Sonntagsgebot

Die Heilige Messe am Sonntag ist eine Grundaufgabe der Christen

Das Sonntagsgebot bleibt in vielen deutschen Bistümern weiterhin ausgesetzt. Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt erinnert an die Bedeutung der Sonntagspflicht. Eine Zustandsbeschreibung.
Bischof Wolfgang Ipolt erinnert an die Bedeutung der Sonntagspflicht
Foto: KNA | Bischof Wolfgang Ipolt betont, der Gottesdienst sei eine „Grundaufgabe von uns Christen, die wir nie unterlassen dürfen“.

Die Sonntagspflicht bleibt in mehreren deutschen Bistümern weiterhin ausgesetzt. Im Jahr zwei der Pandemie hat sich am liturgischen Ist-Zustand nördlich der Alpen de facto wenig geändert: Die Mehrheit der Katholiken in Deutschland ist nach wie vor vom Besuch der sonntäglichen Eucharistiefeier entpflichtet. Mit Beginn der Coronapandemie war diese für katholische Christen geltende Verpflichtung mit Ausnahme der Diözesen Osnabrück und Regensburg in allen deutschen Bistümern ausgesetzt worden. Eine Umfrage dieser Zeitung bei den deutschen Diözesen ergab, dass nur in Trier und Görlitz die Sonntagspflicht wieder eingesetzt wurde.

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Rücksicht auf den Gesundheitszustand

Die Pressesprecher der Bistümer Berlin, Erfurt, Freiburg, Fulda, Köln, Magdeburg, Münster, Rottenburg-Stuttgart und Speyer teilten mit, dass aufgrund der Coronapandemie und der entsprechend einzuhaltenden Vorsichtsmaßnahmen mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand der Gläubigen, vor allem vulnerabler kranker und alter Menschen die Verpflichtung zur Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst weiterhin aufgehoben sei. Gleichzeitig weisen Bischöfe auf den unverzichtbaren Wert der Eucharistiefeier hin. Bischof Fürst schrieb hierzu bereits vor einem Jahr in einem Hirtenwort: „Seien wir also achtsam, dass wir die eucharistische Quelle unseres Glaubens und unserer Kirche, ja unseres ganzen kirchlichen und persönlichen Handelns gerade in diesen schweren Zeiten nicht verschütten.“

Sonntag auf eigene Weise heiligen

Auch in Köln betont die Pressestelle, dass man die Gläubigen in jeder Weise ermuntere, den Sonntag auf eigene Weise zu heiligen, wenn ihnen die Mitfeier der heiligen Messe nicht möglich ist. In Erfurt führte der Pressesprecher neben den Herausforderungen durch die Pandemie aus, dass in vielen kleinen Kirchen die Einhaltung des Mindestabstands nicht gewährleistet sei und dies eine Grundlage für die Entpflichtung bilde, während das Bistum Magdeburg auf die allgemein unsichere Lage verwies. Der Pressesprecher des Bistums Münster, Stephan Kronenburg, ließ verlauten, dass nach der Feststellung des Fortbestehens der epidemischen Lage von nationaler Tragweite durch den deutschen Bundestag Ende August diesen Jahres „weiterhin Regelungen gelten, die dem Schutz der öffentlichen Gesundheit und der Bewältigung der pandemiebedingten Auswirkungen auf das Gesundheitswesen und auf die Pflege dienen.

Solche Regelungen gibt es nach wie vor auch für die Feier von Gottesdiensten. Von daher ist die Sonntagspflicht weiterhin ausgesetzt“, so Kronenburg. Michael Hertl, Pressesprecher der Diözese Freiburg teilte mit, dass die Instruktion zur Feier der Liturgie in Zeiten der Coronakrise sich auf das Infektionsschutzgesetz des Bundes beziehe und die Corona Verordnung des Landes Baden-Württemberg und im Gleichklang mit letzterer je neu aktualisiert werde. Die Sonntagspflicht ist auch hier ausgesetzt. Unterschiedliche Regelungen gelten an den einzelnen Standorten des Militärbischofsamtes, die juristisch den jeweiligen Diözesen unterstehen.

„Grundaufgabe von uns Christen,
die wir nie unterlassen dürfen“

Kein Hobby

Angesichts stark rückläufiger Teilnehmerzahlen seit der Corona-Krise hat der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt die Rolle des Gottesdienstes hervorgehoben. Es sei kein „Hobby, das wir nach Lust und Laune tun oder lassen können“, sagte Ipolt am Freitagabend in Cottbus. Der Gottesdienst sei eine „Grundaufgabe von uns Christen, die wir nie unterlassen dürfen“. Es sei „keine Flucht vor der Realität des Lebens, sondern Bestandteil unserer christlichen Existenz“.

Nach 9,1 Prozent im Jahr 2019 war die Zahl der Teilnehmenden an den katholischen Sonntagsgottesdiensten 2020 im bundesweiten Durchschnitt auf 5,9 Prozent stark gesunken. Das Bistum Görlitz liegt mit 12,6 Prozent Gottesdienstbesuch weiterhin an der Spitze der 27 deutschen Diözesen.

Kein objektiver Grund

Kirchenrechtlich besteht für die Aussetzung der Sonntagspflicht kein objektiver Grund. Denn der entsprechende Kanon des CIC 1248 §2 sieht vor, dass die Gläubigen sich „eine entsprechende Zeit lang dem persönlichen Gebet oder dem Gebet in der Familie oder gegebenenfalls im Familienkreis widmen“, wenn aus einem „schwerwiegenden Grund die Teilnahme an einer Eucharistiefeier unmöglich ist“. Dieser schwerwiegende Grund war während der Hochphase der Pandemie und des Lockdown gegeben, weshalb es keiner zusätzlichen Dispens bedurft hätte. Und er gilt auch weiterhin für all jene, deren Gesundheitszustand einen Messbesuch nicht zulässt oder als zu gefahrvoll erscheinen lässt.

Nachlassende Bindung

Dem Vernehmen nach rechnen viele Gemeinden in der Folge der Aufhebung der Sonntagspflicht mit dauerhaft sinkenden Gottesdienstbesucherzahlen. Rückgänge um 300 Personen in einer Pfarrei, die sonst 700 Gottesdienstbesucher pro Sonntag zählte, sind schon jetzt keine Seltenheit. Die nächste Zählung der Gottesdienstbesucher im November wird näheren Aufschluss über diese Entwicklung geben können. Dann spätestens wird sich die Frage stellen, wie man von kirchlicher Seite auf die nachlassende Bindung reagiert. Denn auch wenn die Onlineangebote von vielen genutzt wurden, ist der konkrete Kontakt dadurch nicht ersetzbar. „Die physische Anwesenheit bei der Eucharistiefeier ist doch etwas anderes“, unterstrich auch Bischof Ipolt und fügt hinzu, dass die Hygieneregeln nicht zur Folge haben müssten, dass man sich aus den Augen verliere. „Trotz Maske können wir einander ansehen“.

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