PENG! Ein großer Holztisch fällt krachend zu Boden. Münzen rollen über die kalten Steine. Jesus läuft durch den Tempel. In seiner Hand hält er viele Stricke, die er als Geißel nutzt. Nochmal hallt ein PENG durch den großen Tempel, wieder hat er einen Tisch umgeworfen. „Weg mit den Tauben!“, ruft er und treibt die Händler, ihre Schafe und Rinder nach draußen. „Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“
Es herrscht Chaos. Menschen und Tiere laufen aufgeregt durcheinander. Manch einer bückt sich nach den Münzen, die kreuz und quer über den Boden rollen. Geschrei und Geblöke werden immer wieder durch krachendes Holz übertönt. Die Händler sind wutentbrannt und wollen ihr Geld zurück. Andere suchen ihr Vieh, das weggelaufen ist, und drängen sich durch die Menge. Es herrscht ein Tumult, wie man ihn sich größer nicht vorstellen kann. Vielleicht fragst du dich auch, warum Jesus all das tut. Warum ist er so aufgebracht? Warum geht er so harsch gegen die Händler im Tempel vor? Hätte er das nicht auf andere Weise lösen können? Jesus predigt doch sonst immer Liebe und Verzeihung.
Zorn ist nicht immer schlecht
Nun, ein Wutanfall ist tatsächlich etwas Schlechtes, weil die Person dabei die Kontrolle über sich selbst verliert. Jesus verliert hier nicht die Beherrschung. Er wird zornig, weil ihm etwas unfassbar wichtig ist. Zorn muss nicht immer schlecht sein. Wir können zornig werden, wenn etwas Ungerechtes geschieht oder unsere Werte mit Füßen getreten werden. Es kommt dann drauf an, was wir aus unserem Zorn machen. Worum geht es Jesus?
Das Erste, was du unbedingt wissen musst, ist, dass Jesus seinen Vater im Himmel unfassbar liebt. Und der Vater liebt Jesus. Diese Liebe war schon immer da. Bei der Taufe Jesu war die Stimme zu hören, die sagte: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden“. Der Vater hat sich über Jesus gefreut. Und er nennt ihn seinen „geliebten Sohn“. Wenn wir spüren, dass wir geliebt sind, freuen wir uns. Wenn dein Papa dir sagt, „Ich habe dich lieb!“, schlägt dein Herz höher. Auf ähnliche Weise freut sich Jesus darüber, dass der Vater ihn so ins Herz geschlossen hat.
Jesus erwidert die Liebe des Vaters
Jesus erwidert diese Liebe aus ganzem Herzen. Er kennt seinen Vater. Er spricht mit ihm. Lange Nächte verbringt er auf dem Berg, um in der Stille und Abgeschiedenheit mit ihm zu reden. Er dankt ihm, bittet ihn und spricht mit ihm vor wichtigen Entscheidungen. Jesus will tun, was der Vater ihm aufträgt. Nicht, weil er Angst hat, sonst Ärger zu bekommen, sondern einfach, weil er seinen Vater lieb hat. Selbst in Momenten, in denen es schwer ist, gehorcht er seinem Vater. Er weiß, dass sein Vater immer gut ist. Und er nennt ihn „Abba“, das heißt „Vater“.
Weil Jesus seinen Vater so sehr liebt, möchte er, dass der Tempel ein Haus des Gebetes sei. „Mein Haus soll ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden“ (Mk 11,17). Der Tempel gehört Gott. Seinem Vater. Nun ist es so: Es wurden verschiedene Tiere zum Tempel gebracht, da sie für die Opfer gebraucht wurden. Deshalb waren dort die vielen Händler und verkauften die Tiere. Dieser Handel ist aus dem Ruder gelaufen und fand am falschen Ort statt. Das wollte Jesus nicht hinnehmen.
Und mehr noch: Jesus wünscht sich von ganzem Herzen, dass alle Menschen erkennen, dass der himmlische Vater auch sie unendlich lieb hat. Aber wie soll das gehen, wenn sie nicht mit ihm sprechen? Wenn sie nur noch mit Geldgeschäften beschäftigt sind und keine Zeit mehr für Gott haben? Jesus sehnt sich danach, dass alle erfahren, dass der himmlische Vater gut ist, dass er für uns sorgt, dass er uns kennt und unsere Herzen erfreuen will.
Weil Jesus seinen Vater im Himmel so sehr liebt und weil er will, dass alle Menschen entdecken, wie genial der Vater ist, kann er nicht mehr länger zusehen, wie der Tempel eine Markthalle ist. Es braucht Taten. Und ein klares Signal, das niemand so schnell vergisst. Jesus möchte niemandem etwas zuleide tun. Aber er sieht auch, dass die Menschen umkehren müssen und ihr Verhalten ändern müssen. Deswegen treibt er die Händler aus dem Tempel, die vergessen haben, wofür er gebaut wurde. Wir sehen dabei: Jesus ist stark. Er ist entschieden. Und er handelt so, weil er liebt. Aber was heißt das alles für uns?
In einer Bank mit dem himmlischen Vater sprechen
Das heißt erstens: Jedes Gotteshaus ist ein besonderer Ort. Wenn du eine Kirche betrittst, erinnere dich daran, dass dieser Ort Gott gehört. Wie schön ist es, dass wir dort Gott begegnen können. Du kannst dich in eine Bank setzen oder knien, um mit unserem himmlischen Vater zu sprechen, ihm zu danken, ihn zu loben oder deine Bitten und Anliegen zu ihm zu bringen. Wenn in der Kirche die Eucharistie aufbewahrt wird, machen wir eine Kniebeuge, um Jesus zu verehren und ihm zu sagen, dass wir ihn lieb haben. Und wenn wir in der Kirche still sind, können dort alle gut beten. Ach ja, das weißt du bereits: Bitte verkaufe keine Ziegen und Rinder in der Kirche!
Zweitens lehrt uns diese (wahre) Geschichte: Achte auf dein Herz! Vermutlich bist du getauft. Durch die Taufe wohnt Gott auch in dir. Der heilige Paulus sagt das so: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16). Auch in deinem Herzen können sich Wünsche und Sehnsüchte einschleichen, die dort nicht hingehören. Manchmal sind wir egoistisch, denken nur an uns selber, sind neidisch, gemein oder lügen. So, wie Jesus im Tempel aufräumen musste, so müssen auch wir in unserem Herzen immer wieder aufräumen und rauswerfen, was dort nicht hingehört. Das ist mühsam und fällt uns schwer. Aber je mehr wir unser Herz davon befreien, umso mehr kann Jesus es mit echter Freude füllen.
Es erfordert viel Stärke, für das Gute einzutreten
Drittens können wir aus Jesu Tempelreinigung lernen, dass wir mutig sein sollen. Jesus scheut sich nicht davor, so entschieden im Tempel aufzutreten und die Händler herauszujagen. Genauso müssen wir mutig und entschlossen sein, das Böse zu vermeiden und das Gute zu wählen, ohne dabei aggressiv zu werden. Es erfordert viel Stärke, einen schwächeren Mitschüler nicht mitzumobben, sondern ihn zu verteidigen. Vielleicht macht es dich sogar wütend, so eine Situation mitzuerleben. In so einer Situation für den Schwächeren einzustehen, klar und gelassen, erfordert viel Mut. Jesus sagt uns, dass sich diese Entschlossenheit für das Gute lohnt!
Jesus hat keinen Wutanfall. Wir entdecken hier etwas anderes: Er liebt seinen Vater und uns Menschen. Die Missstände machen ihn zornig, aber ohne dabei die Kontrolle zu verlieren. Im Gegenteil, seine Liebe ist entschieden und kraftvoll.

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