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Liebe im neuen Rhythmus – Selbsthingabe fürs Kind und Raum für die Ehe

Was, wenn ich in der Stillzeit ein anderes sexuelles Bedürfnis habe als mein Partner?
Baby mit Mutter
Foto: imago stock&people | Neuzugang mit Ansprüchen: Nach der Geburt gehört die Mama erstmal dem Baby.

Diese Kolumne befasst sich regelmäßig mit Fragen zu Sexualität und Partnerschaft. Am Schluss des Textes können Sie anonym Ihre Fragen einreichen.


Der Begriff „Bedürfnis“ passt im Zusammenhang mit Sexualität nur begrenzt. Sexualität ist nicht einfach ein Bedürfnis wie Hunger oder Durst, das gestillt werden muss. Hinter dem Wunsch nach sexueller Vereinigung können vielmehr unterschiedliche Sehnsüchte stehen: nach Nähe, Verbundenheit, Zuneigung oder danach, dem anderen die eigene Liebe auszudrücken. Deshalb kann es hilfreich sein, sich als Paar zu fragen: Wonach sehne ich mich eigentlich? Was möchte ich durch die sexuelle Vereinigung ausdrücken oder erfahren?

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Gerade in der Stillzeit können diese Sehnsüchte bei beiden Partnern sehr unterschiedlich sein. Die ersten Wochen nach der Geburt dienen dem Ankommen und dem Finden eines neuen Rhythmus, nicht nur für das Kind, sondern für die ganze Familie und besonders auch für die Eltern als Paar. Es ist normal, dass die Mutter in dieser Zeit meist stark auf den Rhythmus und die Grundbedürfnisse des Kindes ausgerichtet ist.

Im Stillen lebt die Mutter auf besondere Weise ihre liebende Selbsthingabe an ihr Kind. Doch auch die eheliche Beziehung braucht weiterhin ihren eigenen Raum und Aufmerksamkeit. Die sexuelle Vereinigung ist dabei nicht die einzige Form, in der eheliche Intimität gelebt wird. Gerade in dieser Zeit können andere Formen der Nähe besonders wichtig werden.
Eine wichtige Dimension der Intimität liegt im liebevollen Zusammenspiel der Eltern. Jeder hat seine eigene, unersetzliche Rolle: Die Mutter stillt das Kind, der Vater kann sie unterstützen, entlasten und auf vielfältige Weise für Mutter und Kind da sein. Auch kleine Gesten wie eine liebevolle Berührung, eine Nackenmassage oder Rücksichtnahme auf Erschöpfung und körperliche Veränderungen können Ausdruck von Zärtlichkeit und Liebe sein.

Unterschiedliche Sehnsüchte nicht gegeneinander ausspielen

Die eheliche Liebe bleibt eine gegenseitige Selbsthingabe, auch dann, wenn die sexuelle Vereinigung für eine Zeit weniger häufig oder nicht möglich ist. Gerade in dieser neuen Lebensphase sind beide eingeladen, nach Wegen zu suchen, wie sie sich weiterhin gegenseitig schenken können – und auch, wie man(n) mit Frustrationen umgehen kann. Der Ehemann kann seine Liebe durch Geduld, Zärtlichkeit und selbstlose Unterstützung ausdrücken und manchmal auch die eigenen Wünsche für eine Zeit zurückstellen. Zugleich darf die Frau bei aller Hingabe an ihr Kind nicht vergessen, dass sie nicht nur Mutter, sondern auch Ehefrau ist: die Gefährtin ihres Mannes, mit der er sein Leben, seine Freuden, seine Sorgen und die gemeinsame Berufung teilt. Wenn sich langsam ein erster Rhythmus eingespielt hat und das Stillen zunehmend besser funktioniert, entsteht nach und nach auch wieder mehr Raum für das „Wir“ des Paares.

Dabei spielt Kommunikation eine entscheidende Rolle. Die Ehepartner müssen einander neu zuhören, ihre jeweiligen Sehnsüchte und Grenzen aussprechen und gemeinsam entdecken, wie sie in dieser veränderten Lebenssituation wieder zueinanderfinden. Sie haben viele neue Themen, über die sie miteinander sprechen können: von Fruchtbarkeit und den Herausforderungen des Alltags bis hin zu den gut gemeinten Ratschlägen der Schwiegermutter. Jede neue Lebensphase bringt Veränderungen mit sich, aber auch die Möglichkeit, sich als Paar neu zu entdecken.

Wichtig ist dabei, die unterschiedlichen Sehnsüchte nicht gegeneinander auszuspielen. Es geht nicht darum, wer von beiden „mehr Recht“ auf seine Wünsche hat, sondern darum, die Situation des anderen zu verstehen. Hinter dem Wunsch des Mannes nach mehr körperlicher Nähe kann auch die Sehnsucht stehen, das „Wir“ als Paar wieder bewusster zu leben. Denn aus der Liebe dieses „Wir“ ist schließlich ein neues Leben hervorgegangen.

Die Autorin hat zwölf Kinder, vier Enkelkinder und ist Akademische Referentin für die Theologie des Leibes sowie Sexualpädagogin.


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Bei der Kolumne „Sex and Soul“ handelt es sich um einen Meinungsbeitrag, der Leserfragen ausschließlich in allgemeiner Weise aufgreift und keine persönliche Beratung leistet.

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Themen & Autoren
Anna Spandri Sex & Soul

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