Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Wochenheiliger: 29. September

Die Säuberungsaktion der Wehrmacht überlebte er nicht

Am Sonntag wird der italienische Pfarrer Ubaldo Marchioni seliggesprochen. Er wurde 1944 vor dem Altar kaltblütig hingerichtet, als Nationalsozialisten ein furchtbares Massaker verübten.
Santa Maria Assunta di Casaglia mit Gedenktafel für den seligen Ubaldo Marchioni
Foto: Di Whiteghost.ink - Opera propria, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=82486166 | In der kleinen Kirche Santa Maria Assunta di Casaglia wurde Pfarrer Ubaldo Marchioni von den Nationalsozialisten kaltblütig ermordet.

In dieser Woche, am 27. September, werden in Bologna drei Priester seliggesprochen, die 1944 im Massaker am Monte Sole im italienischen Apennin ermordet wurden. Es gilt als das schwerste nationalsozialistische Kriegsverbrechen im südlichen und westlichen Europa; die Zahl der zivilen Todesopfer wird auf etwa 770 geschätzt. Wir stellen in dieser Folge des Wochenheiligen den Diözesanpriester Ubaldo Marchioni vor, der am 29. September ermordet wurde. Die beiden anderen neuen Seligen – der Salesianer Elia Comini und der Herz-Jesu-Priester Martino Capelli – werden folgen.

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Ubaldo Marchioni wurde am 19. Mai 1918 in Vimignano, einem kleinen Dorf im Bologneser Apennin, geboren. In der Pfarrgemeinde fühlte er sich wohl; der Dorfpfarrer war sein großes Vorbild. Bereits mit zehn Jahren trat er in das Kleine Seminar ein, studierte anschließend am Priesterseminar in Bologna und wurde im Kriegsjahr 1942 zum Priester geweiht.

Die Ereignisse warfen ihre Schatten voraus

Ein Jahr später, am 25. Juli 1943, fiel der Faschismus in Italien, gefolgt vom Waffenstillstand mit den Alliierten am 8. September. Sofort nach dem Bruch des „Achsenbündnisses“ mit Italien begann die deutsche Wehrmacht mit einer groß angelegten Aktion zur Besetzung des Landes. Diese Zeit erlebte Ubaldo Marchioni als Pfarrvikar in Monzuno im Umland von Bologna. 

Am 6. Januar 1944 teilte der Erzbischof die Pfarrgebiete neu auf. Marchioni kam nach San Martino di Caprara, einem Dorf in der Gemeinde Monte Sole, wo nur wenige Monate später das furchtbare Massaker stattfinden sollte. Zunächst war die Lage noch ruhig: Als der Erzpriester von San Martino am 28. März 1944 starb, wurde Marchioni sein Nachfolger; am 23. Mai nahm er die Pfarrkirche feierlich in Besitz. Aber die kommenden Ereignisse warfen bereits ihre Schatten voraus: Kurz vor dem Pfingstfest bezog die Partisanenbrigade „Stella Rossa“ Stellung am Monte Sole, um den Besatzern Widerstand zu leisten. Einige Partisanen besuchten bei Pfarrer Ubaldo die Sonntagsmesse und wurden in der Gemeinde mit Lebensmitteln und Kleidung versorgt.

Am 3. September, zum Rosenkranzfest, war die Kirche noch einmal festlich geschmückt, als der Pfarrer den Kindern die Erstkommunion spendete. Kurz darauf reiste er für einige Tage in sein Heimatdorf Vimignano. Dort erreichten ihn Gerüchte, dass die Wehrmacht eine große Säuberungsaktion gegen die Partisanen am Monte Sole plane. Da in diesen Tagen alles ruhig war, glaubten viele Leute nicht daran. Der junge Pfarrer Ubaldo kehrte zum Monte Sole zurück, um auf jeden Fall bei seiner Gemeinde zu sein. 

Häuser und Felder wurden in Brand gesetzt, Menschen willkürlich erschossen

Am Morgen des 29. September war es so weit: Am Ortsausgang von Marzabotto tauchten SS-Truppen auf, die die Straße zum Monte Sole verbarrikadierten. Es begann eine brutale Jagd auf die Partisanen nach der Methode der „verbrannten Erde“: Häuser und Felder wurden in Brand gesetzt, die Bevölkerung unter Generalverdacht gestellt, mit den Partisanen unter einer Decke zu stecken, und Menschen willkürlich erschossen. Als Ubaldo in die kleine Kirche in Casaglia di Caprara kam, die zu seiner Pfarrei gehörte, waren viele Gläubige dort versammelt. Es herrschte große Angst; Kinder weinten. Er verteilte die Kommunion aus dem Tabernakel unter den Anwesenden und begann, mit den Menschen den Rosenkranz zu beten.

Dann stürmten SS-Männer die Kirche und zwangen den Pfarrer, seine Gemeinde zum Friedhof zu führen. Dort wurde direkt das Feuer auf sie eröffnet und Brandbomben geworfen. Menschen fielen leblos zu Boden und begruben andere unter sich; viele erlitten einen furchtbaren Todeskampf, nur wenige überlebten. Der Priester wurde als Einziger wieder in die Kirche geführt und direkt vor dem Altar kaltblütig hingerichtet. Sein Leichnam wurde in ein Massengrab geworfen.

1980 wurden die verbrannten Trümmer der Kirche weggeräumt; darunter fand sich die Tür des Tabernakels und eine von Kugeln durchbohrte Hostienschale. Sie steht heute wieder im Tabernakel einer nahegelegenen Kirche und erinnert an das Martyrium des jungen Pfarrers Ubaldo Marchioni, der mit nur 26 Jahren „in odium fidei“ ermordet wurde.

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Themen & Autoren
Claudia Kock Erstkommunion Massaker Pfarrer und Pastoren

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