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Die Frage nach Führung und viel Spiritualität

Nicht nur wirtschaftliche, sondern auch geistliche Aspekte: Der Bund Katholischer Unternehmer diskutiert bei seiner Düsseldorfer Bundestagung die aktuelle Lage der Wirtschaft.
Nathanael Liminski
Foto: BKU | Dankte den katholischen Unternehmern für ihr Engagment: Nathanel Liminski (CDU), Leiter der NRW-Staatskanzler.

Im politischen Flurfunk in Unionskreisen kursiert schon seit längerer Zeit ein interessantes Bonmot. Das Beste daran, wenn Hendrik Wüst als Kanzler nach Berlin käme: Dann würde Nathanael Liminski dort die Leitung des Kanzleramtes übernehmen und dafür sorgen, dass endlich wieder Ordnung in die Administration einkehrt. Es gibt auch noch eine Alternativ-Erzählung: Nach der würde Liminski nach so einem Kanzlertausch in Düsseldorf zum neuen Ministerpräsidenten. Aber egal welche Version, das ist jedes Mal gleich: Diejenigen, die das erzählen, würden sich freuen, wenn der 41-Jährige tatsächlich in der Hierarchie aufsteigt. Wer in dieser Weise die politische Fantasie anregt wie der Chef der NRW-Staatskanzlei, ist längst nicht mehr nur irgendein Landespolitiker.

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Dazu kommt, die CDU lechzt zurzeit geradezu nach programmatischen Köpfen. Das gilt vor allem für diejenigen unter den Christdemokraten, denen das C-Profil wichtig ist. Und auch da bietet sich die Personalie Liminski an, auf sie Hoffnungen zu projizieren, gerade für die Katholiken. Sohn eines profilierten katholischen Journalisten, dann Gründer der papsttreuen „Generation Benedikt“ und jetzt ausgerechnet Manager einer schwarz-grünen Koalition, die nahezu geräuschlos läuft: Liminski scheint eine interessante Mischung aus Pragmatismus und Grundsatztreue, aus handwerklichem Können und programmatischer Intellektualität zu bieten.

Das hatte wohl auch alles der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) einkalkuliert, als er den Staatskanzleichef für Samstagmorgen nach Düsseldorf zu einem Grußwort bei seiner Bundestagung einlud. Die Hoffnung der Organisatoren um BKU-Geschäftsführer David Dekorsi war dabei sicherlich: Bei einem bloßen Grußwort wird es wohl nicht bleiben. Liminski enttäuschte seine rund 200 Zuhörer im Düsseldorfer Lambertushaus nicht. Der Staatskanzleichef dankte zunächst, so wie es sich gehört und wie es die Milieupflege verlangt, den katholischen Unternehmern für deren Engagement. Er zeigte dann aber auch, dass ihm die Subsidiarität besonders am Herzen liegt.

Johannes Hartl: Mehr Mut und mehr Fokus

Die Landesregierung habe bewiesen, dass sie auf Staatsmodernisierung und Bürokratieabbau setze. Zum 1. Januar fallen in NRW die Berichts- und Dokumentationspflichten weg. Das fand natürlich Applaus der Unternehmer. Aber Liminski blieb auch noch nach seinem Grußwort und suchte das Gespräch mit der Verbandsspitze. So hob der BKU-Vorsitzende Martin Nebeling, bei dieser Tagung für drei Jahre wiedergewählt, bei seinem Abschlussstatement am Samstagmittag hervor, dass die Gespräche mit den Politikern vor Ort gezeigt hätten: Man habe Interesse an der Arbeit, vor allem aber auch an den Konzepten des BKU. Auffällig dabei: Von parteipolitischer Seite waren nur Vertreter der CDU und der Grünen vor Ort.

Neben Liminski sprachen auch noch der hessische CDU-Generalsekretär Leopold Born und die Bundestagsabgeordnete Caroline Bosbach. Von den Grünen nahmen die finanzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Katharina Beck, und Simon Rock, Sprecher für Haushalt und Finanzen seiner Fraktion im Düsseldorfer Landtag, teil. Man habe, so betonte Nebeling, auch die SPD angesprochen, die habe aber keine Vertreter entsandt. Und so ist es doch ganz aufschlussreich zu sehen, welche Parteien offenbar Interesse an den Problemen und Fragen katholischer Unternehmer haben.

Raum für spirituelle Fragen

Neben diesen politischen Punkten bietet eine BKU-Bundestagung aber auch immer Raum für spirituelle Fragen. Hier setzte Johannes Hartl, Gründer des Gebetshauses Augsburg, einen interessanten Akzent im Podium über „Resilienz als Führungsaufgabe“. Zunächst hatte sich die Runde darauf geeinigt, dass Führung, die von den Mitarbeitern akzeptiert werden wolle, auf die drei V setzen müsse: Verantwortung, Vertrauen und Verzicht.

Hartl fügte noch zwei weitere Elemente hinzu: Fokus und Mut. „Fokus ist der neue IQ“, sagte Hartl. Damit sei gemeint, sich auf Wesentliches konzentrieren zu können. Dazu gehöre etwa, seine innere Stimme wieder hören zu können. Und natürlich sei damit auch der Fokus auf Gott gemeint. Jeder Mensch, junge Leute aber besonders, stellten sich die Frage: „Warum braucht’s mich eigentlich?“

Es sei deswegen falsch, junge Menschen zu unterfordern. Resilienz entstehe, so sei er überzeugt, durch Reifung an Widerstand. Paul Niclas von Ambüren, ein junger Start-up-Unternehmer, der mit seiner Firma BlueRock (siehe dazu DT vom 17.9.) staatliche und wirtschaftliche Infrastrukturen besser vor hybriden Gefahren schützen will, berichtete von seinen Erlebnissen bei einem Besuch in der Ukraine. Er sei beeindruckt davon, wie resilient sich diese Gesellschaft zeige. Hartl ergänzte: „In der Ukraine sind die Kirchen auch nicht leer.“ Es sei zu fragen: „Was gibt mir innere Kraft und Stärke, wenn alles wackelt?“

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Weniger theoretisch, sondern ganz praktisch beantwortete während der Tagung diese Frage der Junge BKU. Mittlerweile ist er, erst 2018 in Köln gegründet, zu einer festen Säule im Verbandsleben geworden. Lioba Müller, Vorsitzende des Jungen BKU, moderierte ein spezielles Podium zur „nächsten Generation am Arbeitsmarkt: Warum junge Talente anders ticken – und was Unternehmer jetzt wissen müssen“. Inwieweit die Mitglieder des Jungen BKU speziell ticken, erläuterte sie dann später auch: Die Mitglieder, junge Unternehmer, Studierende, „Young Professionals“, suchten nicht nur den fachlichen Austausch, sondern vor allem auch spirituelle Impulse. Den klassischen Höhepunkt der Bundestagung stellte denn auch die Heilige Messe in der Düsseldorfer Maxkirche dar. Pater Johannes Zabel, Dominikaner und Vorsitzender der Joseph-Höffner-Gesellschaft, predigte am Freitagabend zum Schutzengel-Tag. Die nächste Bundestagung wird im kommenden Jahr in der Hauptstadt stattfinden. Ob Nathanael Liminski dann auch schon in Berlin ist?

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