Reform-Manifest

Manifest wider die synodale Sackgasse

Reform-Manifest geht zum Papst. Der Synodale Weg entwickelt sich zum innerkirchlichen Fiasko. Darum fordert eine Initiative den deutschen Sonderweg zu beenden.
Der Synodale Weg ist eine Sackgasse
Foto: Caroline Seidel (dpa) | Ehe der Synodale Weg vor die Wand fährt, warnen engagierte Katholiken rechtzeitig vor der dem Abirren in eine Sackgasse.

Der als fundamentaler Reformprozess angekündigte „Synodale Weg“ entwickelt sich zunehmend zu einem innerkirchlichen Fiasko. Die Vorwürfe reichen von Intransparenz und strategischer Kungelei bis hin zu schismatischen Tendenzen. Nachdem Bischof Vorderholzer, weitere Bischöfe und Synodalen auf einer Internetseite alternative, offiziell nicht zugelassene Texte veröffentlichten, geht nun eine Gruppe von bekannten Theologen, Anthropologen und Publizisten in die Offensive.  

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Das Manifest

Das REFORM-MANIFEST fordert nicht weniger als das Ende des deutschen Sonderweges, einen Anschluss an den weltweiten synodalen Weg von Papst Franziskus und vor allem ein Ende des „Missbrauchs mit dem Missbrauch“.

Die Autoren sind sich sicher, dass viele den Synodalen Weg kritisch sehen und sich mit ihren Fragen und ihrer Verärgerung in den Thesen wiederfinden, die sie samt Unterschriften dem Papst in Rom überreichen wollen. „Was gerade in der deutschen Kirche passiert, ist wie ein Hohn auf EVANGELII GAUDIUM – die große Reformansage von Papst Franziskus. Da kreist eine Kirche, die am Rand des Abgrunds steht, immer noch manisch um sich selbst und verkauft der Welt ihren Populismus als Kirchenreform.“ sagt Bernhard Meuser, einer der Initiatoren des Manifestes, das auf der Internetseite www.neueranfang.online nachgelesen werden kann.

Nicht alles, was sich synodal nennt, ist eine Synode.

So betont die Reformgruppe in These 1 explizit die objektiven Grenzen deutscher Beschlüsse: „Legitim sind Forderungen in der Kirche nur dann, wenn sie aus dem Evangelium begründet, in den Glauben aller eingebettet und von der universalen katholischen Kirche mitgetragen werden.“ Die Demokratie-Euphorie des Synodalen Weges blende das systematisch aus.

Der Synodale Weg sei aber „keine Synode“; er habe „kirchenrechtlich keine Verbindlichkeit.“ Er könne auch nicht für alle Katholiken in Deutschland sprechen und bindende Entscheidungen für sie treffen; dazu sei das Gremium weder „durch Sendung noch durch Repräsentation“ legitimiert. 

Reform ja, aber welche?

Nun mangelt es ja nicht am Ruf nach Reformen. Seit Jahrzehnten tönt es in Endlosschleife: Weg mit dem Zölibat!  Frauen an den Altar! Laien an die Macht! Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften! Demokratie in der Kirche! Ist der Missbrauch nicht das traurige Alarmsignal für echte Reformen? Die Notwendigkeit grundlegender Erneuerung der Kirche wird in These 2 explizit bejaht, wobei die Autoren auf kritische Distanz zur synodalen Neuerfindung der Kirche und den strategischen Winkelzügen seiner Betreiber gehen. Der Synodalen Weg verfehle „auf dramatische Weise den Ansatz wahrer Reform.

In seiner Fixierung auf die äußere Struktur geht er am Kern der Krise vorbei“. Die Kirche habe noch nie Salz und Licht durch Reduzierung der Ansprüche und strukturelle Anpassung an die Welt zurückgewonnen.

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Kein deutscher Sonderweg

Gegen Reformen durch die Hintertür eines deutschen Sonderweges, betont These 3 die Einheit mit der „einen, heiligen, apostolischen und katholischen Kirche“. Man leide schon heute genug unter den Spaltungen des Leibes Christi und wolle nicht noch einmal eine „deutsche Sonderkirche.“

Akribisch listet das Papier die vergeblichen Einsprüche und Mahnungen von Papst Franziskus und dem Vatikan auf, die es in der Vergangenheit in aller Deutlichkeit gab, aber am Synodalen Weg abtropften wie Regen von der Ölhaut. „Uns beschämt, dass diese Einsprüche ignoriert, relativiert und sogar lächerlich gemacht wurden, obwohl es sich um verbindliche Korrekturen handelte“, heißt es im Manifest. 

Alle Macht geht von wem aus?

Der Synodale Weg wird als verdeckter Machtkampf beschrieben. In der Kirche gehe aber „alle Macht vom Herrn aus“; sie sei „nur geliehene Macht“, die legitim, transparent und in demütigem Dienst an den Menschen ausgeübt werden müsse. Eindringlich warnt das Papier davor, falschen Machtgebrauch von Hirten mit der „Herrschaft der Büros“ zu beantworten.

Auch hier unterscheidet sich das REFORM-MANIFEST von den bislang diskutierten Lösungsansätzen: „Wir wollen keine Kirche der Beamten und Funktionäre, der aufgeblähten Apparate und des dauerinstallierten Geschwätzes.“ Niemand brauche eine Kirche, in der Berufung durch Anstellung, Hingabe durch Vertrag und Vertrauen durch Kontrolle ersetzt werden.

Die Frauenfrage auf die Füße gestellt

Nirgendwo geht es innerkirchlich mehr um die Macht als in der Frauenfrage. These 5 fordert, „dass Frauen auf allen Ebenen in der Kirche die gleichen Rechte und Pflichten wie Männer haben und selbstverständlich auch an leitender Stelle handeln können“. Den Versuchen, die Zuweisung des Priesteramtes als Diskriminierung von Frauen zu deuten, erteilt man eine entschiedene Absage.

Es gebe dazu ebenso bindende wie theologisch stimmige Lehre der Kirche. Deutlich grenzt man sich damit von Einlassungen diverser Frauengruppen ab, als handele es sich „um die Wahrung einer reaktionären Männerbastion und als gebe es eine Art von Gleichstellungsrecht für Frauen auf das Amt.“

Keine neue Sexualmoral

Punkt für Punkt steigert sich das Thesenpapier an Brisanz und Deutlichkeit. Vehement verteidigt man die Ehe als ein Sakrament, das nicht willkürlich in eine Reihe mit rein menschlichen Verbindungen gestellt werden könne. Dem Konzept, die „Alleingeltung der Ehe“ durch ihre „Höchstgeltung“ zu ersetzen, erteilt man eine klare Absage. Es sei nur vordergründig eine Brücke zu Menschen, „die in geschlechtlichen Gemeinschaften leben, die aus dem Bild herausfallen, das uns von der Heiligen Schrift und der Kirche vorgegeben ist.“

Statt „verletzbaren und verletzten Menschen zu helfen“, falle der Synodale Weg „in eine Tonlage beschönigender Wertschätzung“ und unterminiere die christliche Ehe. These 7 schließt logisch an: Eine eheanaloge „Segnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften“ könne es nicht geben, wiewohl keinem Menschen „der Segen Gottes vorenthalten werden darf.“ Der Synodale Weg überdehne die mit Amoris Laetitia gegebene „Perspektive der Barmherzigkeit und pastoralen Sorge um das Heil aller Menschen, indem er die Gebrochenheit der menschlichen Natur (und damit die Sünde) nicht mehr in Rechnung stellt.“ 

Zwischen Beruf und Berufung

In These 8 wird das Verhältnis von Laien und Priestern ausbalanciert und davor gewarnt, die Grenzen zu verwischen. „Der Dienst der Kirche an der Welt“ sei Laien und Priestern „gemeinsam und ohne Unterschied in den Zielen und der Würde anvertraut.“ Laien sollten jedoch „tun, was nur Laien tun können und Priester den Dienst leisten, wozu sie durch die Kirche berufen und durch die Weihe befähigt wurden.“ Der Synodale Weg verdunkle die „spezifische Berufung des Priesters, indem er den Priester theologisch und strategisch marginalisiert. Man wendet sich gleichermaßen gegen die „Laikalisierung des Priesters“ wie auch gegen die „Klerikalisierung von Laien.“

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Der Missbrauch mit dem Missbrauch

These 9 hätte man fast an den Anfang stellen müssen, waren doch die Missbrauchsskandale als, „der Mühlstein um den Hals der Kirche“ einst der ausschlaggebende Startpunkt zur Begründung des Synodalen Weges. Mit harschen Worten kritisiert das Manifest, dass genau von dieser Aufarbeitung nahezu fatal nichts mehr übriggeblieben ist. Man müsse Amtsträger „an der Transparenz, mit der sie Vergehen in der Vergangenheit aufarbeiten und Prävention für die Zukunft betreiben“ messen.

Auf dem Synodalen Weg aber werde der Missbrauch instrumentalisiert, „um sachfremde Ziele und Positionen durchzusetzen“. Zudem werde bis heute „der Tatsache nicht Rechnung getragen, dass 80 Prozent der Übergriffe gleichgeschlechtlicher Natur“ sind. Allein dieses schlichte Faktum enthält so viel innerkirchliche Sprengkraft und Aufklärungsbedarf, dass es nicht verwundert, dass der Synodale Weg es großräumig umschifft, stellt sich doch hier die Frage nach der Missbrauchsgefahr, die durch ephebophile Homosexualität im klerikalen Umfeld entsteht. Im Ergebnis wird bei der Aufarbeitung der Missbrauchsskandale die Benennung klarer Täterschemata vermieden, weil sie sehr offensichtlich nicht ins amtierende Regenbogenkonzept des liberalen Flügels passt, der lieber für Segnungen aller Art kämpft.

Das Fazit des Manifestes liest sich entsprechend nüchtern und desillusionierend, aber als ehrliche Bestandsaufnahme: Missbrauch sei zum „Stellvertreterkrieg“ geworden, in dem es in Wahrheit um die Durchsetzung einer liberalen Kirchenagenda gehe. Der Synodale Weg verstärke sogar noch die Selbstbezogenheit der Kirche, die in die Vertuschung geführt habe.  „Logiken kirchlicher Selbsterhaltung“ führten nicht zu Reformen, sondern „in letzter Konsequenz in den ekklesialen Atheismus – in ein Handeln als gäbe es keinen Gott.“

Beobachtet man die nahezu kampagnenhafte Berichterstattung, mit der manche Bischöfe in den Rücktritt gedrängt werden sollen, ist der Vorwurf nicht von der Hand zu weisen. Auch nicht die Beobachtung einer „um sich selbst kreisenden Kirche, der es mehr um ihr Image als um die Opfer geht“. Besser könnte man die Irrläufe des Synodaler Holzweges gar nicht zusammenfassen.


Den Text des Manifests finden Sie hier.

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