2012 besuchte Papst Benedikt XVI. das Haus der Steyler Missionare in Nemi bei Rom, wo er an die Arbeiten am Dekret „Ad gentes“ über die Missionstätigkeit der Kirche im Jahr 1965 erinnerte. Besonders lebhaft in Erinnerung hatte er „Fulton Sheen, der uns abends mit seinen Vorträgen anzog“. Sheen, der an allen vier Sitzungsperioden des Konzils teilnahm, war als einziger US-Amerikaner Mitglied der Kommission für die Missionen. In seiner Heimat war er bereits ein Fernsehstar, dessen Programme von einem Millionenpublikum verfolgt wurden. Das „Time Magazine“ kürte ihn 1952 zum „ersten Teleevangelisten“. Unzählige Menschen kamen durch Sheen zum katholischen Glauben, darunter Persönlichkeiten wie die Politikerin Clare Boothe Luce und der Autohersteller Henry Ford II. Am 24. September wird der Medienpionier in St. Louis seliggesprochen.
Fulton John Sheen wurde am 8. Mai 1895 in El Paso im US-Bundesstaat Illinois geboren und wuchs im nahegelegenen Peoria auf. Seine Eltern, irische Katholiken, führten ein Eisenwarengeschäft. Nach dem Besuch des Priesterseminars in Saint Paul in Minnesota empfing er 1919 die Priesterweihe; nach der Studienzeit in Washington D.C. und im belgischen Löwen lehrte er bis 1950 an der „Catholic University of America“.
Im März 1930 moderierte Sheen zum ersten Mal sein Hörfunkprogramm „The Catholic Hour“ – in den folgenden Jahrzehnten eine der populärsten Radiosendungen in den Vereinigten Staaten. Pius XII. ernannte ihn zum Monsignore und Ehrenprälaten; von 1950 bis 1966 war er Nationaldirektor der Missionsgesellschaft „Propaganda Fide“.
„Emmy Award” erhalten
1951 zum Weihbischof von New York ernannt, setzte er sein Medienapostolat fort: Seine Sendereihe „Life is Worth Living“ wurde im ganzen Land übertragen, im Hörfunk ebenso wie im neuen Medium Fernsehen – 1951 verfügten in den Vereinigten Staaten etwa zehn Millionen Haushalte über ein Fernsehgerät. Sheen besaß das Charisma, auch schwierige Glaubensthemen einfach zu vermitteln. 1952 erhielt er den „Emmy Award“, den bedeutendsten US-amerikanischen Fernsehpreis.
Für seine Evangelisierungsvorträge reiste Sheen rund um den Globus. In den Missionsstationen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens kam er persönlich mit der Armut in Berührung, die für ihn zum zentralen Aspekt seines Kirchenverständnisses wurde: „Nur eine von der Armut verwundete Kirche kann eine skeptische Welt bekehren“, wurde zu seinem Leitsatz, auch im Hinblick auf das Zweite Vatikanische Konzil, von dem Sheen durch Johannes XXIII. persönlich unterrichtet wurde, noch bevor die Weltöffentlichkeit von den Plänen des Papstes erfuhr. „Wie die Keuschheit die Frucht des Konzils von Trient und der Gehorsam die Frucht des Ersten Vatikanischen Konzils waren, so möge der Geist der Armut die Frucht dieses Zweiten Vatikanischen Konzils sein“, lautete sein Wunsch.
Nach Herzoperation baute er ab
Nicht nur am Missionsdekret arbeitete Sheen intensiv mit, sondern auch am Dekret für die Priesterausbildung – jeder Seminarist solle im Sommer in den Missionsgebieten lernen, „die Last des Tages und die Hitze“ zu tragen – und am Dekret für das Laienapostolat. In der Zeit nach dem Konzil setzte sich Sheen in seinen Vorträgen auch kritisch mit den Unruhen auseinander, die dieses in die Kirche gebracht hatte: „Die ganze Verwirrung, die wir in der Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil erlebt haben, dreht sich um unser Missverständnis des Wortes ‚Welt‘.“ Man müsse, so Sheen, unterscheiden zwischen der Welt als guter Schöpfung Gottes und der Welt im Sinne der Heiligen Schrift: als einer gottlosen Ordnung. Wenn diese Unterscheidung verwischt werde, könne sich alles in sein Gegenteil verkehren.
Paul VI. ernannte Sheen 1966 zum Bischof von Rochester im Bundesstaat New York; ab 1969 widmete er sich wieder ganz dem Medienapostolat. Nach einer Herzoperation im Jahr 1976, mit 81 Jahren, baute er körperlich ab, bis zu seinem Tod am 9. Dezember 1979. Nur zwei Monate vorher erlebte Sheen einen besonders bewegenden Augenblick: In der Kathedrale von New York umarmte Papst Johannes Paul II. den hochbetagten „Teleevangelisten“ mit den Worten: „Du hast gut von unserem Herrn Jesus Christus geschrieben und gesprochen. Du bist ein treuer Sohn der Kirche!“
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