„Wenn die monatlichen Schmerzen kommen, revoltiere ich gegen meinen Körper. Was kann ich tun?“, so die Frage. Ja, wenn die Periode mit Krämpfen und Müdigkeit beginnt, haben viele Frauen das Gefühl, der eigene Körper lasse sie im Stich. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Der weibliche Zyklus ist ein einzigartiger Rhythmus mit verschiedenen, präzise aufeinander abgestimmten Phasen. Wer lernt, ihn zu verstehen und zu unterstützen, kann Beschwerden oft auf einfache Weise lindern.
Sollten die Regelschmerzen stark sein, den Alltag einschränken oder sollten Schmerzmittel kaum helfen, ist eine ärztliche Abklärung nötig. Erkrankungen wie Endometriose können die Ursache sein und müssen entsprechend therapiert werden. Vielen Frauen ist jedoch mithilfe kleiner Veränderungen in ihrem Alltag geholfen: Vitamin D beispielsweise beeinflusst auch das Immunsystem, die Muskulatur und Entzündungsprozesse im Körper. Studien zeigen, dass durch einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel Menstruationsschmerzen reduziert werden können. Besonders in den Wintermonaten ist es sinnvoll, einen eventuellen Mangel auszugleichen. Im Sommer ist eine Stunde an der Sonne der beste Vitamin-D3-Lieferant.
Auch Omega-3-Fettsäuren in Fischölkapseln (oder vegan meist aus Algen) wirken entzündungshemmend. Sie können die Bildung von schmerzfördernden Stoffen hemmen und entzündungshemmende Substanzen bilden. Vor allem aber ist die Integration von fettem Fisch, wie zum Beispiel Lachs oder Makrele, Nüssen oder guten Ölen in die Ernährung ein wesentlicher Baustein. Überhaupt: Ausgewogene Ernährung ist wichtig: Mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten sowie ausreichend Eiweiß unterstützt man den Körper während des gesamten Zyklus. Viele Frauen berichten auch, dass sie weniger Beschwerden haben, wenn sie Zucker, stark verarbeitete Lebensmittel oder glutenhaltige Produkte reduzieren.
Frauen haben unterschiedliche Energielevel
Ein wichtiger Faktor ist körperliche Aktivität: Auch wenn man aufgrund von Müdigkeit während der „Tage“ dazu neigt, das Bett oder die Bank aufzusuchen, kann moderate Bewegung wie Spaziergänge, Schwimmen, Radfahren die Beschwerden erheblich reduzieren. Selbstverständlich sollten keine körperlichen Höchstleistungen angestrebt werden. Es geht darum, den Körper in Bewegung zu halten.
Der weibliche Körper arbeitet nicht jeden Tag gleich. Viele Frauen fühlen sich rund um den Eisprung positiver und haben mehr Energie als während der Menstruation. In den ersten Tagen des Zyklus benötigen viele mehr Ruhe und Schlaf. Das ist kein Zeichen fehlender Belastbarkeit, sondern Teil eines natürlichen Rhythmus. Es lohnt sich, mit dem Zyklus zu leben und sich in dieser Zeit bewusst etwas mehr Ruhe zu gönnen.
Viele Frauen denken, jeden Tag gleich leistungsfähig sein zu müssen. Der weibliche Körper erinnert aber daran, dass Gesundheit heißt, Phasen von Erholung zuzulassen und einen regelmäßigen Ausgleich zwischen Aktivität und Erholung einzurichten. Die Menstruation ist kein Versagen des Körpers, sondern ein Zeichen, dass er genau das tut, wofür er geschaffen ist. Die christliche Perspektive schenkt einen Perspektivwechsel: Unser Körper ist kein Stolperstein, sondern ein Geschenk. Daher ist er es wert, dass wir gut für ihn sorgen, auf seine Zeichen hören und ihm mit Wertschätzung begegnen. Die Menstruation wird dadurch nicht automatisch beschwerdefrei. Aber die genannten praktischen Punkte können helfen, die Schmerzen zu lindern. Ein bewusster Lebensstil hilft, dass der Körper und die Menstruation nicht länger als Gegner erlebt werden, sondern als ein wertvoller Teil der weiblichen Gesundheit.
Die Autorin ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und Leiterin der Fertility-Care-Klinik in Kleve.










