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Freiwillige Selbstkontrolle contra Bürgerwehr 

Politisch inkorrekte Filme haben es schwer. Es sei denn, Elon Musk zündet auf „X“ eine Rakete.
Birgit Kelle
Foto: Hamburg | Birgit Kelle ist Autorin diverser Bestseller.

Nicht erst seit der Verfilmung von Robin Hood liebäugelt das Kinopublikum gerne mit jenen, die Gesetze brechen, um den „Richtigen“ zu helfen. Die Geschichte vom einsamen Helden, der sich neunzig Minuten lang in einem blutigen Rachefeldzug der Selbstjustiz hingibt, dabei Frauenherzen erobert und Gerechtigkeit schafft, wo Justiz und Behörden ihn selbst oder andere im Stich ließen, wird in zahlreichen Varianten immer wieder neu verfilmt. 

Solange wir mit dem Titelhelden und seiner Sache sympathisieren, entwickelt sich auch kein Störgefühl, weder beim Publikum noch bei der Filmaufsicht. Der gute Rächer hilft den richtigen Opfern und tötet die richtigen Täter, Applaus, Vorhang, Oscar-Nominierung garantiert. 

Rassistischer Soldat jagt guten Terroristen 

John Wick alias Keanu Reeves ermordet auf seinem Rachefeldzug in vier Fortsetzungen mindestens 439 Menschen. Uma Thurman hat in Kill Bill 1 und 2 zusammen 81 Menschen auf dem Gewissen und im Quentin-Tarantino-Klassiker „Inglourious Basterds“ müssen zahlreiche Nazis in Großaufnahme dran glauben, schließlich hatten sie es verdient. Gerade räumte der Film „One Battle After Another“ einen Preis nach dem anderen ab. Nominiert für 13 Oscars, mit 6 ausgezeichnet, erzählt er die Geschichte eines linksradikalen Terroristen, der mit seiner Tochter von einem rassistischen Soldaten gejagt wird. Die internationale Kritik lobte überschwänglich die gegenwärtige Arbeit von Regisseur Paul Thomas Anderson. 

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Szenenwechsel nach Deutschland. Hier hat die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, kurz FSK, gerade dem Film „Citizen Vigilante“, zu Deutsch „Bürgerwehr“, des Regisseurs Uwe Boll mit dem Vermerk „keine Einstufung“ abgestraft, wohl in der Hoffnung, dass der Film damit keine Verleiher und Kinos findet und einem breiten Publikum nicht bekannt wird. In der Begründung heißt es, der Film habe einen starken Realitätsbezug und rufe zur Selbstjustiz auf, man befürchtet Nachahmer gerade unter Jugendlichen. 

Falsche Täter, falsche Opfer 

Regisseur Boll bricht da eher mit dem Elefanten ins Regenbogenland ein und hat mit seiner Hauptfigur Sanders den falschen Rächer erschaffen, der die falschen Opfer rächt und die falschen Täter tötet, etwa jene Migranten, die vor Gericht trotz Gruppenvergewaltigung davongekommen sind, und den Richter, der das milde Urteil sprach, gleich hinterher, wo doch jeder weiß, dass im deutschen Tatort Migranten immer nur die Opfer rechter Nazigruppen sind, aber niemals umgekehrt. Merke: Selbstjustiz ist politisch ok, solange sie von linken Hammerbanden und Klimaaktivisten mit bunten Haaren ausgeht und der Bösewicht ein millionenschwerer Miet-Hai aus München-Bogenhausen ist. Nicht aber, wenn ein Einheimischer nach dem Mord an seiner Mutter endgültig die Schnauze voll hat. 

Der Versuch der FSK, den Film unter der Ladentheke verschwinden zu lassen, ging dann mächtig nach hinten los, weil sich mit Elon Musk jemand fand, der den Film zwei Tage lang kostenlos bei X einstellte, um ihm Aufmerksamkeit zu verschaffen. Seither erobert er auch Streamingdienste wie Apple TV und Amazon bis auf Platz 1. Wir lernen: deutsche Zensurbehörden haben das Internet und seine Dynamiken noch immer nicht verstanden. Was man zu unterdrücken versucht, bricht sich seinen Weg woanders durch. Und das ist gleichzeitig auch die gute Nachricht. 


Die Publizistin schreibt zu Politik und Gesellschaft.

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Birgit Kelle

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