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Wenn Engel Motorrad fahren

Wie sehen Engel eigentlich aus und welche Aufgaben hat Gott ihnen gegeben? Die Bibel erzählt von davon, dass Engel uns manchmal begegnen können, ohne dass wir sie erkennen.
Drayß Schutzengel
Foto: Bernadette Drayß | Jeder Mensch hat einen persönlichen Schutzengel – auch du! Er steht dir dein ganzes Leben als Beschützer zur Seite und tritt bei Gott für dich ein.

Mein Vater erzählt manchmal eine Geschichte von unserem Urlaub in London. Als wir an einem Sonntag mit dem Auto auf dem Weg zur Messe waren, hatten wir uns heillos verfahren in den Straßen dieser großen Stadt. Am Straßenrand versuchte er nun mit einer Straßenkarte (das war vor der Zeit des Internets), den Weg zur Kirche zu finden. In diesem Moment klopfte ein Motorradfahrer an sein Fenster und fragte, ob wir Hilfe bräuchten. Nach kurzem Gespräch meinte der Motorradfahrer, dass er sowieso in die Nähe der Kirche fahre und wir ihm einfach hinterherfahren sollten. Gesagt, getan, und so erreichten wir die Kirche ohne Probleme. Mein Vater erzählt diese Geschichte, weil er sich sicher ist, dass dieser Motorradfahrer ein Engel war, der uns den Weg gezeigt hat.

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Aber jetzt denkst du vielleicht: „Engel, die haben doch zwei große weiße Flügel, blonde Haare, ein weißes Gewand und vielleicht eine Trompete – ist das denn nicht nur eine schöne Vorstellung?“ Und ja, so können Engel auch aussehen. Aber die Bibel erzählt uns von sehr unterschiedlichen Arten von Engeln. Unter anderem auch Engeln, die aussehen wie Menschen. Abraham bekommt zum Beispiel Besuch von drei Männern, die sich später als himmlische Boten erweisen, und im Hebräerbrief heißt es sogar, dass Menschen schon Engel beherbergt haben, ohne es zu wissen. Es gibt auch besondere Engel wie den Cherubim, der vier Gesichter, vier Flügel und Hände und Beine wie die eines Menschen und Hufe hat. Auch der Serafim, der sechs Flügel hat, und noch einige weitere Lebewesen mit Flügeln, die an Gottes Thron stehen, sehen nicht so aus, wie wir uns heute den typischen Engel vorstellen.

Engel bedeutet „Bote“ 

Das griechische Ursprungswort für Engel bedeutet „Bote“ oder „Botschafter“. In der Bibel haben Engel oft eine bestimmte Aufgabe: Sie sind Überbringer von Nachrichten, zum Beispiel an Maria oder Zacharias. Sie sind Beschützer, zum Beispiel von Daniel in der Löwengrube oder von Petrus im Gefängnis, und sie sind auch Helfer von Menschen, zum Beispiel von Elija in der Wüste. Außerdem sind sie Kämpfer gegen das Böse, zum Beispiel der Engel Michael in der Offenbarung. Sie loben Gott bei der Geburt Jesu, sie erscheinen Mose im brennenden Dornbusch, heilen Tobit und erklären den Jüngern die Himmelfahrt Jesu und den Frauen das leere Grab. Auch Jesus selbst haben die Engel begleitet: Sie verkünden seine Geburt den Hirten, dienen ihm in der Wüste, stärken ihn in der Todesangst im Garten Gethsemane, verkünden die Botschaft seiner Auferstehung. Auch wenn Jesus einmal am Ende der Zeit wiederkommt, werden sie ihn begleiten.

Erzengel: Ihre Mission steckt im Namen

Unter all den Engeln gibt es jedoch drei sehr bekannte Engel: Michael, Gabriel und Raphael. Sie werden auch als die drei Erzengel bezeichnet. Dabei kommt jedem der drei Erzengel eine besondere Rolle zu, die sich schon in ihren Namen widerspiegelt. Michaels Name bedeutet „Wer ist wie Gott“ – in der Bibel verteidigt er die Einzigkeit Gottes gegen den Drachen – also den Teufel – und beschützt das Gottesvolk. Gabriels Name bedeutet „Gott ist meine Stärke“. Er verkündet zum Beispiel Maria die Schwangerschaft mit Jesus, denn für Gott ist nichts unmöglich. Raphaels Name bedeutet „Gott hat geheilt“, denn er heilt die Blindheit des Tobit.
In der katholischen Kirche gibt es für diese drei Engel sogar ein extra Fest. Es ist das Erzengelfest am 29. September. In meiner Familie gibt es ein paar Traditionen, die wir pflegen. So feiern wir diesen Tag immer mit einem „sanften Engel“. Das ist ein Glas mit Orangensaft und einer Kugel Vanilleeis darin. Das Highlight des Tages ist bei uns daheim allerdings der Sieg über den Drachen, den Michael erzielt hat. Deswegen hängen wir eine Drachen-Pinata, die mit Süßigkeiten gefüllt ist, auf, und meine drei Jungs dürfen den Drachen mit ihren Schwertern besiegen. Es gibt übrigens ein besonderes Gebet der katholischen Kirche, in dem wir Michael bitten, für uns in den Kampf zu ziehen. Es lautet: „Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe; gegen die Bosheit und die Nachstellung des Teufels sei unser Schutz. ,Gott gebiete ihm‘, so bitten wir flehentlich, du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stoße den Satan und die anderen bösen Geister, die in der Welt umhergehen, um die Seelen zu verderben, durch die Kraft Gottes in die Hölle. Amen.“

Der zweite Gedenktag

Und dann gibt es da noch einen zweiten Gedenktag im Jahr, der sich um Engel dreht. Es ist das Schutzengelfest am 2. Oktober. Im Katechismus heißt es: „Von der Kindheit an bis zum Tod umgeben die Engel mit ihrer Hut und Fürbitte das Leben des Menschen. Einem jeden der Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen.“ Das bedeutet, dass auch du deinen ganz persönlichen Schutzengel hast, den du bitten kannst, dich zu führen und zu beschützen. Im Buch Exodus heißt es dazu: „Siehe: Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe.“ Vielleicht magst du deinen Schutzengel an diesem Gedenktag einmal darum bitten, dass er dich beschützt und führt und dich bedanken für all die Gegebenheiten in deinem Leben, in denen er dich begleitet oder bewahrt hat. Eines meiner liebsten Chorlieder passt an diesem Tag übrigens besonders gut: Felix Mendelssohn Bartholdys „Denn er hat seinen Engeln befohlen“. Es greift den Psalm 91 auf, der besagt: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dich zu behüten auf allen deinen Wegen.“ Auch hier gibt es in der Tradition der Kirche ein Gebet: „Heiliger Schutzengel mein, lass mich dir empfohlen sein; in allen Nöten steh’ mir bei und halte mich von Sünden frei. An diesem Tag (/in dieser Nacht), ich bitte dich, beschütze und bewahre mich.“

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Vielleicht triffst du in deinem Leben ja auch mal auf einen richtigen Engel? Wichtig ist, dass du die Augen offen hältst, denn manchmal tauchen sie in ganz unerwarteter Gestalt auf – zum Beispiel in der Gestalt eines Motorradfahrers, der dir den richtigen Weg weist.


Die Autorin ist Sozialpädagogin, Mutter von drei Kindern und schreibt auf ihrem Blog über das Kirchenjahr: www.sanktwerk.de/blog

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