Christenverfolgung

Die Kirche Jesu Christi wächst in der Verfolgung

Verfolgung nimmt zu. Der siebte Kongress „Christenverfolgung heute“ zeigt, dass Christen immer stärker ins Visier von Extremisten geraten. Trotzdem wächst die Kirche.
Seminar Religionsfreiheit weltweit - Initiativen und Entwicklungen
Foto: Veronika Wetzel | Seminar Religionsfreiheit weltweit - Initiativen und Entwicklungen mit Felix Böllmann, Volker Kauder (CDU), Uwe Heimkowski, Illia Djadi, und Ado Greve. (v.l.n.r.)

Sie sind die am meisten verfolgte Gruppe weltweit: Christen. Und die Situation wird nicht besser, wie der siebte „Kongress Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd zeigt. Der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder, der bei dem Kongress zu Gast war, beobachtet insbesondere drei Entwicklungen: Einerseits habe die Zahl der Länder, in denen die Regierung die Religionsfreiheit nicht garantiere, zugenommen, aber auch Staaten, die Christen nicht mehr schützen könnten oder wollten, seien stärker vertreten. Zudem werde Nationalismus immer mehr mit Religion in Verbindung gebracht.

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Problemzone Subsahara

Eine Region, in der sich diese Phänomene verdichten, ist die Subsahara. Illia Djadi, Analyst beim christlichen Hilfswerk „Open Doors“, unterstreicht, dass in der Region, die fast den ganzen afrikanischen Kontinent umfasst, Muslime und Christen lange friedlich zusammen gelebt hätten. Doch das habe sich in den letzten zehn Jahren stark verändert: „Es hat sich ein Klima der Intoleranz gegen Christen und religiöse Minderheiten entwickelt.“ Diese Entwicklung werde insbesondere durch islamistische Prediger und Lobbygruppen, die eine anti-christliche Haltung verbreiteten, vorangetrieben. „Es ist nicht übertrieben, wenn wir sagen, dass die Subsahara-Region das neue Epizentrum des islamischen Extremismus ist“, so Djadi. Da insbesondere Christen dem Ziel, ein islamisches Kalifat zu errichten, im Weg stünden, würden sie am stärksten attackiert. So würden Christen während Gottesdiensten entführt, Kirchen niedergebrannt und die Pastoren und Kirchenältesten erschossen. Djadi beklagt, dass die westlichen Staaten nichts gegen diese Verfolgung unternehmen: „Die Botschaften der westlichen Länder kümmern sich mehr um Themen wie Homosexualität und Transgender als um religiöse Minderheiten.“

Wachstum in der Verfolgung

Doch gerade in der Verfolgung scheint die Kirche zu wachsen. Der in Syrien tätige Pastor F. erzählt: „Wir haben im Untergrund Gemeinden von einer Größe, die für uns ursprünglich unvorstellbar war. Es gibt Millionen, die sich entscheiden, Jesus ihr Herz zu geben. Das ist ein Wunder.“ Doch das hat Konsequenzen. So sei ein 14-jähriger Junge, der sich zum Christentum bekehrt habe, von Bewohnern der Stadt an den dort herrschenden „Islamischen Staat“ verraten worden. Daraufhin hätten ihn die Terroristen auf den Marktplatz gebracht und gesagt: „Wir bringen dich um. Aber wenn du umkehrst und zum Islam zurückkommst, dann bringen wir dich auf die angenehmere Art um.“ Der Junge habe den Extremisten entgegnet: „Ihr wisst nicht, was ich in Christus habe.“ Daraufhin hätten die IS-Anhänger ihn bei lebendigem Leib in Stücke geschnitten. Pastor F. dachte, damit wäre das Ende des Christentums in der Region gekommen. Doch durch den Tod des Jungen habe sich die halbe Stadt bekehrt. „Es ist nicht schön für uns, wenn unsere Familien verfolgt und getötet werden“, betont der Pastor, „aber durch die Verfolgung wächst die Kirche Jesu.“

Erster Tag des Kongresses im Video

Subtile Verfolgung

Doch Verfolgung bedeutet nicht immer die unmittelbare Bedrohung von Leib und Leben. Eine andere Art der Unterdrückung ist das Verbot von Konversionen. Dieses gilt in Indien, wo die Anti-Konversionsgesetze in den vergangenen Jahren immer strikter geworden sind, wie Tehmin Arora, Mitarbeiterin von ADF international, bei dem überkonfessionellen Kongress erklärt. Wenn jemand seinen Glauben wechseln wolle, müsse er die Erlaubnis einer örtlichen Behörde erhalten, wodurch die Mission nahezu unmöglich sei. Selbst wenn Personen freiwillig zu christlichen Veranstaltungen gingen, würde dies oft als Konversion dargestellt und die Christen dafür bestraft werden. So sei ein Pastor, der für Kinder ein Camp organisieren wollte, von der Polizei aufgehalten worden. Selbst als die Eltern bestätigten, dass die Kinder bereits christlich seien, sei die Veranstaltung des Camps verboten und sowohl der Pastor, als auch die Eltern für drei Monate gefangen genommen worden. „Alles, was wir Christen tun, wird uns als Konversionsversuch vorgeworfen. Man muss nur zusammen Kuchen essen und Kaffee trinken und schon wird einem ein Konversionsversuch unterstellt“, klagt Arora.

Im Nachbarland Pakistan ist die Situation ähnlich: Dort heißt es im Gesetz: „Wer den Namen des Propheten beleidigt, wird zum Tode oder zu lebenslänglicher Haft verurteilt.“ Durch diese schwammige Formulierung werde bei der Durchsetzung oft willkürlich geurteilt, kritisiert Stefano Fehr von der evangelischen Karmelmission. So sei ein Christ angeklagt worden, weil er angeblich beleidigende Inhalte über den Prophet Mohammed per Handy verschickt habe. Obwohl der Christ nicht einmal ein Mobiltelefon besessen habe, sei er sieben Jahre ohne Prozess inhaftiert worden. „Die Richter wissen eigentlich, dass sie das Urteil aufheben müssten, weil die Evidenz auf der Hand liegt, aber sie trauen sich nicht, weil sie Angst vor Angriffen von islamistischen Mobs haben. Deswegen werden solche Fälle oft jahrelang nicht behandelt“, schildert Fehr im Gespräch mit der „Tagespost“.  Allein im Jahr 2020 seien 200 Personen wegen Blasphemie angeklagt worden. Das sei die höchste Zahl, seitdem das Gesetz existiert.

Zweiter Tag des Kongresses im Video

Verfolgung auch in Europa

Doch die Verfolgung ist kein ausschließlich asiatisches oder afrikanisches Phänomen. Der Kongress zeigt: Auch in Europa werden Christen unterdrückt. Eine Region, in der das aktuell der Fall ist, ist die Ostukraine. Seit 2014 herrscht dort Krieg, der evangelische Pastor N. von dort berichtet, dass das russische Militär die ganze Region kontrolliere. Jeder könne ohne Verhandlung eingesperrt oder umgebracht werden, in Gemeinden würden Razzien durchgeführt, viele Gebäude der Kirchengemeinden seien bereits konfisziert. Pastoren und Priester, die noch tätig seien, müssten jederzeit mit Inhaftierung rechnen, aber es gebe keine Rechtsprechung. Wegen der Armut, die in dem Kriegsgebiet herrscht, verwendeten die Kirchengemeinden ihre letzten finanziellen Mittel, um der Bevölkerung Brot zu kaufen. So auch die Gemeinde von Pastor N. „Die Menschen haben vor uns gekniet und uns die Hände geküsst und das Brot geküsst und Gott gedankt, dass wir das tun.“ Als auch die Ressourcen seiner Gemeinde erschöpft gewesen seien, hätten Christen der Initiative „Licht im Osten“ von selbst angerufen und gefragt: „Wie können wir euch helfen?“

Zeugnis eines Konvertiten

Doch neben Berichten über den Ernst der Lage gibt es auch solche, die positive Veränderungen zeigen. Einer ist die Geschichte von Yassir Eric. Eric kommt aus dem muslimisch geprägten Nord-Sudan, der immer wieder den christlichen Südsudan unterwerfen wollte und Christen verschleppt und versklavt hat. Eric wuchs in einer islamistischen Familie auf, sein Onkel war einer der führenden Muslime, die die Unterwerfung des Südens vorantreiben wollten. Sein Onkel hielt selbst einen christlichen Sklaven, der den Nachnamen Majok trug – ebenso wie Erics Vorredner, der aus dem Südsudan stammt. Eric wurde schon früh eine antichristliche Haltung indoktriniert. „Wir waren stolz, als wir gehört haben, dass viele Südsudanesen ermordet wurden.“ Durch koptische Christen konvertierte Eric – heute leitet er die Gemeinschaft „Communio Messianica“, die in 97 Ländern vertreten ist und ehemalige Muslime in die Kirche integrieren möchte. „Jesus Christus hat das letzte Wort“, unterstreicht Eric.

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