Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Gewalt in Frankreich

Paris: 40.000 Demonstranten erwartet

Die Schülerproteste weiten sich aus, die Angst vor Eskalation steigt. Und die Regierung erlaubt „alle nicht tödlichen Waffen“.
Grenoble Schülerproteste
Foto: Imago/Durand Thibaut | Kein' Bock auf Schule: Die Schülerproteste in Frankreich werden immer beängstigender. 24 Schulen brannten deshalb bereits.

Überfüllte Klassen, zu wenig Lehrer, heruntergekommene Schulgebäude, Sorge um einen Studienplatz – und zuletzt 5.000 Festnahmen: Die Schülerproteste in Frankreich weiten sich aus. Am Montag kam es zu Protesten an fast 600 Schulen. Heute steht die nächste große Mobilisation an: Um 14 Uhr gibt es in Paris eine Demonstration auf der Place de la République. 20.000 bis 40.000 Teilnehmer sind laut „Le Parisien“ erwartet. Auch in Lyon, Lille, Marseille, Toulouse, Bordeaux, Rennes und Straßburg sind Demos geplant.

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Die Proteste begannen Ende September im Pariser Vorort Créteil. Die französische Zeitung „Le Monde“ spricht von einer spontanen Blockade. Sie weiteten sich erst im Großraum Paris und dann in ganz Frankreich aus. Die Sorge vor einer Eskalation wächst: In Tours verlor ein 16-Jähriger ein Auge, mutmaßlich durch ein Hartgummigeschoss der Polizei. In Saint-Ouen-l’Aumône schlug eine Tränengasgranate einem 16-Jährigen sämtliche Zähne aus oder beschädigte sie. Zeugen zufolge warf ein Polizist sie aus 1,5 Metern Entfernung. Am Montag riss eine Polizeigranate einem 15-Jährigen im nordfranzösischen Lens eine Hand ab. Beamte hatten die Granate in eine Gruppe demonstrierender Schüler geworfen. Der Jugendliche hob sie auf, um sie zurückzuwerfen. Es laufen nun Ermittlungen der Generalinspektion der Polizei gegen die eingesetzten Beamten.

Auch gegen vereinzelte Jugendliche wird ermittelt: In Marseille sprühte ein 15-Jähriger angeblich einer Passantin brennende Substanz ins Gesicht; in La Ciotat besprengte ein Schüler einen Lehrer mit Benzin. Schüler hätten nach Aussagen der Direktorin volle Mülleimer und Fahrräder vor der Tür eines Pariser Lycées angezündet. Währenddessen befanden sich 100 Jugendliche darin. Man vermute schulfremde Täter, so die Direktorin im Fernsehsender BFM.

Gewerkschaften demonstrieren mit

Die linke Opposition wirft der französischen Regierung unverhältnismäßige Gewalt vor. Der linkspopulistische Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon kritisierte „immer brutalere Methoden“. Bildungsminister Édouard Geffray (parteilos) appellierte auf X an die Eltern: „Lassen Sie Ihre Kinder nicht in Gefahr geraten.“ Die Eltern sollten ihre Kinder nicht zu den Blockaden gehen lassen. Am Montag besuchte er eine Schule, um die Lage durch den direkten Kontakt mit Schülern zu deeskalieren. Premierminister Sébastien Lecornu (RE) rief dazu auf, den berechtigten Sorgen der Schüler Gehör zu geben und beauftragte fünf Ministerien, nach Lösungen zu suchen. Die Regierung versuchte hingegen seit Beginn, die Bewegung zu unterdrücken. Innenminister Laurent Nuñez (parteilos) betonte, er rufe die Sicherheitskräfte nicht zur Zurückhaltung auf. Alle nicht tödlichen Waffen dürften zum Einsatz kommen.

Bemerkenswert an den heutigen Protesten: An der Seite der mobilisierten Jugend stehen auch große französische Gewerkschaftsbünde, etwa die „Confédération générale du travail“, die „Force ouvrière“, die „Fédération syndicale unitaire“ sowie die „Union Nationale des Étudiants de France“. „Hohe Polizeipräsenz“ sichere die Demonstration, der Autoverkehr sei auf dem betroffenen Gebiet verboten und von 10 bis 18 Uhr werden sechs U-Bahn-Stationen geschlossen, so „Le Parisien“. Ein erstes politisches Zugeständnis machte die Regierung bereits: Geplante Einschreibungsgebühren auf bestimmte weiterführende Bildungsgänge werden gestrichen. Dazu gehören die Vorbereitungsklassen der „Grande Écoles“.

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Elisabeth Hüffer Jean-Luc Mélenchon Ministerien

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