Kommentar: Der Grund der Hoffnung

Exotische Reisen prägen den Terminkalender von Papst Franziskus in diesem Jahr. Nach Panama, Abu Dhabi und Marokko sind es wieder einmal die Peripherien, zu denen es ihn zieht: Bulgarien, Mazedonien, Rumänien, Mosambik, Madagaskar und Mauritius. Und er möchte Hiroshima und Nagasaki in Japan besuchen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht aber derzeit die Frage, ob die katholische Hierarchie die Krise in den Griff bekommt, in die sie im Missbrauchsjahr 2018 hineingeschlittert ist. Seit Menschengedenken gelten in der katholischen Kirche die geweihten Hirten als das Fundament des pilgernden Gottesvolks: Die mit dem Papst, dem Felsen, verbundenen Bischöfe, die Kirche Roms als Zentrum der katholischen Christenheit, die Kardinäle, die dem Stellvertreter Christi in Rom und in der ganzen Welt als Stütze dienen, die Konzilien und Synoden, zu denen der Episkopat zusammentritt, um über Schlüsselfragen des kirchlichen Lebens zu entscheiden.

Aber gerade dann, wenn die Hierarchie eine Krise zu meistern hat, schlägt auch die Stunde der Laien. Und zwar der Laien, die ihre Hoffnung nicht auf den Klerus setzen, sondern auf Jesus Christus, der auch dann mit im Boot der Kirche sitzt, wenn es so aussieht, als würde er schlafen. Nur er kann die Wogen glätten und den Sturm bändigen, der das Schifflein Petri zurzeit so heftig schlingern lässt. Es ist an der Zeit, die Hoffnung auf ihn und nicht auf menschliche Schlauheit und kluge Regeln zu setzen. Nur ein Beispiel: Wer angesichts der schwächelnden Kirche in den vergangenen Jahrzehnten ein nahes Ende der lateinischen Christenheit diagnostizierte, für den hätte es den Boom der Weltjugendtage nie geben dürfen. Die Abschlussmesse beim Weltjugendtag 1995 in Manila wurde mit vier Millionen Teilnehmern zum bis dahin größten Massentreffen der Menschheitsgeschichte. Als Johannes Paul II. 2005 starb, strömten 3,5 Millionen meist jüngere Menschen nach Rom, die Saat der Weltjugendtage war aufgegangen. Und ihre Erfolgsstory setzt sich fort. Sie kann eine Medizin gegen die Versuchung sein, kleinmütig und verzagt in die Zukunft zu schauen.

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