Öffentliche Hinrichtungen sind immer eine Machtdemonstration. In manchen Ländern auch bis heute ein gesellschaftliches Event. Nur leider erreicht die Realität solch grausiger Schauspiele nie die absurde Komik einer Steinigung oder einer Kreuzigung in einem britischen Monty-Python-Film, weil die Finalität von Erschießungen, Guillotine oder dem Hängen auf den Marktplätzen weit weniger witzig ist. Die Logik dahinter soll ja auch nicht unterhalten, sondern abschrecken: Seht her, was wir mit euch tun können, wenn ihr euch unserer Ordnung nicht beugt.
Nicht umsonst hat sich jedenfalls der zivilisierte Teil der Welt vom Zurschaustellen tödlicher Macht verabschiedet, wenngleich die Todesstrafe bei Weitem nicht abgeschafft wurde. Man hat ihren Vollzug nur hinter verschlossene Türen abgesondert. Man ist nicht stolz darauf, will es aber immer noch durchziehen. Seither dürfen etwa in den USA nur noch vorsortierte Zeugen anwesend sein.
Gerade erst hatten die USA in zwei gescheiterten Anläufen versucht, die Todesstrafe an der Mörderin Christa Pike mit einer Giftspritze zu vollziehen. Jetzt liegt sie absurderweise in einem Krankenhaus, um so weit gesund gepflegt zu werden, damit sie gesund genug ist, wenn man wieder versucht, sie zu töten. Es ist bereits zweifelhaft genug, ob man die Todesstrafe anwenden darf, um ganz alttestamentarisch ein Leben für ein anderes zu nehmen, aber ganz sicher eine Rückkehr zur Barbarei, wenn man aus einer Hinrichtung auch noch ein Medienspektakel kreiert.
Bitte keine falschen Märtyrer!
Gerade verkündete der amerikanische Kriegsminister Pete Hegseth, dass der ehemalige Militärpsychiater Nidal Hasan Anfang Dezember von einem Erschießungskommando getötet und das Ganze via Livestream in die Welt gesendet werden soll. Hasan hatte im Jahr 2009 dreizehn Menschen auf der Militärbasis Fort Hood in Texas abgeschlachtet, sein Motiv war explizit der Schutz seiner muslimischen Glaubensbrüder und der Taliban in Afghanistan, wo damals amerikanische Soldaten stationiert waren. Nun sind muslimische Terroristen bekanntlich ebenfalls wenig zimperlich beim öffentlichen Köpfen. Wer erinnert sich nicht an das grausame Video von der Ermordung der 21 koptischen Christen an einem libyschen Strand durch den IS? Sowohl die koptische als auch die katholische Kirche haben sie inzwischen zu Märtyrern erklärt.
Die zu Unrecht Getöteten als Märtyrer zu betrachten ist eine christliche Logik. Bei Nidal Hasan droht aber aus einem verurteilten Verbrecher einen islamischen Märtyrer zu kreieren, und zwar ausgerechnet durch jene, die offenbar glauben, durch eine öffentliche Hinrichtung ganz besonders ihre Stärke demonstrieren zu können. Tatsächlich werden sie einen Massenmörder zu einem Märtyrer machen, der dann als TikTok-Reel zum Internethelden avanciert, wenn die islamistische Welt das Video viral gehen lässt oder gar Rache schwört. Irgendwo auf der Welt werden andere Christen dafür mit dem Leben bezahlen. Es mögen an diesem Tag im Dezember in den USA mehrere Gewehre auf einen Menschen zielen, ein Schuss geht aber ganz sicher nach hinten los. Vielleicht sogar mehrere.
Die Autorin ist Journalistin und Schriftstellerin.
Jetzt die „Tagespost" abonnieren und nichts mehr verpassen.










