Am 23. April 2026 geht es in den Kommentarspalten auf dem Facebook-Auftritt von katholisch.de hoch her. Das Portal vom katholischen Medienhaus in Bonn ist zu einem veritablen Troll-Magneten geworden. An diesem Donnerstagabend zieht der Redaktionsleiter Björn Odendahl höchstpersönlich nach 22 Uhr in den Krieg gegen die Trolle, die er rief. Zu nachtschlafender Zeit herrscht Odendahl einen Nutzer an: „Disziplin und Doktrin ist Ihre erste Assoziation, wenn Sie an Christentum denken? Haben Sie die Bibel gelesen?“ Die Standpauke ist – unabhängig vom Kommentar – bizarr. Muss man jeden aberwitzigen Kommentar seitens der Redaktion auch noch unterbieten, oder wirkt hier die monolithische Kommunikationspolitik der Kirche, samt ihrer Selbstgefälligkeit, nach?
In der vergangenen Woche wagte das Medium nun einen Relaunch. Der Limburger Bischof Georg Bätzing, neuerdings Vorsitzender der Medienkommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), teilte mit: „Mit dem Relaunch entwickelt sich katholisch.de konsequent weiter.“ Sicher, das Logo ist neu. Auch wenn es ausschaut, als sei es vom Caritasverband gekapert worden. Die Technik ist neu, die Webseite anders geordnet, aber sonst bleibt es beim alten Sound. Immer konsequent weiter so! Das dachten wohl auch die Trolle, denn die sind so verbittert wie zuvor.
Wofür braucht es einen Monolithen wie katholisch.de? Ist das zeitgemäß?
Im deutschsprachigen Raum existiert eine enorme Vielfalt an christlichen und katholischen Medien. Zeitschriften, Zeitungen, TV- und Radiosender sowie digitale Medien bilden von progressiven bis konservativen, von lebensnahen bis avantgardistischen, von weltkirchlichen bis regionalen, von bildungszentrierten bis ordensgebundenen Medieninteresse ein enormes Spektrum ab. Da stehen etwa das reformorientierte „Publik-Forum“, die konservative „Tagespost“, die liberale „Furche“ aus Österreich, die analytische „Herder Korrespondenz“, die jesuitisch geprägten „Stimmen der Zeit“ und der kunstsinnige „Eulenfisch“ und die Medienkanäle der Bildungshäuser nebeneinander.
Gut so! Es gibt im deutschsprachigen Raum Hunderte von katholischen Medien. Jedes mit eigener Sprache, eigener Perspektive und einem eigenen Publikum. Wofür braucht es da einen solchen Monolithen wie katholisch.de? Ist das zeitgemäß? Anstatt die Vielfalt im katholischen Spektrum zu stärken, die kleinteilig, agil und engagiert heterogene Lesergruppen bindet und unterschiedlich ins Gespräch bringt, entscheidet sich die Deutsche Bischofskonferenz mit katholisch.de wieder einmal für die zentralistische Antwort.
Anstatt die autonomen Kräfte zu fördern, die eine vielgestaltige, höchst dynamische Medienökologie geschaffen haben, setzt man mit katholisch.de „weiter“ auf eine behäbige Monokultur, die bequeme Haltungen – mal höflich, mal patzig – affirmiert. So bleibt das Portal trotz Neustart ein weiteres Beispiel von kirchlichem Zentralismus. Angst vor Bubbles? Katholiken sind doch ohnehin über alle Medien hinweg im Realsymbol ihres Glaubens, der Eucharistie, verbunden. Vielleicht sollte man das ernst nehmen und die katholische Polyphonie lieben lernen.
Der Autor ist Schriftsteller und Publizist
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