IM BLICKPUNKT

Der Boom des Organisierens

Eine Reihenfolge von Welttagen prägt das vatikanische Jahr. Bei aller medialen Inszenierung bleibt offen, welche geistlichen Früchte das bringt.
Vor dem Welttag der Armen - Papst reist nach Assisi
Foto: Riccardo De Luca (AP) | Der Papst reiste anlässlich des Welttages der Armen nach Assisi, um mit Vertretern der lokalen Kirche und auch 500 armen Menschen aus ganz Europa zusammenzukommen.

Das Treffen des Papstes in Assisi mit Bedürftigen kurz vor dem Weltsonntag der Armen reihte sich nicht ein in die Überraschungsbesuche, die Franziskus regelmäßig am Freitag in sozialen Brennpunkten oder caritativen Einrichtungen macht. Wenn der Papst nach Assisi fliegt, weiß man das. Und es erwarteten ihn einige hundert Obdachlose und Arme in der Basilika Santa Maria degli Angeli, vor der Kirche begrüßte ein Spalier von Gläubigen den Papst, die Medien waren da und die Franziskaner natürlich auch. Aber es war eine jener typischen Gesten von Franziskus, mit denen er die Kirche und die Gesellschaft auf die Ausgegrenzten und Notleidenden aufmerksam machen will. Persönlich scheut der Papst keine Mühe, um ihnen immer wieder nah zu sein.

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Welttag der Armen 

Zwei Tage später dann, am Sonntag, der Gottesdienst mit dem Papst im Petersdom zur Feier des vor fünf Jahren von Franziskus eingerichteten Welttags der Armen. Er sprach von der Hoffnung, die nicht nur ein frommes Gefühl sein dürfe, sondern auch ganz konkret konstruiert werden müsse. Das Stichwort von der zu „konstruierenden Hoffnung“ griffen dann auch die Fernsehnachrichten auf, dazu gab es Bilder von der Gemeinschaft SantAegidio mit entsprechenden Initiativen der vergangenen Woche, die den Armen der Welt gewidmet war.

Dass die Caritas, die Werke für arme, notleidende, kranke und verlassene Menschen schon immer zu den Grundaufgaben der Kirche gehört, tritt bei den medialen Inszenierungen dieser kirchlichen Welttage etwas in den Hintergrund. Und von diesen Welttagen, die mit Paul VI. zu boomen begannen, gibt es inzwischen schon eine ganze Menge: den Welttag des Friedens am 1. Januar, den für die Soziale Kommunikation, einen für die Jugend und einen für die Großeltern und alten Menschen, einen für das Gebet um Berufungen, für die Migranten und so fort und jetzt auch einen für die Armen.

Welttage statt Kirchenjahr

Es sind dann meist die Dikasterien für die etwas weichen Themen wie das für die Laien, die Familie und das Leben oder das Dikasterium für die umfassende Entwicklung des Menschen und der Rat für Neuevangelisierung, die zu diesen Welttagen etwas Betrieb organisieren müssen – und der Papst veröffentlicht eine Botschaft. Früher gab es das Kirchenjahr mit seinen Gedenk- und Feiertagen, die das Leben der Gläubigen orientierten und geistliche Nahrung gaben. Heute ist es die Abfolge von Welttagen, die eher soziale und gesellschaftliche Kategorien betreffen, an denen sich zumindest das vatikanische Jahr entlang hangelt. Ob diese Welttage die Seelen wirklich berühren, sei einmal dahingestellt.

Keiner weiß was genaueres

Auch die zweijährige Weltsynode bis Oktober 2023 hat die Christenheit bisher nicht richtig aufrütteln können. Der Inhalt ist recht allgemein: Die Kirche soll lernen, synodal zu sein. Bei diesem Projekt ist es das römische Synodensekretariat, das Impulse gibt und eine gewaltige Fragebogenaktion in den Diözesen der Welt betreibt. Auch hier würden Umfragen in einer gewöhnlichen Kirchengemeinde oder unter normalen Gläubigen wohl ergeben, dass niemand genau weiß, wie diese Weltsynode verläuft und was sie am Ende bringen soll. Auch in der Kirche gilt das Prinzip der Subsidiarität. Dass der Vatikan das Leben der Gläubigen von oben thematisch organisieren will, hat bisher kaum geistliche Früchte gebracht.

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