Herr Rektor, was erhoffen Sie sich vom Besuch des Heiligen Vaters?
Vom Besuch des Heiligen Vaters erhoffen wir uns einen Zuwachs an Glauben, Freude und Nächstenliebe. Die Menschen möchten durch die Predigt des Heiligen Vaters und seine Ansprachen in der Freude am Glauben gestärkt werden. Der Papst kommt als Pilger nach Lourdes und möchte andere Pilger auf ihrem Glaubensweg bestärken.
Was verbindet Papst Leo mit Lourdes?
Bei einer privaten Audienz im Juni 2025 erzählte er dem Bischof von Tarbes-Lourdes und mir, dass er bereits zweimal als Pilger nach Lourdes gepilgert sei: das erste Mal im Alter von neunzehn Jahren, das zweite Mal im Alter von neunundzwanzig Jahren.
Seit dem letzten Papstbesuch im Jahr 2008 wurden fünf weitere Heilungen als Wunder anerkannt. Welchen Einfluss hat dies auf die Pilger?
Die Anerkennung einer wunderbaren Heilung stärkt den Glauben der Pilger, die nach Lourdes kommen, insbesondere unserer kranken Brüder und Schwestern. Wenn Gläubige für die Gnade Zeugnis ablegen und berichten, dass Gott in das Leben der Menschen eingreift und dass die Jungfrau Maria bei ihrem Sohn Jesus für diese Menschen Fürsprache einlegt, dann stärkt dies tatsächlich den Glauben der anderen.
Das geplante Treffen Leos XIV. mit den Missbrauchsopfern in Lourdes hat bereits im Vorfeld des Papstbesuchs Schlagzeilen gemacht. Könnten Sie sagen, was geplant ist?
Nein – aus dem einfachen Grund, dass ich die Rahmenbedingungen dieses Treffens nicht kenne. Das Treffen der Missbrauchsopfer mit Papst Leo wird vom Sekretariat der Französischen Bischofskonferenz organisiert.
Maria hat in Lourdes dazu aufgerufen, für die Sünder zu beten. Wie empfänglich sind Missbrauchsopfer für die Botschaft von Lourdes?
Wenn Missbrauchsopfer nach Lourdes kommen und einen Priester treffen, geht es nicht sofort darum, sie mit der Botschaft Marias an Bernadette in Berührung zu bringen. Es geht vor allem darum, dass wir uns von ihrem Zeugnis berühren lassen. Wir sagen nichts, wir hören zu. Die Opfer müssen spüren, dass sie in Lourdes willkommen sind, dass man ihnen zuhört und sie respektiert. Und sie müssen Trost und Kraft bei der Unbefleckten Empfängnis finden. Man muss für diese Menschen und mit ihnen beten – und natürlich auch für die Täter.
Welchen Teil der Botschaft von Lourdes möchten Sie den Pilgern besonders ans Herz legen?
Ich würde die Worte von Bernadette über Maria hervorheben: „Sie sah mich an wie jemand, der mit jemand anderem spricht.“ Bernadette fühlte sich als Mensch wertgeschätzt und in ihrer Würde bestärkt. Ihr wurde bewusst, dass sie ein Recht auf Respekt hatte. Das kannte sie bis dahin nicht. Eine gute Nachricht aus Lourdes ist, dass jeder Mensch, ganz gleich, an welcher Krankheit er leidet und wie groß seine Leiden auch sein mögen, vor Gott und vor den anderen seine Würde hat.
In den letzten Jahren hieß es, die Zahl der Kranken in Lourdes sei rückläufig. Was ist da dran?
Richtig ist, dass einige Kranke in Lourdes in Hotels absteigen, ohne in den Aufnahmezentren „Accueil Notre-Dame“ oder „Accueil Saint-Frai“ registriert zu werden. Allerdings spüren wir immer noch die Folgen der Pandemie. Covid-19 war ein schwerer Schlag für die Besucherzahlen unserer Aufnahmezentren für Kranke. Seit 2022 steigen die Zahlen der Pilgergruppen, die von der Hospitalität von Lourdes begleitet werden, wieder langsam. Doch der Rückgang ist nach wie vor spürbar.
Den Priestern der Piusbruderschaft ist es nicht mehr gestattet, innerhalb des Heiligtums öffentlich die traditionelle Messe zu feiern und die Sakramente zu spenden. Wie sieht die traditionelle Seelsorge aus?
Zwei Patres der Petrusbruderschaft haben ihren Platz unter den Seelsorgern, die in den Heiligtümern von Lourdes wirken. Sie gehören zum Team der Wallfahrtspriester und feiern täglich die Messe für die Pilger, die das möchten.
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