Synodaler Weg

Der Synodale Weg der Funktionäre wird verlängert

Parlamentarismus in der Kirche, Der Synodale Weg macht sogar vor Sakramenten nicht Halt. Weil es so gut läuft, soll es länger laufen.
Synodaler Weg - 2. Vollversammlung
Foto: Rudolf Gehrig | Trotz Abstimmungsmarathon reicht die Zeit nicht. Der Synodale Weg muss verlängert werden.

Als der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, am Samstagnachmittag seine Blicke durch die Synodenaula schweifen ließ, muss ihm aufgefallen sein, dass die Lücken immer größer geworden sind. Lag es an einer plötzlich aufgetretenen Form des kollektiven Kaffeedurstes? Oder waren wirklich schon so viele gegangen?

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Es läuft gut

Zu diesem Zeitpunkt tagten die „Synodalen“ – wie sie sich selbst nennen – nun schon seit drei Tagen (30.09-02.10.) im Frankfurter Congress Center zur zweiten Synodalversammlung des „Synodalen Weges“. Die Corona-Maßnahmen haben diesen Prozess etwas ausgebremst, der 2019 begonnen hatte. Dazu kommen innerkirchliche Querelen und auch die Warnsignale aus Rom, es mit den „Reformen“ nicht zu weit zu treiben.

Unverdrossen erklärte dennoch der scheidende ZdK-Präsident Thomas Sternberg wörtlich: „Es läuft ganz erstaunlich gut, es klappt hervorragend, auch mit den Abstimmungen. Es klappt mit der Disziplin, den Redezeiten, es klappt sehr gut mit dem gegenseitigen Respekt, auch bei sehr unterschiedlichen Ansichten. Das ist alles wunderbar.“

Vielleicht liegt es am Begriff „Funktionär“, der den irreführenden Rückschluss zulässt, dass etwas „funktioniert“. Das hat es allerdings nicht immer, als die Bischöfe und Funktionäre sich berieten und am Ende zu dem Schluss kamen: Die Zeit reicht immer noch nicht. Der „Synodale Weg“ muss in die Verlängerung – erneut. Ende Februar / Anfang März 2023 soll die bereits fünfte Synodalversammlung stattfinden. Bischof Bätzing warb um Verständnis: „Der Druck ist hoch, wir brauchen etwas Luft und Zeitraum." Diese Zeit brauche es, um sich "zwecklos, nicht sinnlos, untereinander auszutauschen".

Enthaltungen sind Ablehnungen

Bätzing war nicht der Einzige, der das Wort „zwecklos“ im Zusammenhang mit den Diskussionen auf der Synodalversammlung in den Mund nahm. Der Versuch, am Vorbild von parlamentarischen Prozessen Entscheidungen mittels demokratischer Mehrheitsvoten herbeizuführen, blieb letztlich nur ein Versuch, als über die Frage debattiert wurde, ob der Fokus auf die Evangelisierung stärker in der Präambel des „Synodalen Weges“ betont werden sollte. Zunächst wurde dieser Antrag abgelehnt, obwohl er die einfache Mehrheit von 94 Ja-Stimmen auf sich vereinte, während 86 Teilnehmer dagegen stimmten und 15 Enthaltungen gezählt wurden. Warum der Antrag dennoch abgelehnt wurde? Als Grund gab Claudia Nothelle (ZdK) am Donnerstagabend an: „Enthaltungen müssen als Ablehnung gewertet werden.“

Schon am Freitagmorgen wurde die Entscheidung zurückgenommen. „Uns ist da gestern ein Fehler unterlaufen“, teilte Bätzing kleinlaut mit. Nach Rücksprache mit der "Interpretationskommission" habe man festgestellt, dass Enthaltungen gar nicht gewertet werden dürfen, auch nicht als Ablehnung. Damit ist das Übergewicht der Ja-Stimmen entscheidend und der Änderungsantrag gilt nun doch als angenommen. Die Evangelisierung als Ziel des „Synodalen Weges“ muss in der Präambel stärker betont werden.

Deutsche Kirche

Unterdessen wiederholten sowohl der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz wie auch das Präsidium des ZdK, man wolle keinesfalls eine „deutsche Nationalkirche“ gründen. Beobachter horchten jedoch erstaunt auf, als Bätzing vor der versammelten Presse von einer „deutschen Kirche“ sprach und nicht „von der Kirche in Deutschland“. Er war gerade dabei, ein Dementi abzugeben: „Kein Mensch kann sagen, die deutsche (sic!) Kirche ginge da ran, das Priesteramt abzuschaffen“, so der Limburger Bischof, „das ist nicht wahr!"

Vorangegangen war eine Abstimmung über die Frage, ob beim „Synodalen Weg“ die Frage darüber zugelassen werden soll, ob es – so wörtlich – „das Priesteramt überhaupt braucht“. Denkbar knapp (95 Stimmen dafür, 94 dagegen, neun Enthaltungen) wurde der Vorschlag angenommen.

Abschaffung des Priesteramtes

Doch schon am nächsten Tag sah sich Bischof Bätzing dazu veranlasst, klarzustellen: „Es ging dabei beileibe nicht um eine Abschaffung des Priesteramtes.“ Hintergrund sei vielmehr der Umstand, dass „die Stellung des sakramentalen Amtes des Priesters angefragt ist durch die Missbrauchskrise und auch durch den Mangel an Priestern.“ Das entsprechende Synodalforum wolle lediglich „die Stellung des priesterlichen Dienstes inmitten des Gottesvolkes stärken“ und damit „auch den Priestern den Rücken stärken“, so Bätzing weiter. Das, was nach Ansicht des Limburger Bischofs von den Medien „missverstanden“ worden sei, sei in Wirklichkeit der Auftrag an das Forum, „positiv die Begründung noch einmal aufzurufen, warum und wo die Stellung des priesterlichen Dienstes mitten im Gottesvolk ist“.

Den Priestern „den Rücken stärken“, indem man 250 Synodale darüber diskutieren lässt, „ob es das Priestertum überhaupt braucht“? Alles nur ein Missverständnis? Im Abstimmungsprotokoll, das noch auf der Internetseite des „Synodalen Weges“ abrufbar ist, ist der entsprechende Antrag und auch das positive Abstimmungsergebnis dokumentiert. „Mit den eingebrachten Änderungsanträgen zum Priesteramt wurde beantragt: Das Forum soll sich mit der Frage auseinandersetzen, ob es das Priesteramt überhaupt braucht“, heißt es da wörtlich. Und: „Die Antragskommission empfiehlt, diesen Änderungsantrag anzunehmen.“

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Rütteln am Weiheamt

Das Weiheamt ist jedoch nicht das einzige Sakrament auf der „Reform-Liste“. Auch am Ehesakrament wird heftig gerüttelt. Der Grundlagentext des Synodalforum „Leben in gelingenden Beziehungen“ wurde mit der überwältigenden Mehrheit von 168 Ja-Stimmen bei insgesamt 214 Teilnehmern angenommen. Bischof Helmut Dieser erklärte die Sexualmoral der Kirche für überholt, man möchte stattdessen in Zukunft "von der Person" ausgehen, und beispielsweise das Naturrecht nicht mehr in die Bewertung von Sexualität mit einfließen lassen. Die Textvorlage sieht auch die Segnung homosexueller Verbindungen vor. Dass die Vorlage angenommen wurde, bezeichnete Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück) später als „Sternstunde“.

Bischof Bode war es auch, der es einen „eigenartigen Eklat“ nannte, dass so viele Synodale schon im Laufe des Samstagnachmittags den Raum verlassen hatten, noch bevor die Synodalversammlung offiziell beendet war. Um beschlussfähig zu sein, war eine Zweidrittel-Mehrheit (154 Personen) nötig, die Überprüfung zeigte jedoch, dass nur noch 149 Teilnehmer anwesend waren.

Fassungslosigkeit

Als die Beratungen daraufhin satzungsgemäß abgebrochen wurden und das Präsidium die Stimmung zu retten versuchte, in dem sie den als „EinHalt“ betitelten „geistlichen Impuls“ vortragen ließ, machte sich Fassungslosigkeit unter den verbliebenen Teilnehmern breit. Einer von ihnen äußerte den Verdacht, dass einige Anwesende „aus Böswilligkeit“ das Abstimmungsgerät nicht bedient hätten, um die Beschlussfähigkeit zu verhindern.

Auf der Pressekonferenz versuchte Bätzing die Wogen zu glätten. Dass ausgerechnet er den Antrag zur Überprüfung der Beschlussfähigkeit stellte, der dazu führte, dass die Synodalversammlung vorzeitig abgebrochen werden musste, sei von ihm als ein "pädagogisches Moment" gedacht gewesen, behauptete der Hirte. Er habe damit bei allen das Bewusstsein schärfen wollen, dass der "Synodale Weg" nun in eine "wichtige Phase" eintrete.

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