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Spiele für nasses Herbstwetter

Wenn die Tage kürzer werden, wird gewürfelt, gepuzzelt und gemalt. Gesellschaftsspiele sorgen für gemeinsame Erlebnisse, Puzzles für Entschleunigung.
Dämmerwache
Foto: arsEdition | Bei „Dämmerwache“ ist ein Spieler nicht auf eine Figur festgelegt; nacheinander müssen reihum die Charaktere bewegt werden. Wer dran ist, muss überlegen, welche Fähigkeiten jetzt gefragt sind.

Spiele können zum Gemeinschaftserlebnis werden, Sammlung und Zerstreuung zugleich bieten. Ohne lange Regeln oder komplizierte Erklärungen. Gerade für Menschen, die sich nicht auf komplizierte Erklärungen einlassen wollen, sind Kommunikationsspiele genau das Richtige: Alle sind gefordert und man hat zusammen Spaß. Ausgezeichnet mit dem „Spiel des Jahres“ wurden „Barbarossa“ (1988), „Bluff“ (1993), „Codenames“ (2016), „Just One“ (2019) und „Dito!“ (2026).

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Ein Geheimtipp ist „Krakel Orakel“ (TOPP), ein kooperatives Zeichenspiel, das im vergangenen Jahr für den begehrten Preis nominiert wurde. Statt wie bei den Montagsmalern auf ein leeres Blatt zu zeichnen, bekommt man hier eine abwischbare Tafel mit wirren Linien, die man mit einem Stift nachfahren muss, um einen Gegenstand sichtbar zu machen. Durch diese Vorgabe wirkt die Darstellung zwangsläufig verzerrt. Folglich muss aus dem Gekrakel orakelt werden, um welchen Begriff es sich handelt. Während jeder gleichzeitig zeichnet, dürfen sich in der Ratephase alle außer dem Künstler äußern. Ziel ist es, dass die Gruppe möglichst viele Begriffe korrekt identifiziert. Bei „Krakel Orakel“ muss niemand über ein Zeichentalent verfügen und sämtliche Spieler sind die ganze Zeit gefordert. Langeweile oder Frust gibt es nicht. Gefragt sind Einfallsreichtum und Kreativität.

1.000er-Puzzle in fünf Stunden

Legespiele sind für viele Menschen eine ideale Gelegenheit zur Entschleunigung, Sorgen zu vergessen und ganz bei sich zu sein. Abseits aller digitalen Reize begeistert das haptische Erlebnis, das begrenzte Material und die Fokussierung auf eine einzige Aufgabe. Kein Streit, kein Stress, kein Screen. Bei dieser multisensorischen Aufgabe schauen, sortieren, greifen, drehen und probieren wir. Jedes passende Segment ist ein kleiner Glücksmoment. Was für ein atemberaubendes Erfolgserlebnis, sobald das Werk komplett vor uns liegt. Wer puzzelt, erlebt, wie aus Chaos Ordnung wird.

Während für Kleinkinder Puzzles mit mehr als 24 Teilen eine Herausforderung darstellen, fängt für Jugendliche der Nervenkitzel meist erst ab 500 Elementen an. Für 1.000er-Puzzles geben die Hersteller in der Regel fünf bis zwölf Stunden an. Je mehr Personen mitmachen, desto zügiger stellt sich der Erfolg ein. Für Puzzles von Ravensburger mit 18.000 Segmenten braucht man etwa ein halbes Jahr. Doch nicht nur die Zahl der Elemente ist ein Maß für die Komplexität, sondern auch das Motiv. So bietet der deutsche Marktführer in seiner „Krypt“-Serie (631 bis 881 Teile) monochrome Darstellungen ohne Bild.

Puzzles ohne Nasen und Einbuchtungen

Obwohl es lediglich aus 256 Teilen besteht, zählt „Eternity II“ (2007) von Christopher Monckton zu den schwierigsten Puzzles überhaupt. Diese sind quadratisch, haben also weder Nasen noch Einbuchtungen, und müssen in einem 16 × 16-Raster so ausgelegt werden, dass die Farben aller Kanten exakt zu den Nachbarplättchen passen. Für die Lösung war ein Preis von zwei Millionen US-Dollar ausgelobt; die Frist endete 2010 ohne Gewinner.

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Ein neuer Trend sind Exit-Puzzles von Kosmos und Escape-Puzzles von Ravensburger. Hier muss man nicht nur Aufbauarbeit leisten, sondern auch seine detektivischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Aufmerksam gilt es, Details zu deuten, um Hinweise zur Lösung des Falls zu finden. Man setzt also nicht nur ein Bild zusammen, sondern spielt eine Geschichte durch. Diese neue Form der Unterhaltung führt Spürnasen und Abenteurer an einen Tisch. Wer neugierig geworden ist, dem seien „Der verschollene Tempel“ (Kosmos) beziehungsweise „Die Sternwarte“ (Ravensburger) empfohlen.

Puzzlekönig „Ravensburger”

Zuletzt sei noch der Hinweis erlaubt, dass sich Puzzles bei verschiedenen Anbietern auch als Einzelstücke mit seinem Lieblingsmotiv anfertigen lassen, beispielsweise einem Familienfoto, einer Kinderzeichnung, Aufnahmen von Orten oder Tieren, zu denen man eine persönliche Beziehung hat. Gerade ältere Menschen werden sich über solche Geschenke sicher freuen. Dabei ist auf eine möglichst lebendige Struktur der Darstellung zu achten, denn große Flächen in gleicher Farbe oder wenig unterschiedliche Muster können zu Frust führen. Für demente Personen empfiehlt es sich, möglichst große Teile mit einer kleinen Gesamtstückzahl auszusuchen, denn die Beschäftigung soll ja am Ende zufriedenstellen. Ein gutes Puzzle sagt ohne Worte: „Das hast du prima gemacht!“

Das 1883 gegründete Unternehmen „Ravensburger“ ist der unbestrittene Puzzlekönig und war lange Jahre auch im Spiel-Segment führend. „Hase und Igel“ (1979), „Rummikub“ (1980), „Sagaland“ (1982) und „Scotland Yard“ (1983) sind die ersten großen Gesellschaftsspiele aus Deutschland. 1995 sorgte der „Kosmos“-Verlag mit „Die Siedler von Catan“ für eine Revolution der analogen Unterhaltung. Seit 2025 überrascht die „arsEdition“ mit familientauglichen Spielen von renommierten Autoren wie Reiner Knizia, Thomas Sing, Steffen Bogen und Friedemann Friese. Der ehemals katholische „Ars Sacra“-Verlag (gegründet 1896), der durch Kinderbücher von Ida Bohatte und die Hummelfiguren bekannt wurde, erfindet sich damit neu.

Königskinder von Bösewichten befreien

Unbedingt anschauen sollte man sich „Dämmerwache – Der dunkle Baum“, bei dem eine Gruppe von Helden drei Königskinder aus den Fängen eines Bösewichts befreien muss. Ein Spieler ist dabei nicht auf eine Figur festgelegt; nacheinander müssen reihum die Charaktere bewegt werden. Wer dran ist, muss überlegen, welche Fähigkeiten jetzt gefragt sind, ob diese aufgewertet werden sollten (indem man Ungeheuer besiegt), ob man Siegpunkte in Form von Goldmünzen sammelt oder ob man sich so rasch wie möglich zu den Gefangenen aufmacht. Durch die Aktionen verändert sich der Spielplan ständig. Klug gilt es, das eigene Vorgehen abzuwägen und mögliche Züge der anderen mit einzuberechnen. Doch bei aller Taktik trägt auch eine gehörige Portion Glück zum Reiz des stimmungsvollen Familienspiels bei. Originell ist die Idee, dass die Königskinder auch alleine zu ihren Eltern finden, wenn die Helden bei ihrer Befreiungsaktion zu langsam sind.

Der Autor arbeitet in der Bildung und war jahrelang Schulleiter.

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Michael K. Hageböck Barbarossa

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