Wallfahrt

Das wundersame Gnadenbild von Brezje

Zwischen der Hauptstadt Ljubljana und der Gebirgskette der Karawanken liegt das slowenische Nationalheiligtum von Brezje. Seit dem 19. Jahrhundert zieht es Pilger zum Gnadenbild Maria Hilf. Woher rührt die Faszination?
| Der Maler Leopold Layer aus Kranj malte 1814 in der Kapelle das Gnadenbild Maria Hilf nach dem Motiv aus Innsbruck.

3 000 Kirchen und Kapellen sorgen in Slowenien für eine immense Dichte an Gotteshäusern – denn das Land ist lediglich 20 273 Quadratkilometer groß, was in etwa der Fläche von Sachsen-Anhalt entspricht. Wer auf die Reise zwischen Bergen und Adria geht, erlebt eine faszinierende Abfolge an sakralen Höhepunkten. Der wichtigste liegt im Nordwesten des zwei Millionen Einwohner starken Balkanstaates, auf dem Weg zwischen der Hauptstadt Ljubljana und der Gebirgskette der Karawanken: das Nationalheiligtum in Brezje.

Blutreliquie und Heilungswunder

Wiesen, Felder, Hügelland. Unscheinbare Dorfstraßen. Einfache Wohnhäuser. Kaum jemand würde sich nach Brezje verirren, wäre da nicht die Basilika Maria Hilf – doch auch die macht zunächst einen bescheidenen Eindruck. Turm und Baukörper bewegen sich auf den ersten Blick in Dimensionen des Mittelmaßes. Dass hier jedoch ein außergewöhnlicher Ort ist, zeigt beim Näherkommen der Blick auf die Großparkplätze und die Ströme der Pilger, die es seit dem 19. Jahrhundert zum Gnadenbild Maria Hilf zieht. Slowenen sind sehr religiös und bekennen sich mehrheitlich zum katholischen Glauben; die gewagtesten Schätzungen beziffern den Anteil auf 80 Prozent.

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Die Geschichte des Gnadenbildes

Der Blick in die Geschichte zeigt, dass im Jahre 1800 auf Initiative des Pfarrers Urban Azbe in Brezjes Kirche des heiligen Vitus eine kleine Kapelle zu Ehren von Maria Hilf angebaut wird. 1814 malt der slowenische Künstler Leopold Layer (1752–1828) das Gnadenbild Maria Hilf, angelehnt an ein Motiv aus Innsbruck. Bald machen die Geschichten wundersamer Heilungen die Runde, die sich auf Fürsprache der heiligen Jungfrau und Gottesmutter ereignet haben. Der Ruf von Brezje steigt und damit der Zulauf der Wallfahrer. Die Kirche wird zu klein für den Andrang. Im Jahre 1900, zwei Jahre nach Fertigstellung eines großen Franziskanerklosters, kommt es zur Weihe des erweiterten Baus. Papst Johannes Paul II. ist es, der weitere Impulse setzt. 1988 erhebt er das Heiligtum in den Rang einer Basilica minor, am 17. Mai 1996 trifft er persönlich hier ein. Heute pflegt man – mit dem Blick auf den Altarraum gerichtet: links in einer Kapelle – ein besonderes Angedenken an den Heiligen Vater aus Polen: eine Blutreliquie und einen Rosenkranz von ihm, unter einem Christuskreuz schwer gesichert in einem Glasoval.

Auf Knien um den Altar

Das Hauptretabel und die Buntglasfenster lenken zunächst vom Allerheiligsten ab, das die rechts vom Altarraum abzweigende Seitenkapelle bewahrt. Das berühmte Gnadenbild zeigt, über einem kleinen Altar und von einer Flut aus golden glänzenden Blütendekors umrahmt, Maria mit dem Kind. Maria neigt ihren Kopf, um sich regelrecht an ihren unverhüllten Sohn zu schmiegen, der seinerseits mit dem rechten Händchen an das Kinn der Mutter greift. Es ist ein Ausdruck innigster Verbundenheit, Zuneigung, Liebe. Erhaben und würdevoll schaut Maria ihren Betrachtern geradewegs ins Gesicht, das Kind trägt den Anflug eines Lächelns. Beider Haut ist seidig, die Wangen sind leicht gerötet. Ein wenig stilfremd wirken die Kronen von Mutter und Kind, die erst nachträglich, nämlich 1907, aufgesetzt wurden. Das tut der Faszination keinen Abbruch.

Die Gläubigen lassen sich auf Holzbänkchen nieder, die samtrot gepolstert sind. Durch den Hintereingang treten manchmal Radfahrer fast direkt in die Kapelle ein: verschwitzt, in kurzen Hosen und mit Radlerschuhen, mit denen sie voran klacken. Ganz egal, hier sind alle gleich in dieser einträchtigen Glaubensstimmung. Menschen sinken vor dem Gnadenbild nieder und beginnen auf Knien, den winzigen Rundweg um den Altar zurückzulegen. Gut, dass der Fußboden mit rotem Teppich ausgelegt ist und den Schmerz ein wenig abfedert. Eine betagte Frau stellt ihren Rollator ab und beginnt die Runde ebenfalls kniend.

Aus Herz und Seele

Jederzeit zugänglich ist weiter hinten der abgetrennte Umgang um die Marienkapelle: eine Galerie der Votivgaben, die sich an die Mutter der Hoffnung, des Trostes, der Bitten, der Erhörung richtet. Eingerahmte Madonnenbilder sieht man hier, ob handgemalt oder handgestickt. Ein paar Schritte weiter ist die Reihe an Klöppelspitzenarbeiten, Fotos, kleinen Marienreliefs, Holzkreuzen, Rosenkränzen. Ein Buch liegt aus, in dem die Einträge verraten, dass sie geradewegs aus Herz und Seele geflossen sind. Aus Spittal in Österreich stammt eine Holztafel mit der Aufschrift: „Die Diagnose sterbenskrank, Maria half mir, Gott sei Dank.“ Ein Paar Krücken hängen zusammen mit einer Kappe an der Wand. Neben der kleinen Skulptur einer Schmerzensmutter steckt ein Schnuller. Zwischen den Fotos von Menschen sieht man viele Geldmünzen. Grenzwertig sind Hinterlassenschaften von Namen, die mit Kuli oder wasserfestem Stift an die Wände oder sogar auf kunstvolle Holzreliefs gekritzelt sind, und das Foto eines Babys mit einem Beatmungsschlauch. Da bleibt zu hoffen, dass die Sache bis heute gut ausgegangen ist.

Platz im Herzen anderer europäischer Völker

„Die Maria-Hilf-Basilika hat ihren eigenen bedeutenden Platz auch in den Herzen anderer europäischer Völker; der Kroaten, Österreicher, Italiener und Ungarn“, unterstreicht die Webseite des Heiligtums. Die Wallfahrt zu Fuß nach Brezje sei noch heute „eine große Entscheidung im Leben eines jeden Pilgers“, heißt es weiter. So zieht die Sehnsucht nach Zuspruch, nach Frieden viele Pilger nach Brezje. Dahinter steht natürlich auch der Wunsch nach Heilungswundern.

Blickt man sich im Innern der Basilika intensiver um, fallen Details in Klein- und Großformaten auf: eine Kapelle mit weiteren Marienbildern in Rahmen, neben den Bänken vor dem Gnadenbild ein voluminöser Heizkörper an der Wand und über dem Hauptportal kleine Glasfensterbilder, die das Licht in Türkis-, Dunkelblau- und Grüntönen brechen. Wunderbar ist ein polychromiertes Schnitzwerk links vor dem Altarraum über Kopfhöhe. Es zeigt die heilige Familie – Josef in einem kupferroten, Maria in einem blaugrünen, das Kind in der Krippe in einem grünen Umhang – und daneben ein musizierendes Grüppchen in ländlicher Tracht vor einem Sternenhimmel. Draußen geht der Platz vor der Basilika in einen Park mit der Statue der Heiligen Familie und des Kreuzes über. Ab Brezje reicht der Blick bis zu den Julischen Alpen mit dem landesweit höchsten Berg, dem Triglav, der 2 864 Meter aufsteigt. Für die Einheimischen ist dies ein magischer Gipfel. Einmal im Leben müsse man auf den Triglav, lautet ein alter Spruch.

Magische Aura um das Gnadenbild

Magisch ist aber auch die Aura um das Gnadenbild, in die es immer wieder zurückzieht. Dazu passt das hiesige Mariengebet: „Maria Hilf, du offenbarst das Lächeln Gottes, spiegelst das Licht Christi wider und schaffst den Ort des Heiligen Geistes. Zu deinem Heim wähltest du dieses Fleckchen slowenischer Erde, so dass uns Gott durch dich mächtig seine Liebe offenbaren kann. Wir danken dir für so viel Gnade, die du uns vermittelst, und rufen zu dir: Maria Hilf, danke dir!“

Die Webseite des slowenischen Nationalheiligtums ist auch auf Deutsch abrufbar: www.marija.si

 

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