Würzburg

Junge Federn: Antlitz Christi in den Armen

Dieser Tage wird viel über Veränderung gesprochen, aber wenig miteinander gebetet. Durch das ehrliche Gebet werden wir selbst verwandelt, denn wir stellen dann nicht uns, sondern Gott in den Mittelpunkt.
Mutter Teresa und ihr Werk
Foto: Piyal Adhikary (EPA) | Im Studium schrieb unser Autor seine erste Seminararbeit über Mutter Teresa und ihr Werk, und war sehr angetan davon.

Letzten Februar reiste ich mit dem Priesterseminar nach Äthiopien, um die dortige Kultur kennenzulernen. Seitdem denke ich ganz anders von diesem Land und der dortigen Kultur. Natürlich sahen wir auch alles, was sich ein Tourist von Äthiopien erhofft, aber wir sahen auch ein Land, in dem der Glaube lebendig gelebt wird. Wir besuchten die kirchlichen Sozialeinrichtungen – wie etwa eine Schule, ein Waisenhaus und auch eine Einrichtung für Jugendliche von den Salesianern Don Boscos.

"Die wissenschaftliche Reflexion kann nie das erfassen,
was der gelebte Glaube hervorzubringen vermag"

Am meisten war ich jedoch beeindruckt, weil es mich persönlich berührte, als wir eine Krankenstation der „Mater Teresa Sisters“ (Schwestern der Mutter Teresa) besuchten. Eine Schwester aus Österreich ist nunmehr seit fast 30 Jahren in Äthiopien und setzt sich hingebungsvoll für die Ärmsten der Armen ein, weil sie in ihnen das Antlitz Christi in dieser Welt erkennt. Wir konnten nur sporadisch erkennen, welches Leid hier versammelt ist, aber wir sahen deutlich, wie die Schwestern sich der Armen annahmen, und sie mit Gebet und medizinischer Versorgung begleiten. Jeder, der an ihre Tür klopft, wird aufgenommen.
Im Studium schrieb ich meine erste Seminararbeit über Mutter Teresa und ihr Werk, und ich war sehr angetan davon. Die wissenschaftliche Reflexion jedoch kann nie das erfassen, was der gelebte Glaube hervorzubringen vermag. Mit unserer europäischen Brille empfinden wir es wohl als keine besondere Leistung, wenn wir diese Versorgung sehen, aber in einem Land, dem unser medizinischer Standard völlig fehlt, ist es eine gewaltige Leistung, die diese Schwestern nicht aus eigener Kraft vollbringen, sondern weil sie selbst als Beschenkte weiterschenken.

Zu großen Taten der Liebe im Kleinen fähig

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Die Schwestern pflegen ein intensives Gebetsleben, denn nur aus der persönlichen Beziehung zu Christus, die sie genauso wie alle anderen pflegen müssen, können sie dies alles leisten.

Dieser Tage wird viel über Veränderung gesprochen, aber wenig miteinander gebetet. Wenn Christus nicht mehr im Mittelpunkt steht, dann driftet Veränderung meist dahingehend ab, dass der Mensch sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Ich bin davon überzeugt, dass durch das ehrliche Gebet wir selbst verwandelt werden, denn wir stellen dann nicht uns, sondern Gott in den Mittelpunkt. Wir sind dann zu großen Taten der Liebe im Kleinen fähig, denn wir machen diese nicht um unseretwillen, weil wir gefallen wollen, sondern um Gottes willen.
Es ist zwar nicht immer leicht, aber Gott ist es wert!

Der Autor, 25, ist Seminarist im Bistum Regensburg

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