Ratzinger-Preis

Eine „deutsche Stunde“ im Vatikan

Mit einer „Laudatio“ von Bischof Rudolf Voderholzer. Papst Franziskus verleiht Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz und Ludger Schwienhorst-Schönberger den Ratzinger-Preis 2021.
Ratzinger-Preisträger
Foto: Guido Horst | Ludger Schwienhorst-Schönberger und Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz nahmen die Preise im Vatikan entgegen.

Nicht nur, dass die Verleihung des „Ratzinger-Preises“ durch Papst Franziskus in diesem Jahr wieder stattgefunden hat – nach einer der Corona-Epidemie geschuldeten Pause 2020 –, es kamen auch mehr Gäste als in manch anderen Jahren, mehr Kardinäle nahmen an der feierlichen Veranstaltung in der „Sala Clementina“ des Apostolischen Palasts teil und auch der Himmel zeigte sein Wohlwollen und schenkte Rom am Samstag nach einigen Regentagen sommerliche Wärme. Franziskus, der eine Viertelstunde zu früh den Saal betrat, wurde von Pater Federico Lombardi begrüßt, der nach langen Jahren als Pressemann des Vatikans heute Vorsitzender des Verwaltungsrats der Vatikanstiftung „Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.“ ist, die den „Nobelpreis der Theologie“, wie ihn manche nennen, Jahr für Jahr verleiht.

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Nicht nur Theologen

Aber es sind nicht nur Theologen, die die Auszeichnung erhalten. Wie der Papst in seiner Ansprache sagte, erweitert sich der Kreis der Preisträger Jahr für Jahr nicht nur an Zahl, sondern auch an Ländern, aus denen sie stammen, sowie in der Vielfalt der „Disziplinen und Künste“. Auch Musiker wie der Komponist Arvo Pärt oder Architekten wie Mario Botta zählen inzwischen zu den insgesamt 24 Ausgezeichneten.

Mit der Theologin Tracy Rowland saß nun auch eine Australierin unter den Preisträgern und machte die fünf Kontinente der Erde vollzählig. Ihr und dem Philosophen und Theologen Jean-Luc Marion war der Preis im vergangenen Jahr zugedacht worden, die feierliche Verleihung holten sie jetzt nach. Die Vorstellung der beiden übernahm Kardinal Gianfranco Ravasi, Präsident des vatikanischen Kulturrats. Rowland ist Professorin an der katholischen University of Notre Dame Australia. Mehrere ihrer Arbeiten beschäftigen sich mit der Theologie Joseph Ratzingers.

Fruchtbare Gedanken

Marion zählt zu den bekanntesten französischen Philosophen der Gegenwart. Er ist Mitglied der Gelehrtengesellschaft „Académie Française“ und hat eine Professur für Religionsphilosophie an der University of Chicago in den Vereinigten Staaten inne. Die Würdigung der diesjährigen Preisträger war dann eine „deutsche Stunde“. Zu ehren waren die inzwischen in Heiligenkreuz lehrende Philosophin und Theologin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz sowie der an der Universität Wien tätige, aber aus Nordrhein-Westfalen stammende Exeget Ludger Schwienhorst-Schönberger. Und die Laudatio hielt Bischof Rudolf Voderholzer aus Regensburg. Gerl-Falkovitz, so der Bischof, habe ihre Erfahrungen als „Wegbereiterin des Credos“ in einem weitgehend atheistischen Umfeld an der Technischen Universität Dresden, wo sie von 1993 bis 2011 Religionsphilosophie lehrte, in „außerordentlich fruchtbarer Weise in die Diskussionen im Westen des Landes eingebracht, der auch vom Vordringen der Säkularisierung betroffen ist“.

Fides et ratio

Mit ihren Forschungen über die Anthropologie der Geschlechter und ihren Gesprächen mit verschieden großen Frauengestalten liefere sie ein wertvolles Gegengewicht zu der gnostischen Nivellierung der Polarität von Mann und Frau. Gerl-Falkovitz, meinte Voderholzer weiter, sei eine „Zeugin der gegenseitigen Abhängigkeit von „Fides et ratio“. „Ohne die Vernunft – und somit ohne Philosophie – wird der Glaube fanatisch; ohne Glaube wird die Vernunft am Ende blind“. Die Geehrte verkörpere damit eines der zentralen Themen dessen, der dem Preis den Namen gegeben habe, den, so Voderholzer, die Professorin völlig zu Recht erhalte.

Traditionelle Auslegung

Der Bibelforscher Schwienhorst-Schönberg, wandte sich der Bischof dem zweiten Geehrten dieses Jahres zu, zeige in seinem wissenschaftlichen Werk auf, dass die von Artikel zwölf der Konzilskonstitution „Dei verbum“ geforderte Synthese zwischen der historischen Exegese und der traditionellen Auslegung der Schrift kein schlechter Kompromiss sei, sondern die einzige angemessene Herangehensweise an die Offenbarung, in der das Fleisch gewordene Wort Gottes ihren Höhepunkt und ihr eigenes Resümee finde.

Ohne die historische Exegese unterzubewerten bekräftige der Preisträger dennoch „die Rehabilitierung des traditionellen Verständnisses der Schrift“. Es sei ein „Paradigmenwechsel in der modernen Bibelwissenschaft vonnöten“, so Voderholzer, den Schwienhorst-Schönberger nicht nur selber vollzogen, sondern klar beschrieben habe. Auch er sei ein würdiger Träger des „Ratzinger-Preises“, weil eines der zentralen Themen des großen Theologen und späteren Papstes die Entwicklung der Botschaft des Credos aus einer umfassenden biblischen Sicht heraus war.

Leuchtendes Lehramt

Auch Papst Franziskus ging in seiner Ansprache nochmals auf seinen Vorgänger ein. Die Amtszeit Benedikts sei „durch ein leuchtendes Lehramt und eine unermüdliche Liebe zur Wahrheit geprägt“ gewesen. Ihm, dem „großen Meister der Philosophie und Theologie unserer Zeit“, meinte Franziskus, „danken wir besonders, weil er auch ein Beispiel für leidenschaftliche Hingabe an Studium, Forschung, schriftliche und mündliche Kommunikation war und weil er seine kulturelle Forschung immer vollständig und harmonisch mit seinem Glauben und seinem Dienst an der Kirche verband.“ Bei Benedikt XVI. endete dann auch der vatikanische Tag der vier Preisträger. Mit Pater Lombardi statteten sie dem 94-jährigen Emeritus am Nachmittag im Kloster „Mater Ecclesiae“ einen Besuch ab. Sie hätten sich, so hieß es später, eine gute Stunde lang sehr lebhaft über die Arbeit ausgetauscht, gemeinsam gebetet und zum Abschluss vom emeritierten Papst eine Medaille und einen Rosenkranz erhalten.

Im folgenden noch die Porträts
der Preisträger Tracey Rowland und  Jean-Luc Marion

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