In diesem Sommer wurden im Polnischen Mutter-Kind-Krankenhaus in Łódź Rozalia, Franciszek, Gabriel und Bruno geboren. Gleichzeitig und von derselben Mutter. Sie sind die zehnten Vierlinge in der fast 40-jährigen Geschichte des Krankenhauses. Die Babys wiegen bereits über zwei Kilogramm, benötigten keinen Inkubator und konnten bald mit ihren Eltern nach Hause. Doch dies ist eine Ausnahme. Oft wiegen die Babys weniger als ein Kilogramm bei der Geburt und müssen noch lange in den Brutkästen verbleiben, bis sie endlich mit ihren Eltern nach Hause dürfen.
Normalerweise kommen Vierlingsschwangerschaften nur etwa einmal unter 500 000 bis 700 000 Schwangerschaften vor und sind damit extrem selten. Die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsgeburt steigt mit dem Alter der Frau. Der Gynäkologe, der Rozalia, Franciszek, Gabriel und Bruno betreute, betonte gegenüber polnischen Medien, welch große Herausforderung eine Vierlingsschwangerschaft für die werdende Mutter darstellt. Seinen Berechnungen zufolge betrug das Gesamtgeburtsgewicht der Geschwister 6 720 Gramm. „Ein Gewicht von über 6 500 Gramm ist während der Schwangerschaft schwer zu erreichen. Dies stellt eine enorme Belastung für den Kreislauf, die Gelenke, das Verdauungssystem und andere Organe der Mutter dar“, erklärte Professor Mariusz Grzesiak, Leiter der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus in Łódź.
Alltag mit Vierlingen
Doch wie sieht eigentlich der Alltag mit Vierlingen aus? Dany Shafran stammt aus Großbritannien, wo er im Jahr 1977 als Vierling mit drei Schwestern geboren wurde und aufwuchs. „Meine Eltern erfuhren vier Wochen vor unserer Geburt, dass sie Vierlinge bekommen würden. In der 31. Schwangerschaftswoche schickte der Hausarzt meine Mutter zum Röntgen, weil ihr Bauch größer war als erwartet. Von einer Telefonzelle im Krankenhaus aus rief sie meinen Vater an. Er war völlig geschockt. Am nächsten Tag wurde sie stationär aufgenommen.“
Seine Familiengeschichte wurde vor allem durch einen Artikel in der britischen Zeitung The Guardian bekannt, in dem er über sein Leben als Vierling berichtete. „Meine Großmutter zog für sechs Monate bei uns ein, und die Kommune stellte uns anderthalb Jahre lang rund um die Uhr Pflegekräfte zur Seite. Danach waren meine Eltern auf sich allein gestellt. Sie hatten zwei Waschmaschinen, zwei Wäschetrockner und einen Vierlingskinderwagen. Mein Vater arbeitete fast ununterbrochen, nahm sich aber immer Zeit für uns. Ich kann mir nicht vorstellen, wie er die finanzielle Belastung bewältigte: Schecks für vier Paar Schuhe ausstellen, Kleidung für vier Kinder bezahlen. Ich weiß nicht, wie er da noch lächeln konnte. Aber er tat es.“, so Shafran gegenüber dem Guardian.
Hohe Kosten, wenig Zeit
Für viele Eltern mit Mehrlingen kommt die erste Herausforderung schon mit der Wahl des Kinderwagens. So gibt es im Handel zwar Drillingskinderwagen, die bei einem Neukauf oft mehr als das Doppelte eines herkömmlichen Kinderwagens kosten, doch ein Gefährt für vier Babys ist praktisch nicht zu bekommen. Als Dany Shafran und seine Schwestern klein waren, lief alles nach einem festen Zeitplan und strengen Regeln. Ihre Mutter stand jeden Tag schon vor sechs Uhr in der Küche. „Es blieb keine Zeit, mit jedem von uns einzeln zu spielen, zu backen oder zu lesen. Später hat sie mir erzählt, wie sehr sie sich gewünscht hätte, mit jedem Kind auch einmal allein Zeit verbringen zu können.“
Dany berichtet, dass ihre Mutter es hasste, wenn die Menschen ihre Kinder „die Vierlinge“ nannten. Sie wollte, dass jedes der Kinder als eigenständige Persönlichkeit behandelt wurde, berichtet ihr Sohn. So gab es im Hause Shafran immer vier Geburtstagskuchen, und die vier Geschwister trugen nie die gleiche Kleidung. „Die Leute fragen mich, ob es mich als Kind genervt hat, meinen Geburtstag teilen zu müssen. Ich fragte mich eher, wie es wohl für diejenigen war, die ihren ganz allein hatten“, so Dany. „Sind die auf natürlichem Wege entstanden?“
Zwischen Neugier und Anteilnahme
Die Reaktionen der Außenwelt auf Mehrlinge sind vielfältig. Eine Drillingsmutter berichtet auf dem Elternportal Twinfo, dass sie selbst beim Einkaufen von Fremden gefragt wurde, ob ihre Kinder auf natürlichem Wege entstanden seien. Eine Erfahrung vieler Eltern von Mehrlingen. Die Neugier mag verständlich sein, doch die Frage berührt die Intimsphäre der Eltern, zumal wenn die Kinder danebenstehen. Auch Drillinge und Vierlinge können ohne medizinische Hilfe gezeugt werden, wenngleich dies selten ist.
Der Autor dieser Zeilen ist selbst Vater von Mehrlingen. Eine weitere selbstgemachte Erfahrung in deutschen Fußgängerzonen ist, dass man häufig aufgrund des großen und somit auffälligen Kinderwagens angesprochen wird. Meistens lautet die erste Frage, ob denn alle Kinder in dem Wagen die eigenen seien. Sobald man diese Frage bejaht hat, teilen sich die Reaktionen in zwei Gruppen auf. Während offensichtlich deutsche Passanten einen aufgrund „der vielen Arbeit“, der man ja nun mit Mehrlingen ausgesetzt sei, bemitleiden, reagieren Menschen mit ausländischem Hintergrund überproportional häufig positiv und ergehen sich in überschwänglichen und herzlichen Glück- und Segenswünschen für die Mehrlingsfamilie.
Angst weicht der Zuversicht
Eltern von Mehrlingen dürften sich über die positiven Reaktionen mehr freuen, sind Kinder doch in erster Linie ein großer Segen. Die Zuversicht: Es wird alles gut werden Magdalena, die Mutter der Vierlinge aus Łódź, erfuhr übrigens bei ihrer zweiten Ultraschalluntersuchung, dass sie mit Mehrlingen schwanger war. Zunächst war den Eltern mitgeteilt worden, dass sie Drillinge erwarten, doch drei Wochen später zeigte der Ultraschall ein weiteres Baby. „Zuerst war da die Angst - wie sollte ich das alles bewältigen?“, berichtet Magdalena gegenüber PolsatNews. „Und dann, immer wieder, war da dieser eine Gedanke - dass alles gut werden würde; es spielte keine Rolle, welches Geschlecht, Jungen oder Mädchen, solange sie gesund geboren wurden.“
Dany Shafran erzählte dem Guardian, dass es schon etwas Besonderes sei, Geschwister zu sein und auch noch dasselbe Geburtsdatum zu haben. „Früher konnte ich es kaum erwarten, sie alle loszuwerden. Aber mein Vater sagte immer: ‚Wenn du älter bist, wirst du das zu schätzen wissen.’ Er hatte recht.“
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