„Keiner von uns darf behaupten, dass er einen anderen wirklich kenne, auch wenn er seit Jahren täglich mit ihm zusammenlebt. Von dem, was unser inneres Erleben ausmacht, können wir auch unseren Vertrautesten nur Bruchstücke mitteilen. Das Ganze mögen wir weder von uns zu geben, noch wären sie imstande, es zu fassen. Wir wandeln miteinander in einem Halbdunkel, in dem keiner die Züge des andern genau erkennen kann. Nur von Zeit zu Zeit, durch ein Erlebnis, das wir mit dem Weggenossen haben, oder durch ein Wort, das zwischen uns fällt, steht er für einen Augenblick neben uns, wie von einem Blitze beleuchtet. Da sehen wir ihn, wie er ist.“ (Albert Schweitzer, „Aus meiner Kindheit“)
„56 Grad! Ganz Deutschland ein Brutofen! Menschen sterben, Wälder brennen, Vieh verendet.“ (Bild am Sonntag, 7. Juli 1957)
Etwa 40 Millionen Deutsche sind nach Aktenlage Christen. Für die meisten von ihnen ist die Religion wie ein Erbstück, das zu nichts nütze ist, aber gerade noch zu schade, um es wegzuwerfen. Sie pflegen es wie das Porzellan mit dem Goldrand von Oma Berta. Sie sind stolz darauf, dass sie es „in Ehren halten“, sie haben es tief im Schrank verstaut und holen es ein- oder zweimal im Jahr mit leichtem Pathos hervor, „das gute Geschirr“. Dann wird es feierlich. Nach dem Dessert ist die Hommage vorbei. Es geht zurück in den Schrank. Ist ein größeres Missverständnis denkbar, als das Christsein für etwas Festtägliches zu halten?
„Grenzen öffnen! Bleibe- und Wahlrecht für alle.“ (Wahlplakat der Partei „Die Linke“ in Berlin)
Heute Stil, morgen Marotte
Antisemitismus – noch als Vorwurf wohnt dem Begriff scheinbar etwas Gehobenes, Gescheites inne. Es klingt fast, als handele es sich um eine akademische Denkschule oder politische Richtung, zu der man so oder so stehen könne. Warum nicht auf Deutsch, unverschleiert und nackt: Judenhass. Das ist es, was gemeint ist. Eine Beschönigung hat dieser Hass nicht verdient und auch keine Fassade.
„Heimat ist da, wo ich verstehe und verstanden werde.“ (Karl Jaspers)
„Die Prädestination und der freie Wille, diese anscheinend nicht vereinbaren Gegensätze – jetzt machen sie mir eigentlich nicht mehr viele Schmerzen, obwohl ich sie so wenig erklären kann wie vorher. Dass Gott allwissend ist, daran glaube ich, und die notwendige Folgerung ist, dass er auch von jedem Einzelnen weiß, was nach seiner Zeit mit ihm ist, und von uns allen weiß, was nach der Zeit ist.“ (Sophie Scholl, Tagebuch, 12. Januar 1943)
Auch der Snob muss mit der Zeit gehen. Der Spleen von ehedem wäre peinlich; was einmal Stil hatte, ist jetzt Marotte. Snobismus heute, für Anfänger: Keine Kraftausdrücke, nicht das Sch-Wort und nicht das F-Wort. Für Fortgeschrittene: Keine Blue Jeans. Weit Fortgeschrittene: Die Pizza, wenn überhaupt, mit Messer und Gabel essen. Der Snob von Weltklasse: Sich im Austausch mit der KI das „Du“ verbitten.
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