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Für jeden Tresor ein öffnendes  Ohr 

In  „The Piano Tuner“ spielt der 88-jährige Dustin Hoffman mit melancholischer Würde. 
Der alte Meister Harry Horowitz (Dustin Hoffman) und sein Protegé Niki White (Leo Woodall): Mit seinen 88 Jahren kann Hoffman auf eine 60-jährige Filmkarriere zurückblicken, denkt aber offenbar nicht ans Aufhören.
Foto: Black Bear | Der alte Meister Harry Horowitz (Dustin Hoffman) und sein Protegé Niki White (Leo Woodall): Mit seinen 88 Jahren kann Hoffman auf eine 60-jährige Filmkarriere zurückblicken, denkt aber offenbar nicht ans Aufhören.

In Mittelpunkt des Spielfilmdebüts von Daniel Roher, der für seinen Dokumentarfilm „Nawalny“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, steht Niki White (Leo Woodall), ein junger New Yorker Klavierstimmer mit außergewöhnlich empfindlichem Gehör. Früher galt er als vielversprechender Pianist, doch eine Hyperakusis machte den Beruf unmöglich: Alltagsgeräusche können für ihn schmerzhaft werden, Lärm überfordert ihn. Gerade das macht ihn aber zum idealen Klavierstimmer. 

Niki arbeitet an der Seite seines Mentors Harry Horowitz, der sich langsam aus dem Geschäft zurückziehen möchte – gespielt von Dustin Hoffman, der mit 88 Jahren auf eine mehr als 60-jährige Filmkarriere zurückblickt. Seit Mike Nichols’ „Die Reifeprüfung“ (1967) – zu dessen Nachruhm auch Simon & Garfunkels „Mrs. Robinson“ beitrug – gehört Hofmann zu den prägenden Gesichtern des US-Kinos. Nach „Asphalt Cowboy“, „Little Big Man“ und „Wer Gewalt sät“ spielte er in Alan J. Pakulas „Die Unbestechlichen“ den Journalisten Carl Bernstein, der gemeinsam mit Bob Woodward den Watergate-Skandal aufdeckt. Für „Kramer gegen Kramer“ erhielt Hoffman seinen ersten Oscar – als Vater, der nach dem Weggang seiner Frau plötzlich allein für seinen Sohn verantwortlich ist. Den zweiten Oscar bei insgesamt sieben Nominierungen gewann er für „Rain Man“, in dem ihm als autistischem Raymond Babbitt eine seiner bekanntesten Arbeiten gelang. Hoffman war zuletzt 2024 in Francis Ford Coppolas „Megalopolis“ zu sehen. 

 Der Safe-Öffner 

Anders als seine Filmfigur Harry Horowitz denkt der Schauspieler offenbar nicht ans Aufhören: Nach „The Piano Tuner“ sind laut IMDb „Diamond“, die erste Regiearbeit Andy Garcias seit mehr als zwanzig Jahren, sowie „The Revisionist“ bereits abgedreht. 

Harry und Niki ziehen zunächst von Wohnung zu Wohnung, oft in die Häuser sehr wohlhabender Kunden, die ihre Arbeit kaum würdigen. Als Harry in finanzielle Not gerät, entdeckt Niki eine zweite Begabung: Mit seinem absoluten Gehör kann er Safes öffnen. Bald wird er von Uri (Lior Raz), dem kriminellen Betreiber einer Sicherheitsfirma, in Einbrüche hineingezogen. Am Konservatorium begegnet Niki außerdem der Kompositionsstudentin Ruthie (Havana Rose Liu), die in ihm auch den verhinderten Musiker erkennt. 

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Aus diesen Zutaten formen Roher und Mit-Drehbuchautor Robert Ramsey einen Film, der zugleich Charakterdrama, romantische Komödie, Musikfilm und Krimi ist. Nicht alle Elemente sind perfekt ausbalanciert; manche Wendung wirkt vorhersehbar, anderes konstruiert. Doch „The Piano Tuner“ besitzt genug Charme, um darüber hinwegzutragen. Zu seinen Stärken gehört, dass er für das besondere Hören seiner Hauptfigur eine filmische Form findet: Wenn sich laute oder dissonante Geräusche auf der Tonspur vernehmbar werden, macht der Film die Bedrohung für Niki körperlich verständlich – das Sounddesign wird zum Protagonisten. „The Piano Tuner“ ist nicht nur ein Film über Musik, sondern über die Zumutung des Hörens.  

Kein klassischer Thriller 

Der besondere Reiz liegt weniger in der Kriminalhandlung als in den Beziehungen zwischen den Figuren. Besonders gelungen sind die Szenen, in denen Harry und Niki gemeinsam durch New York fahren oder in einem Diner sitzen. Hoffman muss nichts mehr beweisen: Mit wenigen Strichen zeichnet er Harry als alten Exzentriker, der Jazz liebt, aber auch als Mann, der spürt, dass seine Zeit begrenzt ist. Als Mentor holt er Niki behutsam aus der Isolation. Leo Woodall macht Nikis Unsicherheit, Begabung und moralisches Schwanken glaubwürdig. Havana Rose Lius Ruthie fügt sich ebenso stimmig ein, wie Lior Raz Uri nicht als bloßen Gangster, sondern als charmanten Manipulator spielt. 

„The Piano Tuner“ ist kein weltbewegender Film, stellt aber auf leichte Weise wichtige Fragen: Was macht ein Mensch aus seiner Begabung? Wann wird Talent zur Versuchung? Roher macht daraus keinen klassischen Thriller, sondern konzentriert sich auf die zwischenmenschlichen Beziehungen – mit einem Dustin Hoffman, der zwar nicht die tragende, wohl aber eine stimmende Rolle spielt. 

„The Piano Tuner“. USA 2025. Regie: Daniel Roher, 107 Min. Im Kino ab dem 2. Juli.


Der Autor schreibt als Historiker über Kunst und Kultur.

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José García

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