Die Grillen sind schneller als der Chor. Ihr Zirpen liegt über den Dächern und verwinkelten Gassen von San Leo, bis sich eine Stimme daruntermischt. Erst kaum hörbar, dann deutlicher: Sopranstimmen, die sich suchend nach oben tasten. Die Sommerhitze trägt den Klang aus dem Palazzo Mediceo bis hinauf zur Burg. Hält das Intervall? „Ich bin noch nicht zufrieden, sorry!“, sagt Michael Utz. Der Fachbereichsleiter für Kirchenmusik im Erzbistum Köln und Leiter der Chorwoche setzt dieselbe Stelle erneut an. Seit Stunden probt der 27-köpfige Chor. Dann zerreißt der Glockenschlag der Kathedrale den eben gefundenen Akkord. „Heiliger Intonatius, bitte für uns!“, ruft jemand. Gelächter bricht aus. Utz hebt wieder die Hände. ...
Nachfolge mit Notenmappe
Chorproben in Italien statt Strandurlaub: Warum Kirchenmusiker jedes Jahr nach San Leo fahren.
