Würzburg

Die Säulen der Kirche

Frauen, die Kirche und Welt etwas zu sagen haben, finden beim Establishment relativ wenig Beachtung. Dabei zeigt gerade die Pandemie, wie weibliche Fähigkeiten gebraucht werden, die die Kirche immer kultiviert hat. Ein Kommentar.
Kirche und Ordensschwester
Foto: Jean-Christophe Bott (KEYSTONE) | Keine Synodalversammlung wird den Gläubigen ausreden, dass heute gerade jene Frauen bitter fehlen, die den klassischen weiblichen Tugenden in Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern viele Jahre hindurch ein Gesicht ...

Im ausklingenden Jahr haben sich zahllose Aktionen und Debatten in Kirchenkreisen um das Thema der Frau gedreht. Viel Papier wurde mit Klagen und Vorwürfen an die Adresse der Institution bedruckt. Zum Leitmotiv des Jammerns passt, dass in den kirchensteuerfinanzierten Medien Berichte über unzufriedene Katholikinnen dominieren. Nicht wenige Gläubige beiderlei Geschlechts packt deswegen inzwischen der Überdruss.

Angebliche Opferrolle hat pauschal nie bestanden

Und das zu Recht: Denn Frauen, die Kirche und Welt Substanzielles zu sagen haben - Mütter behinderter Kinder, Lebensrechtlerinnen und katholische Lehrerinnen, die ihren Glauben ernst nehmen - finden beim Establishment relativ wenig Beachtung. Allerdings belegen gerade die Erfahrungen der Pandemie, dass die angebliche Opferrolle der Frauen in der katholischen Kirche so pauschal nie bestanden hat. Mehr denn je werden jene weiblichen Fähigkeiten gebraucht, die die katholische Kirche gegen alle ideologischen Trends immer kultiviert hat: Kindern und Jugendlichen Halt geben, unter widrigen Bedingungen Schüler unterrichten, Einsamen, Kranken und Alten beistehen.

Lesen Sie auch:

In der Pandemie haben alle, gleich welcher religiösen Überzeugung, die Erfahrung gemacht, dass Kranken und Sterbenden mit Machtansprüchen und lautstark vorgetragene Forderungen nicht geholfen ist. Und dass Frauen, die ihre Kinder zuhause erziehen, keine bemitleidenswerten Wesen jenseits des ersten Arbeitsmarktes sind, sondern hart arbeiten. Ist eine Retraditionalisierung der Gesellschaft im Zug der Coronakrise zu befürchten? Gelassenheit wäre besser.

Keine Synodalversammlung wird den Gläubigen ausreden, dass heute gerade jene Frauen bitter fehlen, die den klassischen weiblichen Tugenden in Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern viele Jahre hindurch ein Gesicht gaben: Ordensschwestern. Sie werden nicht am Altar vermisst, sondern als Säulen in der Kirche. Ihr mütterliches Vorbild ist ein Grund, warum sich zahllose Frauen in der Kirche trotz aller Turbulenzen nach wie vor am richtigen Platz sehen. Gerade für jene, die sich die Luxussorge Selbstbestimmung nicht leisten können, bleiben mütterliche Frauen auch 2022 unentbehrlich.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Der kommende Katholikentag in Stuttgart soll mehr als eine Großveranstaltung des Synodalen Wegs sein. Doch die inhaltliche Ausrichtung scheint dürftig.
04.01.2022, 11  Uhr
Franziska Harter
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geriet durch die Corona-Krise in den Stresstest.
17.09.2021, 15  Uhr
Alice Pitzinger-Ryba
Themen & Autoren
Regina Einig Covid-19-Pandemie Katholikinnen und Katholiken Kirchenkreise

Kirche

Sebastian Kneipp war Pionier der ganzheitlichen Medizin. Sein Leben als Priester und Heiler.
19.01.2022, 11 Uhr
Barbara Wenz