Augsburg

„Gott berührt“

Johannes Hartl wirbt für Jesus.

Johannes Hartl
Ab dem 3. Januar bis zum Dreikönigstag wollen Johannes Hartl und tausende Kongressbesucher tiefer schürfen im Glauben. Das Gebetshaus Augsburg verzeichnet bereits einen Teilnehmerrekord. Allenfalls für Freitag und Montag sind noch Tagestickets erhältlich, wie die Veranstalter ber... Foto: KNA

Herr Hartl, die nächste MEHR-Konferenz wird unter dem Leitwort Colors of Hope angekündigt. Was bestärkt Sie in Ihrer Hoffnung in Zeiten, die viele Christen als bedrückend empfinden?

Die Zeiten waren nie ganz einfach. In welcher Phase der Menschheitsgeschichte hätten wir lieber gelebt als heute? In welcher war es leichter, Jesus Christus konsequent nachzufolgen? Immer gilt das Wort Jesu „In der Welt habt ihr Angst, doch seid getrost: ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16, 33). Tatsächlich ist Jesus derselbe gestern und heute. Menschen, die ihren Glauben auf ihn setzen, erleben heute ebenso wie seit jeher, dass das Leben sich verändert. In der Geschichte des Volkes Gottes gab es schon manche dunkle Zeit. Doch wenn man auf das blickt, was Gott an Gutem tut, dann hat man immer einen Grund zur Hoffnung. Heute, im 21. Jahrhundert, finden auf der ganzen Welt viele Menschen zum Glauben an Jesus. Viele sogar in Deutschland. Jeder Einzelne davon ist ein Grund zur Hoffnung.

"Die MEHR ist keine kirchenpolitische
Veranstaltung und kann nicht alle Fragen beantworten,
wie die Zukunft der Kirche aussehen kann"

Was darf man von der MEHR-Konferenz erwarten, was nicht?

Die MEHR ist keine kirchenpolitische Veranstaltung und kann nicht alle Fragen beantworten, wie die Zukunft der Kirche aussehen kann. Doch wer einen Beweis braucht, dass Gebet und Verkündigung des Evangeliums auch heute viele, gerade auch junge Menschen anzuziehen vermag, der kann von der MEHR ermutigt werden. In erster Linie erwarten wir, dass Menschen persönlich tief von Gott berührt werden, dass Bekehrungen und tiefe Veränderungen geschehen. All das haben wir die letzten Jahre schon oft erleben dürfen. Menschen, die dann zurück in „ihre Welt“ gehen und einen Unterschied machen: das ist tatsächlich etwas Wunderbares.

Sie haben „MEHR“ ein Jahr ausgesetzt, um in die Tiefe zu wachsen. Warum ist die Teilnehmerzahl kein Beweis dafür, dass die Tiefe stimmt?

Diese Entscheidung war eine der besten, die wir je getroffen haben. Die Angst, was die Leute sagen werden, ist eine, die wohl jeder Mensch kennt. Sie ist ein schlechter Ratgeber. Viel wichtiger ist die Frage, was vom Herrn her „dran ist“ und auch, ob das Außen und das Innen noch zusammenpassen. Wir sind ein Gebetshaus. Bei Tag und Nacht zu beten, das ist unser wichtigster Auftrag. Wenn eine Konferenz zu viel Fokus gewinnt, dann sagen wir lieber die Konferenz ab, bevor die Tiefe des Gebets oder unseres Miteinanders darunter leiden. Und tatsächlich haben wir noch deutlich mehr Anmeldungen als 2018.

Wie rechtfertigt sich die über hundert Euro Teilnehmergebühr?

Viel interessanter als diese Frage finde ich die Tatsache, dass voraussichtlich 12.000 Teilnehmern diese Gebühr durchaus nicht zu viel ist. Es muss also ein Wert dahinter stehen. Wir finden es völlig normal, für einen Besuch in der Oper oder einem Rockkonzert fünfzig, hundert oder noch mehr Euro zu bezahlen. Die MEHR dauert etwa zehnmal so lang wie ein solches Event und kostet zwischen hundert und 180 Euro und ist genauso aufwendig produziert wie eine dieser anderen Veranstaltungen. Der Unterschied: es geht um die Anbetung Gottes. Und diese verändert Leben tiefgreifend. Selbstverständlich verdient eine solche Veranstaltung es auch, auf schönste und professionellste Weise gestaltet zu werden. Tickets für Kinder kosten übrigens zehn Euro für die gesamten vier Tage und unser Livestream ist sogar gratis.

"Ästhetik und Emotionalität sind wichtig.
Es gibt im kirchlichen Leben nicht zu viel,
sondern zu wenig davon"

Was antworten Sie Kritikern, die das Gebetshaus als „niederschwelliges Angebot“ ansehen, in dem „eine Reduktion auf Ästhetik und Emotionalität“ stattfinde?

Ich antworte am liebsten mit der Frage, ob jemand die MEHR selbst überhaupt schon einmal besucht hat. Leider trifft das auf die wenigsten Kritiker zu. Ästhetik und Emotionalität sind wichtig. Es gibt im kirchlichen Leben nicht zu viel, sondern zu wenig davon. Das ist einer der Gründe, warum Menschen an anderen Orten suchen. Dass es bei der MEHR jedoch eine Reduktion darauf gebe, ist nichts weiter als ein Gerücht. In den vielen Vorträgen, in den Eucharistiefeiern und tatsächlich auch im Lobpreis geht es um bedeutend mehr als nur Ästhetik und Emotion. Dieses Jahr gibt es zudem sogar ein theologisches Forum. Niedrigschwellig will die MEHR tatsächlich sein. Doch eine Schwelle ist nur sinnvoll, wenn sie in einen geöffneten Innenraum führt. Es ist der Raum des Gebets, der Nachfolge Jesu und der Erneuerung des Glaubens. Und weil den auf der MEHR 2020 ein weiteres Mal viele Menschen neu oder zum ersten Mal betreten werden, ist die MEHR für uns ein farbenfroher Anlass zur Hoffnung: Colors of Hope eben.

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