Heilige

Prost ohne Grenzen

Der bekannte Brückenheilige Johannes Nepomuk ist auch im Bier- und Brauwesen verwurzelt.
Foto: MB | Eine moderne Darstellung des heiligen Johannes von Nepomuk: Eine Statue neben der Brücke über die Naab bei Mariaort nahe Regensburg.

Vielerorts steht eine Figur oder eine Statue von ihm an einer Brücke. Die vor 300 Jahren, im Jahr 1721, erfolgte Seligsprechung des bekannten Brückenheiligen Johannes von Nepomuk (die Heiligsprechung erfolgte acht Jahre später) wurde in den zurückliegenden Monaten mit vielen Veranstaltungen – live oder im Netz – gewürdigt. Wollen wir ihn zum Jahresausklang mit einem ebenfalls die Völker verbindenden Aspekt nochmals ehren: mit Brauereien, Bieren und Bierdeckeln, die ihm gewidmet sind.

Bei Pilsen geboren

Werfen wir aber zunächst einen Blick auf das Leben und Wirken Nepomuks. Um 1345 wurde er im westböhmischen Pomuk (bei Pilsen) geboren und empfing 1380 das Sakrament der Priesterweihe. Seine Tätigkeit fiel in die Zeit des Großen Abendländischen Schismas. Dabei entbrannten immer wieder machtpolitische Auseinandersetzungen zwischen König Wenzel IV.  und seinem früheren Kanzler, dem Erzbischof Johannes Jenstein von Prag. Ein wesentlicher Inhalt dieses Streites war dabei die Abgrenzung der weltlichen und kirchlichen Machtbereiche im früheren Missionsgebiet Böhmen, vor allem die Übertragung hoher kirchlicher Ämter und Privilegien und die Ernennung von Bischöfen. Da Nepomuk bei einem dieser Konflikte, der mit der Exkommunizierung eines Vertrauten des Kaisers endete, auf Seiten des Erzbischofs – er war dessen Generalvikar – stand, hatte er bei Wenzel IV. einen schlechten Stand.

Tod in der Moldau

Um den Einfluss des Erzbischofs zu schmälern, plante der König die Abtrennung der Region Kladrau vom Bistum Prag. Doch die Mönche im Kloster Kladrau wählten nicht den von Wenzel IV. favorisierten Abt. Im Zuge des daraufhin entbrannten Streits wurde Nepomuk verhaftet, gefoltert und schließlich in die Moldau geworfen. Nach der mit Johannes von Nepomuk verbundenen Legende hat dieser dem König nicht preisgeben wollen, was dessen von Wenzel der Untreue verdächtigte Frau dem Geistlichen anvertraut hatte. Der Todestag Nepomuks wird auf den 23. März 1393 datiert.

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Bald setzte eine große Verehrung ein, so dass im Jahr 1721 Papst Innozenz XIII. den böhmischen Märtyrer seliggesprochen hat. Acht Jahre später – 1729 – erfolgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Die Jesuiten ernannten Nepomuk im Jahr 1732 zu ihrem zweiten Ordenspatron, allgemein gilt er als Brückenheiliger und Patron des Beichtgeheimnisses – in heutiger Zeit vielleicht sogar als Adressat bei den Themen Mobbing, Shitstorm, Hass-Mails und Fake News.

Vielerorts Nepomuk-Feiern

Der heilige Nepomuk wird meist auf oder neben Brücken in ganz unterschiedlichen künstlerischen Stilen dargestellt. Nepomukfeiern und Lichterschwimmen zu seinem Gedenktag (16. Mai) sind eine schon lange bestehende böhmische Tradition, welche die Ackermann-Gemeinde bis zum heutigen Tag an vielen Orten in Deutschland pflegt. Als die zentralen Kennzeichen Nepomuks gelten der Sternenkranz, die Mozetta, das Birett, das Chorhemd und das Kreuz.

Nepomuk-Bier im Geburtsort

Im Bierland Tschechien wäre es schon mehr als erstaunlich, wenn es hier in Sachen Nepomuk kein Bier oder keine Brauerei gäbe. Die Recherche startet im Ort Nepomuk (Bezirk Pilsen) selbst, wo die im Jahr 2018 gegründete Pivovar (Brauerei) Zlatá kráva tätig ist. Die im Brauereinamen genannte „Goldene Kuh“ findet sich natürlich auf dem Bierdeckel, aber vom Heiligen zunächst keine Spur. Also ein Klick auf die Homepage der Braustätte, wo unter anderem die hier produzierten Biere aufgeführt sind: diejenigen, die es ständig gibt, und die befristeten Spezialitäten. Hier werden wir fündig. Bei den ganzjährigen Bieren gibt es das „12 Sv. Jana Nepomuckého“, also das Bier „Heiliger Johannes Nepomuk“. Dabei handelt es sich – für Tschechien nicht alltäglich – um ein Weißbier, also ein obergäriges Bier mit einem Anteil an Weizenmalz von mindestens 50 Prozent, wie erläutert wird. „Es ist ein Bier mit einer starken Intensität von fruchtigem Bananen- und Nelkenaroma und einem Geschmack mit einer geringen Bitterkeit von zarter Natur. (...) Es zeichnet sich durch seine Hefetrübung und einen erfrischenden Nachgeschmack aus.“ Zu den „inneren Werten“: Fünf Prozent Alkohol, IBU (Bittereinheit) 20, unpasteurisiert, nicht gefiltert. Gebraut aus Wasser, Gersten- und Weizenmalzen und Hopfenprodukten. Auf dem Etikett der Bierflasche ist natürlich der heilige Nepomuk abgebildet.

Nepomuk-Brauerei in Polen

Fündig geworden sind wir auch in Polen. In Jutrosin gibt es im Ortsteil Szkaradowo die „Browar Nepomucen“ (Brauerei Nepomuk). Das erst 2015 von Piotr und Mariusz Musielak mit der Craftbier-Bewegung gegründete Unternehmen befindet sich in einer restaurierten, über 100 Jahre alten Bäckerei in der nördlich von Breslau gelegenen kleinen Ortschaft Szkaradowo (Woiwodschaft Großpolen im Westen Polens).

Als leidenschaftliche Hobbybrauer haben die Brüder begonnen: „aktuell gehört ihre Firma zu den „hippesten Brauereien in Polen“, wie es in einem Internet-Beitrag heißt. Gebraut werden traditionelle polnische Biere und auch internationale Craftbier-Stilrichtungen. Außerdem kooperiert die Brauerei mit weiteren Handwerksbrauereien, mit denen sie gemeinsame Sude oder Biere herstellt. Wer also auf der Suche nach polnischem Craftbier ist, der findet im vielfältigen Sortiment von Browar Nepomucen garantiert seinen Lieblings-Bierstil. Zwar gibt es kein spezielles Nepomuk-Bier, aber auf dem hölzernen (!) Bierdeckel steht der Buchstabe „N“ wie Nepomuk.

Schwierige Verortung in der Schweiz

Schwierig zu verorten ist die Brauerei Nepomuk Birseck. Eindeutig ist das Land – die Schweiz. Denn das Birseck ist eine geografisches Region an der unteren Birs und umfasst im Schweizer Kanton Basel-Landschaft die fünf Gemeinden Arlesheim, Münchenstein, Reinach, Aesch und Pfeffingen sowie das zum Kanton Solothurn gehörige Dornach. Trotz tiefgehender Recherche bei den genannten Gemeinden und bei namhaften Bierdeckel-Sammlern kann das wohl aus dem Jahr 2010 stammende Bierdeckel nicht eindeutig zugeordnet werden. Da es aber viele Brücken über die Birs gibt, ja sogar eine Nepomukbrücke bei Dornach, liegt der Bezug zumindest nicht fern. Jedenfalls ist der heilige Nepomuk auf der Rückseite des Bierdeckels abgebildet.

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