IM BLICKPUNKT

Für eine Kirche, die anders ist

Die bis 2023 dauernde Weltsynode beginnt mit der größten Befragung der Menschheitsgeschichte. Über die Gründe für diesen vom Papst gewollten Prozess kann man nur spekulieren.
Eröffnung der zweijährige Weltsynode im Vatikan
Foto: Gregorio Borgia (AP) | Papst Franziskus hält während des Gottesdienstes zur Eröffnung der zweijährige Weltsynode.

Man kann nur spekulieren, warum es Papst Franziskus so wichtig war, einen synodalen Weltprozess aus der Taufe zu heben, der am Samstag und Sonntag in Rom dann auch tatsächlich begonnen hat, ohne besondere Aufmerksamkeit zu erregen. Die Corona-Epidemie war es wohl nicht. Ganz im Gegenteil. Bischöfe und Seelsorger haben jetzt eher damit zu tun, die Gemeinschaften der Gläubigen wieder aus der Starre und dem Stillstand zu lösen, in die sie die Seuche mit allen ihren Beschränkungen geworfen hat.

Lesen Sie auch:
Lesen Sie auch:

Größte Befragung

Stattdessen nun die größte Befragung, die es in der Menschheitsgeschichte je gegeben hat: 1,3 Milliarden Katholiken in aller Welt sind aufgerufen, anhand von zehn Fragestellungen, die das römische Synodensekretariat ausgegeben hat, darüber Auskunft zu geben, wie synodal und dialogisch sie ihre Existenz als Christen leben. Beteiligen werden sich aber wohl nur die, die in irgendeiner Weise institutionell organisiert und dem Zugriff der Befrager ausgeliefert sind. Ob deren Antworten reichen werden, um den römischen Synodenlenkern eine Vorstellung von konkreten Themen zu vermitteln, die dann den weiteren Verlauf des Prozesses prägen werden, weiß man wohl erst, wenn nach der regionalen Phase im September 2022 das erste „Instrumentum laboris“  als Arbeitsdokument für die Beratungen der kontinentalen Phase erscheint.

Spiel mit dem Feuer

Solch ein weltkirchliches Häuserheben veranstaltet man nicht, um einen Synodalen Weg im kleinen Deutschland einzuhegen, der vielen römischen Kurialen als Spiel mit dem protestantischen Feuer erscheint. Bleibt also nur, den Grund für den synodalen Weltprozess in den Anliegen des Papstes selbst zu suchen, der nun, nach über acht Jahren Pontifikat, der Kirche ein für alle Mal den Bergoglio-Style einimpfen möchte. Und der ist ja nicht schlecht – ganz im Gegenteil, er ist durch und durch christlich: Eine Kirche, die den Auftrag Jesu, hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden, ernst nimmt und sich nicht hinter den dicken Mauern einer Amtskirche oder einer doktrinären Selbstgerechtigkeit verschanzt.

Klerikalismus eindämmen

Die Übel, die Franziskus eindämmen will, sind bekannt: Der Klerikalismus, Geistliche also, die, wie er noch am Sonntag bei der Eröffnungsmesse sagte, eher „Monsieur l'abbé “, höfische Herren, sind und nicht „väterliche Priestergestalten“. Eine rigide Pastoral, die den Beichtstuhl zur Folterkammer macht und die Gebote wie Felsbrocken auf die Gläubigen schleudert, statt zuzuhören und die Situationen zu unterscheiden. Die Selbstbezogenheit, also eine Kirche, die sich nur um sich selber dreht, anstelle an die Peripherien der menschlichen Existenz zu gehen und bei den Notleidenden und Unterdrückten zu sein. Es ist eine Umkehr der Haltungen, die dem Papst als Ziel der Weltsynode vorschwebt, nicht eine Umdeutung der Glaubensinhalte. Auch wenn ein Ergebnis jetzt schon festzustehen scheint: die Aufwertung der Stellung der Laien und hier nochmals die der Frauen, bis in die Leitungsämter der Kirche hinein.

Gewollte Konsequenzen

Dass dies aber irgendwelche dogmatischen Konsequenzen haben könnte, wie dies beim Synodalen Weg in Deutschland durchaus gewollt und gewünscht ist, sollte sich niemand von der Weltsynode erwarten. Diese hat theologisch ein klares Fundament, das Franziskus und die den Prozess leitenden Bischöfe immer wieder herausstellen: die Texte des Zweiten Vatikanum – und nicht ein wie auch immer gearteter Geist des Konzils. Nicht um die Lehre geht es, sondern um den Stil, um die Art und Weise, wie die Kirche nach Innen und in die Welt hinein wirkt. Das ist der Unterschied zum Synodalen Weg.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Guido Horst Bischöfe Covid-19-Pandemie Epidemien Jesus Christus Katholikinnen und Katholiken Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Menschheitsgeschichte Papst Franziskus Päpste Synodaler Weg

Kirche