Regisseurin Jacqueline Jansen verwirklichte ihr Spielfilmdebüt „Sechswochenamt“ mit eigenen Sponsoring-Mitteln und ohne jegliche staatliche Förderung. Und doch bleibt ihr kleiner und authentischer Film über den Umgang mit Verlust und Trauer, bei dem sie eigene Erfahrungen mit dem Tod ihrer Mutter verarbeitet, nachhaltig im Gedächtnis. Sie hat ihren autofiktionalen Film vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 angesiedelt. Die 25-jährige Studienabbrecherin Lore (Magdalena Laubisch) begleitet in einem Hospiz ihre unheilbar an Krebs erkrankte 54-jährige Mutter bis in den Tod und muss sich anschließend um die Beerdigung kümmern. Vom letzten Atemzug ihrer Mutter bis hin zur titelgebenden katholischen Totengedächtnismesse sechs Wochen später begleiten wir Lore fortan auf ihrem Weg der Trauer durch zerbrochene Familienstrukturen, typisch bürokratische Bestattungsregeln, die Engstirnigkeit der Angehörigen und pandemiebedingte Probleme.
Gefangen in der Trauer über den Verlust ihrer Mutter und den Anforderungen einer Gesellschaft ausgesetzt, denen sie skeptisch gegenübersteht, macht sie sich auf den Weg nach Erkelenz, das rheinische Dorf ihrer Kindheit, wo die Oma leider keine wirkliche Hilfe ist und Lores Schwester immer wieder Ausreden erfindet, um nicht vorbeizukommen und ihrer Schwester damit die gesamte Nachlassarbeit allein überlässt. Auch die aufdringliche Nachbarin der Mutter, der katholische Pfarrer, der es vor allem auf die Möbel der Mutter abgesehen hat, und der spröde Bestattungsunternehmer geizen allesamt nicht mit diversen Pietätlosigkeiten sowie mangelndem Mitgefühl und erweisen sich für Lore als wenig hilfreich.
Die Gefühlswelt trauernder Menschen
Dabei steckt sie selbst in finanziellen Schwierigkeiten und ist emotional labil, während sie zunehmend und wider Willen zur Einzelkämpferin für den letzten Wunsch ihrer Mutter wird. Diese wollte nämlich nicht traditionell auf dem heimischen Friedhof beerdigt werden, sondern eine Seebestattung erhalten, was bei den Angehörigen jedoch auf Unverständnis stößt. Durch die große Schauspielkunst der Hauptdarstellerin, die in nahezu jeder Szene zu sehen ist, dringt Jacqueline Jansen als Regisseurin mit bemerkenswerter Authentizität tief in die Gefühlswelt eines trauernden Menschen ein. Eine Welt, die durchaus auch tragikomische und zärtliche Momente offenbart. Leider wirkt die fast dokumentarische und sehr langsame und schlichte Inszenierung insgesamt jedoch eher wie ein typischer Film fürs ARTE-TV als ein Werk fürs große Kino. Als intensiver Debütfilm und ehrliche Trauerstudie ist der Film aber auf jeden Fall sehenswert.
„Sechswochenamt“, Deutschland 2025, 98 Minuten, Regie: Jacqueline Jansen, ab dem 18. Juni im Kino.
Der Autor ist Priester im Erzbistum Köln.
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