Das Blutzeugnis der Märtyrer des Kommunismus bewegt gläubige Christen heute wie damals: Gut 85 Jahre nach ihrer Hinrichtung durch das kommunistische Regime in der Tschechoslowakei wurden am 6. Juni dieses Jahres die beiden Priester Jan Bula (1920–1952) und Václav Drbola (1912–1951) durch Kardinal Michael Czerny in Brünn seliggesprochen. Ihr Leben, ihr Leiden und ihr Märtyrertod sowie der als „Fall Babice“ bekannt gewordene große Schauprozess sind in dem Buch „Und trotzdem bleiben sie uns nah“ detailliert und anhand zahlreicher Zeugenaussagen nachzulesen.
Das Autorenduo Ludek Navara und Miroslav Kasácek hat bereits 2008 die tragischen Ereignisse und das Schicksal verfolgter Bürger des südmährischen Ortes in seinem Buch „Mlynári od Babic“ („Die Müller von Babice“) verarbeitet. In dem 250 Seiten umfassenden Band schildern die Autoren die Repressalien und das brutale Vorgehen der Kommunisten gegen den Klerus in der CSSR am Beispiel von Bula und Drbola. Der frühere Bischof von Brünn, Vojtech Cikrle, erwähnt in der Einleitung, dass der „Fall Babice“ einem doppelten Zweck diente: einerseits, Ängste zu erzeugen, und andererseits, die Kirche als moralische Autorität in Misskredit zu bringen. Das Hauptanliegen bestand jedoch darin, die totalitäre Macht zu erlangen und zu festigen.
Priester galten per se als verdächtig
Die Zwischenüberschriften, die häufig sehr kurz gehaltenen Passagen sowie die mitunter geheimnisvollen Andeutungen auf kommende Ereignisse – etwa „Bald folgten weitere schlechte Nachrichten“ oder „Zwischen den beiden entwickelte sich eine schicksalhafte Beziehung“ – erinnern an den Aufbau eines Kriminalromans und sollen den Leser zum Weiterlesen bewegen.
Diese Erzählweise wird dem Geschehen jedoch nicht immer gerecht: Schließlich geht es um zwei junge Geistliche, die Opfer einer systematischen Kampagne wurden, deren perfide Machenschaften sie selbst nicht durchschauen konnten. Jan Bula äußerte, bevor er während des Religionsunterrichts an seiner Schule in Rokytnice verhaftet wurde: „Ich hoffe, bald wiederzukommen, ich habe nichts Böses getan.“
Doch zu jener Zeit stand er allein schon unter Verdacht, weil er katholischer Priester war. Dem kommunistischen Regime unter Klement Gottwald war daran gelegen, die Kirche zu zerschlagen, den Kontakt zum Vatikan abzubrechen und eine regimekonforme Nationalkirche zu erzwingen. Während der Jahre 1949/1950 wurden die meisten Diözesanbischöfe interniert. Als erster von ihnen der charismatische Prager Erzbischof Josef Beran, der fast den gesamten Zweiten Weltkrieg als Gefangener in Konzentrationslagern verbracht hatte.
Geistliche fallen auf Spitzel herein
Um seine Person drehte es sich auch im Fall von Jan Bula und Václav Drbola, die auf die frei erfundenen Berichte eines Spitzels, der nacheinander bei ihnen im Pfarrhaus erschien, hereinfielen. Sein Name: Ladislav Mal. Er gab sich als Beauftragter des US-amerikanischen Nachrichtendienstes CIC aus, der die Flucht des internierten Kardinals Beran vorbereiten sollte. Da damals niemand um Kardinal Berans Aufenthaltsort wusste, waren Informationen, dass er auf der Flucht sei, nicht abwegig.
Als die beiden Priester Mals Lügen durchschauten, war es längst zu spät. Der äußerst skrupellose Mal war einst Schulkamerad von Jan Bula gewesen und hatte daher zunächst dessen Vertrauen genossen. Doch nicht nur die beiden Geistlichen fielen auf ihn herein. Mal war es gelungen, immer mehr Menschen zu kompromittieren und in sein seltsames Widerstandsnetzwerk hineinzuziehen – sich ihm zu entziehen war unmöglich. Im Pfarrhaus erschien er hochbewaffnet. Möglich, dass er ein psychisch kranker Abenteurer war.
Zum Tode verurteilt
Jan Bula wusste inzwischen, dass Mal eine Reihe gefährlicher Briefe und Nachrichten verschickt hatte, die in die Hände der Geheimpolizei oder ihrer Informanten gelangen konnten. Das Abfangen dieser gefährlichen Schreiben war einer der letzten wichtigen Dienste, die der Priester für seine Gemeindemitglieder in Rokytnice und Umgebung leistete. Anfang Juli 1951 überfiel Ladislav Mal mit drei weiteren Personen eine Sitzung des lokalen Nationalausschusses MNV in Babice in Südmähren, dabei wurden drei kommunistische Funktionäre erschossen.
Obwohl sich Jan Bula und Václav Drbola zum Zeitpunkt dieser Tat bereits im Gefängnis befanden, wurden auch sie wegen des Angriffs angeklagt – neben vielen anderen Verhafteten. Letztlich wurden über einhundert Menschen zum Tode verurteilt. Jan Bula, weil er „das Vertrauen missbrauchte, das er als Priester unter Gläubigen genoss, um kriminelle Aktivitäten durchzuführen, und die religiösen Überzeugungen der Gemeindemitglieder missbrauchte, um Banditen und Mörder zu unterstützen.“
So das Urteil. Der Priester schrieb kurz vor seiner Hinrichtung: „Der Herr, Gott, hat mir ein kurzes Leben bemessen. Aber ich glaube, es war nicht umsonst (…) Ich gehe, mit Gott, dem Herrn, versöhnt.“
Ludek Navara und Miroslav Kasácek: Und trotzdem bleiben sie uns nah: Das Leben und der Märtyrertod der Priester Jan Bula und Václav Drbola aus Babice, GHV, Uhingen, 253 Seiten, EUR 16,80
Die Rezensentin ist freie Journalistin und Buchautorin.
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