als Land der „Geschwisterlichkeit“ hat Papst Franziskus die Heimat der beiden Slawen-Apostel Kyrill und Method bei seiner Slowakei-Visite gewürdigt. Im „Herzen Europas“ gelte es für die Seelsorgerinnen und Seelsorger in das „reale Leben der Menschen einzutauchen“ – wie überall auf dem Kontinent. Freundlich mahnt Franziskus das Bodenpersonal des lieben Gottes, die geistlichen Bedürfnisse der Menschen neu zu achten: Dabei soll die Freiheit aller unterschiedlichen Gruppierungen geschätzt sein. Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren – alles im aufrechten Dialog.

Eifer für die Verkündigung verloren

Lesen Sie auch:

In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Der Papst ermutigte dazu: eine Mammutaufgabe in der Herzkammer und letztlich für ganz Europa. Vom Eucharistischen Weltkongress kommend, wo der sakramentale Christus verehrt wurde, betonte Franziskus auf seiner Reise an die von ihm schon so oft aufgesuchten Ränder in der Ostslowakei die Grundfrage: „Haben wir Christen den Eifer der Verkündigung verloren?“ Der päpstliche Hinweis auf die Europa-Patrone Kyrill und Method ist genial. Die beiden mittelalterlichen Diplomaten waren damals so up to date, dass sie überzeugt haben. Solch plausibles Handeln in geschwisterlicher Gemeinschaft könnte die Kirche heute wieder glaubwürdiger machen. Wer sich Christ nennt, darf die Armen nicht vergessen.

Folgerichtig besuchte Franziskus bei Košice (Kaschau) die Romasiedlung „Luník IX“, einen sozialen Brennpunkt mit verelendenden Menschen – derzeit 5 000 in abgewrackten Plattenbauten. Seit 20 Jahren sind dort eine Handvoll Salesianer-Patres und deren Freiwillige ein gelegentlich angenommener Halt in der Perspektivlosigkeit. Sie bringen Struktur, Medizin, Bildung, ganzheitliche Seelsorge. Deutsche Katholiken haben dies von Anfang über das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis ermöglicht: 300.000 Euro waren hilfreich.

 



Der Autor ist Pressesprecher von Renovabis, dem Osteuropa-Hilfswerk der Katholischen Kirche in Deutschland.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Thomas Schumann Jesus Christus Katholikinnen und Katholiken Katholische Kirche Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Ostslowakei Päpste Renovabis Seelsorge Seelsorgerinnen und Seelsorger Soziale Brennpunkte

Kirche

Gedanken zur Sonntagspflicht
Würzburg

Muss man sonntags in die Kirche gehen? Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung

Wie das äußere Muss des Sonntagsgebots durch eine innere Sehnsucht abgelöst werden kann, beschreibt Kardinal Kurt Koch in einem Beitrag der kommenden Synodalbeilage „Welt&Kirche“
19.10.2021, 10 Uhr
Vorabmeldung
Eröffnung der zweijährige Weltsynode im Vatikan
IM BLICKPUNKT

Für eine Kirche, die anders ist Premium Inhalt

Die bis 2023 dauernde Weltsynode beginnt mit der größten Befragung der Menschheitsgeschichte. Über die Gründe für diesen vom Papst gewollten Prozess kann man nur spekulieren.
16.10.2021, 17 Uhr
Guido Horst