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Autorenschweiß und schlaflose Nächte

Wo immer der Glaube an Gott verwaltet wird, da besteht die Gefahr von Korruption und Apostasie. Auch davon erzählt das Makkabäerbuch.
Vision des Judas Makkabäus, von Julius Schnorr von Carolsfeld.
Foto: IMAGO/imageBROKER/Heinz-Dieter Falkens (www.imago-images.de) | Vision des Judas Makkabäus, von Julius Schnorr von Carolsfeld.

Unter den Büchern des Alten Testaments ist das 2. Makkabäerbuch das merkwürdigste und das späteste; verfasst wurde es wohl um 124 v. Chr. Überliefert ist es nur in griechischer Sprache, vom Judentum wird es nicht als Teil der Heiligen Schrift anerkannt. Die Stimmung ist auch gegenüber den älteren Büchern ganz verändert. Das Land gehört inzwischen zum Reich der Seleukiden, das sich nach Alexander dem Großen etabliert hatte. Die Feindarmee ist mit Elefanten gekommen, in Jerusalem gibt es Sportstätten direkt neben dem Tempel, man übt Diskuswerfen, selbst griechische Hüte werden jetzt Mode (Makk 2, 12, 43). Die Lebensart der Eroberer hat sich verbreitet – wie es eben zugeht, wenn ein Feind mit einer neuen Kultur das Land besetzt.

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Völlig anders als in den übrigen Büchern des Alten Testaments ist auch die Selbstdarstellung des Verfassers. Die frühere Erhabenheit des Stils tritt zurück gegenüber einem selbstbewusst schriftstellerischen Charakter, der vom Autor selbst angesprochen wird. Er bemerkt die Überfülle von Zahlen und den Reichtum des Stoffes: „Deshalb waren wir bestrebt, den Lesefreudigen eine angenehme Lektüre, den Studierenden eine Gedächtnishilfe, kurz allen Lesern zu nützen.“ (Makk 2, 2, 25) Die Arbeit habe ihn „Schweiß und Nachtwachen“ gekostet.

Epische Kämpfe und die Hoffnung auf Auferstehung

Die Mitte des Buchs, um die sich alles dreht, ist das Schicksal des Tempels in Jerusalem. Berichtet wird von Jason, einem Hohepriester, der sein Amt durch Korruption erlangt hatte und dann vom Glauben abfiel; damals wurde der Tempeleingang verbrannt. Jason seinerseits wird von Menelaos verdrängt, immer sind große Geldsummen im Spiel. Die Schilderung der Kämpfe ist malerisch, für vierzig Tage sieht man „Reiter mit goldenen Gewändern und mit Lanzen bewaffnet, in Abteilungen durch die Lüfte jagen.“ (Makk 2, 5, 2) Ausgemalt werden auch die Qualen, welche die Feinde zu erdulden haben, vor allem Antiochus Epiphanes (Makk 2, 9). Denn Judas Makkabäus, einer der großen Militärhelden der Bibel, hat sich zum Partisanenkrieg entschlossen. Mit Gottes Hilfe besetzt seine Armee schließlich Jerusalem. Der Tempel wird gereinigt – am gleichen Tag, an dem er entweiht worden war (Makk 2, 10).

Aber nicht dies begründet die Schätzung des eigentümlichen Buches durch die orthodoxe und die katholische Kirche. Vielmehr ist es der Gedanke des Lebens nach dem Tode und der Auferstehung, der sonst im Alten Testament praktisch nicht existiert. Als das Makkabäer-Heer gesiegt hat, will man die Gefallenen bergen. Es stellt sich heraus, dass sie sämtlich unter der Kleidung heidnische Amulette getragen hatten. Man betet für die Toten, auf dass sie Vergebung finden. Wenn Judas Makkabäus „nicht an die Auferstehung der Toten gedacht hätte, wäre es überflüssig und lächerlich gewesen, für die Toten zu beten. Auch bedachte er, dass jenen, die fromm gestorben sind, ein ganz herrlicher Lohn aufbewahrt ist: ein heiliger und frommer Gedanke!“ (Makk 2, 12, 44–45) Nun sieht man das Große: Wie das Alte Testament ganz zum Schluss den Staffelstab an das Neue übergibt.


Der Autor ist Journalist und war im Feuilleton der FAZ für die „Geisteswissenschaften“ zuständig.

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