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Iranische Ränkespiele

Saudi-Arabien wirkt angesichts der Houthi-Attacken wie ein goldener Koloss auf tönernen Füßen. Jahrelang versuchte Riad vergeblich, den Einfluss der Miliz einzudämmen.
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire | Der Appell des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi an den ewigen Konkurrenten Saudi-Arabien, man möge nicht auf einem „militärischen Ansatz“ beharren, entbehrt nicht der Ironie.

Die iranische Führung hat auch nach sieben Monaten Krieg ihren Sinn für Humor nicht verloren. Angesichts der verlustreichen Angriffe der jemenitischen Houthi-Miliz auf Saudi-Arabien und Riads verzweifelten – und vor den Midterms wohl auch aussichtslosen – Versuchen, die USA neuerlich in einen Krieg gegen die Houthis hineinzuziehen, hat ausgerechnet der Iran sich als Vermittler angeboten. Dieselbe iranische Führung, die mit Saudi-Arabien seit Jahrzehnten um die Führungsrolle in der islamischen Welt ringt, die als schiitische Großmacht den sunnitischen Erdölriesen seit jeher auf vielen Feldern herausfordert und die die Houthis eben deshalb hochgerüstet hat!

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Der Appell des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi an den ewigen Konkurrenten Saudi-Arabien, man möge nicht auf einem „militärischen Ansatz“ beharren, denn das würde die „bestehende Situation noch komplizierter“ machen, entbehrt nicht der Ironie. Ohne die jahrelange Aufrüstung der Houthis durch Teheran wären diese Milizen im bettelarmen Jemen nicht zur Regionalmacht erstarkt, die es wagt, das superreiche Saudi-Arabien herauszufordern und mit Attacken auf die Schifffahrt im Roten Meer die Weltwirtschaft zu terrorisieren.

Zieht Riad die Türkei und Pakistan mit hinein?

Mit seinem Rat, Riad möge eine „politische Lösung“ suchen, und seinem Angebot, Teheran könne dabei „Unterstützung leisten“, demonstriert der iranische Außenminister nicht nur politische Stärke, sondern verhöhnt Saudi-Arabien geradezu. Vielleicht sind die Saudis ja tatsächlich ein goldener Koloss auf tönernen Füßen, denn schon ab 2015 versuchten sie mit militärischen Mitteln sieben Jahre lang vergebens, den wachsenden Einfluss der Houthis einzudämmen. Heute ist diese jemenitische Miliz, die der schiitischen Sekte der Zaiditen zugerechnet wird und im eigenen Herrschaftsgebiet totalitär regiert, stärker denn je.

Die diplomatische Offensive Teherans hat neben dem Ironiefaktor aber auch eine rationale Dimension: Der Iran will in der Region weiter als gut vernetzter politischer Akteur wahrgenommen werden. Und er will verhindern, dass die Saudis in ihrer Verzweiflung den Mekka-Sicherheitspakt zur Geltung bringen, womit die Türkei und Pakistan in den Konflikt hineingezogen würden. Die Türkei unterhält die zweitstärkste NATO-Armee, Pakistan ist Atommacht. Eine sunnitisch-schiitische Konfrontation dieser Dimension können sogar die selbstbewussten Überlebenskünstler in Teheran nicht wollen.

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Stephan Baier Mahmud Abbas

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