52. Internationaler Eucharistischer Kongress

"Christus war in unserer Mitte"

Vor einem Monat ging das katholische Mega-Event des Jahres 2021, der 52. Internationale Eucharistische Kongress (IEC) in Budapest, zu Ende. Im exklusiven Interview der "Tagespost" zieht der Primas von Ungarn und Erzbischof von Esztergom-Budapest, Kardinal Péter Erdö, Bilanz.
Hunderttausende Beter prägten über mehrere Tage das Stadtbild von Budapest
Foto: Robert Szaniszlo via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Hunderttausende Beter prägten über mehrere Tage das Stadtbild von Budapest.

Der Internationale Eucharistische Kongress hat Bischöfe, Priester und Laien aus aller Welt nach Budapest geführt. War diese weltkirchliche Begegnung auch eine Gelegenheit, voneinander zu lernen und sich wechselseitig einander zu inspirieren?

Die Methode der Gestaltung sieht eine gewisse Struktur der Programme vor: Katechesen, Zeugnisse, Selbstdarstellungen, Austausch von Erfahrungen und verschiedene liturgische Programme gehören zu einem solchen Eucharistischen Kongress. Die konkreten Persönlichkeiten und die Programmpunkte sind jedoch von den lokalen Organisatoren zu bestimmen. So haben wir mit unseren Mitarbeitern hier in Budapest viele Gründer von geistlichen Bewegungen aus der ganzen Welt eingeladen, hatten Kontakte und Erfahrungen mit bekannten Theologen, Bischöfen, Künstlern, Vertretern anderer christlichen Kirchen und Konfessionen sowie mit qualifizierten Vertretern des Judentums. Wir sind sehr dankbar, dass die meisten Eingeladenen auch kamen. Die Begegnung aller dieser Menschen mit breiteren Kreisen von Gläubigen war ein einmaliges Erlebnis und eine große Bereicherung. Kontakte sind entstanden, Inspirationen wurden ausgetauscht und wir haben alle das Wirken des Heiligen Geistes gefühlt.

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Was hat die ungarische Kirche aus dieser weltkirchlichen Zusammenkunft gelernt oder an inspirierender Kraft erfahren?

Wir haben wiederentdeckt und erlebt, dass unser Glaube ein sanftes und heiteres Licht ist, dass die Person Christi uns in der ganzen Welt verbindet. Eine große eucharistische Prozession am Samstagabend hat dies sichtbar und spürbar gemacht. Wir hatten auch thematische Treffen, etwa der Christen aus dem Nahen Osten, und einen Afrika-Tag. Es wurden für diesen Eucharistischen Kongress zwei neue Messen komponiert und zum ersten Mal aufgeführt: die Lovari-Messe in der verbreitetsten Sprache der Roma, mit Melodien aus der Tradition dieser Volksgruppe, und die Budapest-Messe, die aus der jüdischen musikalischen Tradition schöpft. Die große Inspiration war die Einheit. Es gab auch konkrete Programme, die in der Zukunft wiederholt werden müssen, wie das große Familientreffen auf der Margareteninsel. Die Teilnehmer erhielten gute Ideen für die Erneuerung der Pfarreien und des geistlichen Lebens und viele neue Kontakte.

"Christus war in unserer Mitte!"

Der Internationale Eucharistische Kongress wurde immer stärker zu einer mehrtägigen intensiven Stadtmission in Budapest, die Hunderttausende Ungarn mitgerissen hat. War das von Anfang an Ihre Intention oder hat Sie diese Dynamik überrascht?

Dies war unsere ursprüngliche Intention! Die pastorale Vorbereitung war damit organisch verbunden. Was aber geschehen ist, hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Christus war in unserer Mitte! Ich hoffe, dass wir von nun an auch die Sonntagsmesse und die eucharistische Anbetung viel mehr schätzen werden!

War all das, was zwischen 5. und 12. September in Budapest stattfand, nur eine beeindruckende Show   oder hat das einen prägenden, nachhaltigen Charakter?
Der vorhergegangene Eucharistische Weltkongress, der 1938 in Budapest abgehalten worden war, hat eine so tiefe Spur hinterlassen, dass die darauffolgenden Generationen davon leben konnten. Dieses Mal erhoffen wir etwas Ähnliches.

Was können andere Millionenstädte im weithin säkularisierten Europa von der frohen, missionarischen Atmosphäre des Internationalen Eucharistischen Kongresses lernen?

Von der Atmosphäre sehr viel! Bei Christus müssen wir uns begegnen. Unsere Freude am Glauben sollen wir der Welt zeigen. Das Gleichgewicht einer solchen katholischen Veranstaltung kann in verschiedenen Städten mit unterschiedlichen Akzenten entstehen. Das hängt von den ethnischen, kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Gegebenheiten ab. Budapest liegt in der Mitte Europas, aber an der Grenze zur westlichen Kultur. Eine ideale Stelle für die Begegnung der östlichen und der westlichen christlichen Tradition. Auch die Vergangenheit, die Verfolgungen und die Märtyrer des 20. Jahrhunderts sind eine Quelle der bescheidenen, optimistischen Treue vieler Christen.

Der Internationale Eucharistische Kongress hat den Blick auf den eucharistischen Herrn als Quelle der Erneuerung der Kirche präsentiert. Ist das eine Vorgabe für alle synodalen und sonstigen Reformprojekte in der Kirche?

Die Kirche muss sich immer erneuern. Das Ziel der Reformen ist stets, dass wir die gute Nachricht Christi der Welt klarer, wirksamer übergeben können. Dabei ist die geschichtliche Wahrheit Christi und seiner Lehre aber auch seines Erlösungswerks der Bezugspunkt für uns. Er ist auch heute mit uns und inspiriert durch seinen Geist unsere gute Bestrebungen.

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