Bonn

Leitartikel: Synodale Konkursmasse

Die Pandemie lastet auf den noch praktizierenden Gläubigen. Inmitten der sich abzeichnenden Verschiebungen in den Diözesen dürfte der Synodale Weg versanden.

Was wir aus dem Synodalen Weg
Inmitten der Verschiebungen in den Diözesen könnte der Synodale Weg bald in der Bedeutungslosigkeit versanden. Im Bild: Ein Kreuz in der Kirche Unser Lieben Frauen in Bremen. Foto: Sina Schuldt (dpa)

In den ersten hundert Tagen der Amtszeit des im Frühjahr gewählten neuen Vorsitzenden der deutschen Bischöfe ist der Druck im Kessel kräftig gestiegen. Corona zeigte sich unverzichtbar wähnenden Gremien ihre Entbehrlichkeit. Bischöfe trafen Entscheidungen – auch ohne Räte. Ins autoritäre Bild passt der Alleingang des Synodalpräsidiums. Nun rückt der Synodale Weg qua verordneter Verlängerung näher an die Bischofssynode in Rom 2022 heran.
Auch dort wird man den Systemfehler des Synodalen Wegs nicht beheben können. Bischof Bätzing hat ihn veranschaulicht, als er sein Dilemma beschrieb: Als Amtsträger habe er Positionen wie beispielsweise die Nichtzulassung von Frauen zum Weiheamt zu vertreten.

Forderung nach Evangelisierung findet größere Resonanz

Zugleich stellt er öffentlich fest, dass die einschlägigen Argumente von weiten Teilen des Gottesvolks „nicht aus bösem Willen“ verworfen würden, sondern weil vermeintlich „gute theologische Argumente“ dagegen stünden. Doch wen könnte ein auf theologisch so brüchigem Boden stehender Hirte davon überzeugen, dass es sich lohnt, Christus in der katholischen Kirche nachzufolgen? Glaube und Vernunft gehören zusammen. Bischof Bätzing ist nicht der einzige deutsche Hirte, der als Vertreter einer Kirche auftritt, deren lehramtliche Positionen er auf diese Weise nicht vermitteln kann. Der Papst, so lautet das bereits gezogene Fazit des Synodalen Wegs, könnte manche kirchenrechtlichen und dogmatischen Maßgaben so zurechtschneiden, dass die Zweifler wieder frei durchatmen können und sich in ihrer Kirche wohlfühlen. Doch woher beziehen Bischöfe mit einem diffusen Bild ihres Hirtenamtes die Gewissheit, um zuverlässig sagen zu können, was Aufgabe des Papstes ist?

Die Pandemie hat den Resonanzraum der von Papst Franziskus in seinem Brief an die Gläubigen in Deutschland erhobenen Forderung nach Evangelisierung drastisch vergrößert. Während des Lockdowns waren viele Hauptamtliche für verunsicherte Gläubige schlicht unerreichbar. Diese ernüchternde Erfahrung hat die Fliehkräfte in den Gemeinden und den Rückzug in die private Frömmigkeit verstärkt. Ein Blick in die spärlicher denn je besuchten Messfeiern zeigt, dass das Gottesvolk keine Verfügungsmasse darstellt. Nun ist die Zeit reif, um die versprengte Herde wieder zu sammeln. Mit guten Gründen hat sich der Kölner Weihbischof Schwaderlapp aus dem Synodalen Weg teilweise ausgeklinkt.

Unterfangen ähnelt konkursreifem Betrieb

Andererseits ähnelt das Unterfangen bereits einem konkursreifen Betrieb. Angesichts der heraufziehenden Wirtschaftskrise und der erwarteten Massenaustritte aus der Kirche müssen sich die Bistümer künftig auf die Verteilung knapper werdender Haushaltsmittel konzentrieren. Stellenabbau – nicht das Schaffen neuer Ämter – steht jetzt an. Inmitten der Verschiebungen in den Diözesen könnte der Synodale Weg bald in der Bedeutungslosigkeit versanden – vollends in den Schatten gestellt von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen, wie Europa sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt hat. Angesichts der unverschuldeten Existenznot, Vereinsamung und belasteter Zukunftsaussichten vieler in unseren Breiten nehmen sich die Diskussionsthemen mancher Synodaler als Luxussorgen aus. Über eine in Weinerlichkeit schwelgende Veranstaltung, deren Teilnehmer vorwurfsvoll auf den vermeintlich unnachgiebigen Papst in Rom zeigen, wird man den Kopf schütteln. Ernst nehmen muss man sie nicht.

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