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Künstliche Intelligenz fordert alle heraus

Arbeiter Werk
Foto: Imago/Westend61 | Künstliche Intelligenz verändert auch im Mittelstand zunehmend Arbeitsabläufe und Tätigkeitsprofile.

Papst Leo XIV. warnt in seiner jüngsten Enzyklika „Über die Wahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“ davor, dass durch KI die „Arbeitnehmer dequalifiziert, einer automatisierten Überwachung unterworfen und auf starre und sich wiederholende Aufgaben festgelegt werden“ könnten. Aktuell besteht diese Gefahr im Mittelstand in Deutschland noch nicht. Im Gegenteil: Der KI-Einsatz in den Unternehmen dient vor allem dazu, die Beschäftigten bei zeit- und ressourcenintensiven Tätigkeiten zu entlasten: Zunehmend unterstützen digitale Assistenzsysteme die Geschäftsführungen in den Unternehmen bei der Routenplanung, Telefonassistenz und im Workflow-Management.

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In Steuerberatungskanzleien wird KI genutzt, um Routinetätigkeiten wie Buchungs- und Belegverarbeitung zu automatisieren. Aber auch in Handwerksbetrieben ist KI zu finden: So kommen in manchen Malerbetrieben bereits Roboter zum Einsatz, um beispielsweise das Grundieren von großen Flächen zu übernehmen. Künstliche Intelligenz wird folglich in der mittelständischen Wirtschaft ganz im Sinne von Papst Leo XIV verwandt: Sie achtet die Menschenwürde. Schon heute ist jedoch absehbar, dass die Künstliche Intelligenz in Zukunft Tätigkeitsprofile komplett verändern wird. Dies führt zum einen dazu, dass der Bedarf an entsprechend qualifizierten Beschäftigten steigen wird.

Es ist daher wichtig, dass zeitnah Berufsausbildungen, Studiengänge und Weiterbildungsangebote an die neuen personellen Herausforderungen angepasst werden. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass viele mittelständische Unternehmen in Deutschland ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Auch könnten die kleineren mittelständischen Unternehmen bei der Gewinnung qualifizierter Fachkräfte noch stärker gegenüber den Großunternehmen ins Hintertreffen geraten.

Die Veränderung der Tätigkeitsprofile durch Künstliche Intelligenz führt zum anderen aber auch dazu, dass die Unternehmerinnen und Unternehmer sich permanent neben ihren üblichen Tagesaufgaben mit deren technologischen Möglichkeiten auseinandersetzen müssen. Nur so können sie erkennen, welche KI-Anwendungen für ihr Unternehmen nutzbringend sind. Für die Erwerbstätigen bedeutet diese Entwicklung, dass der Begriff „Lebenslanges Lernen“ für sie wichtiger denn je ist: Sie müssen bereit sein, sich stetig weiterzubilden.

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Unabhängig davon steht aber auch die Politik insbesondere auf europäischer Ebene in der Pflicht, möglichst zeitnah die wirtschaftspolitischen Voraussetzungen für mehr Datensicherheit und Dateninfrastrukturen zu schaffen, damit die Unternehmen und die Menschen in Europa KI-Anwendungen sicher und selbstbestimmt nutzen können. Nur dann lässt sich vermeiden, dass weiterhin vor allem US-amerikanische Technologieunternehmen fast monopolartig den KI-Markt – und damit die Grenzen des technisch Machbaren bestimmen.


Die Autorin ist Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn und Professorin an der Universität Siegen. 

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