Bis zur letzten Minute wurde in der Koalition um die Pflegereform gerungen. Es ist gut, dass endlich ein erster Schritt gegangen wurde. Pflege muss zukunftsfest gemacht werden.
Doch das gelingt nur, wenn die Pflegeversicherung auf breitere Füße gestellt wird. Das geht jedoch nicht über Nacht. Es ist richtig, über die Einbeziehung der privaten Pflegeversicherung nachzudenken, genauso wie die Einbeziehung von mehr Einkommensarten und den Ausbau des Pflegevorsorgefonds. Pflege ist ein Mehrgenerationenprojekt getreu dem Jahresmotto der Caritas „Zusammen geht was“.
Die Pflege bleibt aber auch ein Familienthema, denn die Pflegeversicherung ist nur eine Teilabsicherung. Persönliches Einkommen und Vermögen müssen eingebracht werden. Problematisch an der Pflegereform ist jedoch ein Grundfehler, der sich wie ein roter Faden durchzieht.
Der größte Pflegedienst sind die Angehörigen
Denn der größte Pflegedienst sind die Angehörigen. Sie werden jetzt mehr belastet. Die Reform macht es ihnen deutlich schwerer, weil manche ambulanten Leistungen gestrichen oder bürokratisiert werden. Pflegedienste werden geschwächt, weil sie verschiedene Dienste nicht mehr anbieten dürfen, wie Betreuungsdienste und die Pflegeberatung. Das Sozialraumbudget kann für vieles nicht mehr genutzt werden. Das wird zum Beispiel den Zugang zur Tagespflege als so wichtigen Dienst erschweren. Eigentlich müssten die Entlastung und Hilfe aus einer Hand für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen erleichtert werden. „Macht es einfach und schlank“ sollte deshalb das Motto einer echten Reform sein.
Nun soll es wieder eine Kommission richten. Ein bekanntes Muster. Nur sitzen in den Kommissionen häufig kaum Praktiker. In der Pflegekommission müssen aber unbedingt Kollegen aus der Praxis vertreten sein, damit die Zusammenhänge gesehen werden. Nur was praktisch funktioniert, hilft wirklich. Konkreter Vorschlag: Fallsimulationen! Wie funktionieren die Ideen im ländlichen Raum? In der Stadt? Wie sieht es aus, wenn jemand nicht zuzahlen kann? Wird mehr Bürokratie geschaffen? Wir werden die Reform als Caritas mit unserer Expertise begleiten.
Die Autorin ist Caritas-Direktorin im Erzbistum Berlin
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