Regensburg

Alternative zur Sackgassensynode

Die Zeit ist reif für die Unterscheidung der Geister: Bischof Rudolf Voderholzer und Bischof Stefan Oster SDB geben der am kirchlichen Lehramt orientierten Minderheit der Synodalversammlung eine Stimme.
Bischof Rudolf Voderholzer
Foto: Arne Dedert (dpa) | Voderholzer will Argumentationshilfen geben, um die bisher unbefriedigend verlaufenen Diskussionen auf dem Synodalen Weg zu vertiefen.

Die lehramtstreue Minderheit des Synodalen Wegs ringt um den Brückenschlag zur Weltkirche. Ehe die nächste Synodalversammlung Anfang Oktober die umstrittenen Textvorlagen verabschieden soll, legen die Bischöfe von Regensburg und Passau einen Alternativvorschlag vor, der bereits auf Widerspruch gestoßen ist. Gegenstand der Debatte ist die am Freitag vom Bistum Regensburg freigeschaltete Homepage www.synodale-beitraege.de und ihr Alternativtext zum Synodalforum I   Macht und Gewaltenteilung in der Kirche. Dessen Autoren sind der Augsburger Weihbischof Florian Wörner, der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken, die Wiener Theologin Marianne Schlosser und die Journalistin Alina Öhler. Voderholzer will damit Argumentationshilfen geben, um die bisher unbefriedigend verlaufenen Diskussionen zu vertiefen: Die Überzeugung des Regensburger Oberhirten, dass der Synodale Weg "in den bisher gefahrenen Gleisen nicht ans Ziel führen kann", teilt er mit seinem Passauer Amtsbruder Stefan Oster SDB, der sich seinerseits mit einem grundlegenden Beitrag zum Synodalforum IV - Leben in gelingenden Beziehungen zu Wort meldet. 

Sternberg reagiert zurückhaltend auf die Initiative

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Nach Auffassung der Moraltheologin Katharina Westerhorstmann ist die neue Website "eine logische Konsequenz aus der Entscheidung des erweiterten Präsidiums vom 20. November 2020, keine Minderheitenpositionen zur Vorlage in der Synodalversammlung zuzulassen." Wenn eine Deutung der Missbrauchsfälle sowie die Suche nach einer angemessenen kirchlichen Antwort auf dieselben nicht gegen, sondern auf Grundlage der kirchlichen Lehre versucht werde - bei gleichzeitiger Anerkennung problematischer Faktoren innerhalb kirchlicher Strukturen und der Weise der Verkündigung - sollte dies der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, erklärt sie gegenüber dieser Zeitung. Im Gegensatz zu ZdK-Präsident Thomas Sternberg, der zurückhaltend auf die Initiative reagierte, sieht der Bochumer Theologe Matthias Sellmann den Synodalen Weg als Prozess "diskreditiert". Den Kritikern wirft er vor, an den Sitzungen des Forums zum Teil nicht teilgenommen zu haben.

Allerdings liegen dieser Zeitung mehrere Berichte von Synodalen vor, die ein anderes Bild zeichnen. So stellt Dorothea Treder, Mitglied der Synodalversammlung, fest: "Immer wieder erlebe ich auf dem Synodalen Weg, dass Widerworte aus allen Himmelsrichtungen stiefmütterlich behandelt werden und unter dem synodalen Teppich verschwinden. Was zählt, sind Abstimmungsergebnisse von zufälligen Mehrheiten." Bischof Voderholzer legt aus Treders Sicht den Finger in die Wunde des Synodalen Weges. Dort bestehe keine Einigkeit darüber, was überhaupt als Argument gelten solle. "Wir haben uns weder auf Voraussetzungen und Grundlagen der Debatte verständigt noch geht es auf dem Synodalen Weg demokratisch zu." 

Klerikale Führungsmodelle der Vergangenheit

Während der Bochumer Theologe Thomas Söding und Johannes Norpoth, der als Betroffener sexualisierter Gewalt am Synodalforum I teilnimmt, dem Alternativtext vorwerfen, die Probleme der Kirche kleinzureden und an klerikalen Führungsmodellen der Vergangenheit festzuhalten", verweist der Regensburger Bischöfliche Beauftragte für den Synodalen Weg, Domkapitular Josef Kreiml, darauf, dass der Papst seine Zielvorgaben im Brief vom Juni 2019 beim Synodalen Weg nicht ausreichend berücksichtigt sehe. "Es ist mehr als Schönfärberei, wenn bekannte Akteure des Synodales Weges behaupten, sie könnten sich mit ihren Zielen auf den Papst berufen." Auch der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken warnt vor Illusionen. Im "domradio" bezeichnete er das am Dienstag erschienene Vorbereitungsdokument für den Synodalen Weg der Weltkirche als Warnzeichen für die deutschen Katholiken: "Das ist das Gegenteil unseres Prozesses in Deutschland".

 

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