Papst Pius XII. und die Juden

Das zähe Ringen des Papstes mit den NS-Behörden

Eine Vielzahl von Akten beweist, dass Pius XII. und seine engsten Mitarbeiter nichts unterließen, um bereits inhaftierte Juden wieder frei zu bekommen. Die zentrale Rolle von Pater Pankratius Pfeiffer.
Pius XII.
Foto: IN | Pius XII. nach der Bombardierung des römischen Stadtviertels San Lorenzo durch die Alliierten im Juli 1943.

Die dreiköpfige Familie von Mario Segré war im Mai 1944 in Auschwitz ermordet worden. Aber es gab noch einen weiteren Segré, um den sich der Vatikan kümmerte – obwohl er gar nicht mehr in Rom war. Es handelt sich um die Forderungen, die an dieser Stelle erwähnt werden sollten, nach der Freilassung von Emilio Segré. Es war Pater Pankratius Pfeiffer, der die Anfrage weiterleitete. Emilio Segré war 1938 in die Vereinigten Staaten gezogen. Er war im Vatikan gut bekannt, aber dort wussten sie nichts von seiner Auswanderung von Italien in die Staaten. Auf jeden Fall zeigt diese Intervention, dass Pius XII. und seine Mitarbeiter sofort an seiner Rettung interessiert waren.

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Insgesamt 42 verhaftete Juden wurden in jener Zeit nach einer Intervention des Vatikans wieder freigelassen. Hier sind einige Beispiele: Isabella Natalia Daninos, wurde am 25. Oktober 1943 in Rom verhaftet. Am 26. Oktober wurde Pater Pfeiffer von der Kongregation der Priesterseminare und Universitäten beauftragt, die Nazibehörden in Rom um ihre Freilassung zu bitten: Und sie wurde freigelassen.

Direkt nach Verhaftung ersuchte Pfeiffer Freilassung

Die Brüder Armando De Angelis und Dante De Angelis wurden am 29. Dezember 1943 auf der Isola Farnese in der Nähe von La Storta verhaftet. Noch am selben Tag wies das Staatssekretariat Pfeiffer an, bei den NS-Behörden um ihre Freilassung zu ersuchen, was auch gewährt wurde.
Kurz gesagt, in dem Maße, in dem Pater Pfeiffer um die Freilassung eines römischen Juden so schnell wie möglich nach seiner Verhaftung bei den NS-Behörden ansuchte, gab es eine größere Chance, die Freilassung der verhafteten Person zu erreichen.

Bei der Lektüre der Entlassungsgesuche fällt auf, dass die Nazis nie Angaben über den Verbleib der verhafteten Juden machten. Aus diesem Grund baten viele Angehörige den Heiligen Stuhl um Fürsprache für ihre inhaftierten Angehörigen, auch wenn diese leider schon vor langer Zeit getötet wurden. Das Staatssekretariat des Vatikans forderte auch die Freilassung von Gruppen verhafteter Juden. Am 18. Oktober 1943, vor ihrer Deportation, wurde bei der deutschen Botschaft ein Antrag auf Freilassung von 29 verhafteten römischen Juden gestellt.

Dramatische Situation

Die Situation der deportierten Juden war dramatisch: Einmal deportiert, war ihre Freilassung unmöglich. Ersuchen um die Freilassung von Juden, die weit entfernt von Rom verhaftet worden waren, brachten keine großen Ergebnisse, auch weil der Schriftverkehr Monate dauerte. Nehmen wir den Fall des Oberrabbiners von Bologna, Alberto Orvieto, der am 17. Dezember 1943 in Florenz zusammen mit seiner Frau Margherita Cantoni verhaftet wurde. Am 3. Januar 1944 schrieb er aus seinem Gefängnis in Florenz einen Brief an Papst Pius XII. und bat ihn, sich für ihre Freilassung einzusetzen.

Sein Brief wurde Pius XII. etwa einen Monat später, am 3. Februar, übergeben. Erst um den 1. April 1944 herum erhielt Kardinal Ildefonso Schuster, Erzbischof von Mailand, das Schreiben von Pius XII., in dem er im Namen des Papstes um die Freilassung des Rabbiners bat, und die gleiche Bitte wurde an Bischof Dalla Zusanna von Carpi gerichtet. Es war nicht sicher, ob Rabbi Orvieto und seine Frau Margherita in Mailand oder Carpi festgehalten wurden. Am 5. April 1944 antwortete Kardinal Schuster in einem Brief an den Papst, dass der Rabbiner und seine Frau nach Deutschland deportiert worden seien, und der Brief wurde am 5. Mai 1944 an das Staatssekretariat weitergeleitet. Noch am selben Tag wies Monsignore Montini den Nuntius in Berlin an, die offiziellen Behörden um die Freilassung von Rabbi Orvieto und seiner Frau zu bitten. Die beiden wurden jedoch am 31. Januar 1944 nach Auschwitz deportiert und dort am 6. Februar 1944 ermordet.

Enge Zusammenarbeit von Pater Pfeiffer und Pius XII.

All dies zeigt, dass Pius XII. und seine Mitarbeiter den Willen hatten, die Juden in ihrer Not zu befreien, zu retten, ihnen zu helfen und beizustehen.
Einige haben diese Fakten in Frage gestellt und darauf hingewiesen, dass nur drei Treffen zwischen Pater Pfeiffer und Pius XII. dokumentiert werden konnten. Heute sind jedoch bereits elf verschiedene Begegnungen zwischen dem Papst und dem Salvatorianer nachgewiesen, und die Zahl wird sich mit weiteren Archivrecherchen sicherlich noch erhöhen.
Pater Pfeiffer half nicht nur verhafteten römischen Juden, sondern setzte sich auch in Hunderten von Fällen für die von den Deutschen verhafteten römischen Italiener ein.

Kaplan des Papstes

So belegen die Primärquellen im Detail, dass Pater Pfeiffer während der acht Monate der nationalsozialistischen Verfolgung in Rom durchschnittlich jeden zweiten Tag das Staatssekretariat aufsuchte. Bei diesen Treffen berichtete er über seine Interventionen zugunsten der Freilassung der Verhafteten und nahm neue Anträge auf Freilassung entgegen. Und von dort war es nur noch ein kleiner Sprung zu Pius XII..

Kurzum, der Vorwurf, Pater Pfeiffer habe Pius XII. nicht häufig besucht, ist unbegründet. Pfeiffer war dagegen sehr oft beim Papst, und man kann sagen, dass er tatsächlich sein Kaplan war.


Fünfter und letzter Teil einer Serie in fünf Folgen. 
Lesen Sie alle Folgen nach vollständigem Erscheinen im Dossier Papst Pius XII. und die Juden.

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