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Sie formten die USA mit

Ein Blick auf Heilige und Selige deutscher Herkunft, die die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten mit aufgebaut und geprägt haben.
Ein Kirchenfenster in der Kirche Star of the Sea Painted Church in Kalapana auf Hawaii
Foto: Imago/Dreamstime | Ein Kirchenfenster in der Kirche Star of the Sea Painted Church in Kalapana auf Hawaii: Die Heilige Marianne Cope (r.) direkt neben dem Heiligen Damien de Veuster, der sie in ihrer Hilfe für Leprakranke stark ...

Auf den ersten Blick scheinen die USA vor allem protestantisch geprägt zu sein. In der Geschichte des Landes ist aber auch der Katholizismus ein wichtiger Faktor. Lange bevor die Puritaner und andere protestantische Konfessionen in Amerika landeten, wurde 1565 bereits in St. Augustine, Florida, der erste Gottesdienst gefeiert. Im 17. und 18. Jahrhundert reisten französische Jesuiten und spanische Franziskaner wie die Heiligen Isaac Jogues und Junipero Serra über den Kontinent und waren missionarisch tätig. Heute haben die USA nicht nur früh für ein so junges Land ihren ersten Papst, sondern auch zahlreiche Heilige hervorgebracht.

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Aus dieser Perspektive mag es nicht überraschen, dass die USA auch einige große Kirchengestalten aus dem deutschen Sprachraum in ihren Reihen zählen dürfen und so aufzeigen, wie stark die Deutschen dieses Land und seine Geschichte mitgeprägt haben. Deutschsprachige Immigranten haben in den USA allgemein eine bedeutende Rolle gespielt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen aus keiner Nation mehr Menschen in die USA als aus Deutschland – von 1820 bis 1957 waren es mehr als sechs Millionen. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde in großen Teilen des Landes Deutsch gesprochen.

Deutsch-amerikanische Heilige

So wuchsen noch amerikanische Priester wie der Selige Stanley Rother (1935–1981) aus Oklahoma oder der Ehrwürdige Aloysius Schwartz (1930–1992) aus Washington, DC, in deutschem Umfeld auf. Wiederum hatte das Deutsche eine eigentümliche Auswirkung auf das Leben des Seligen Solanus Casey (1870–1957), der, aus einer irischen Familie stammend, dem Priesterseminar in Milwaukee beitrat, aber wieder weggeschickt wurde, weil es ihm nicht gelang, Deutsch zu lernen. Nur so wurde er Kapuziner und fand den Ruf Gottes für sein Leben.

Doch auch unter den Auswanderern selbst können wir deutsch-amerikanische Heilige finden. So zum Beispiel den Heiligen Johann Nepomuk Neumann (1811–1860). Neumann wuchs in Prachatitz in Böhmen auf, wo er vordergründig Deutsch sprach. Im Alter von 25 zog es ihn in die USA, wo er in New York City zum Priester geweiht wurde. Nach einigen Jahren trat er dem Redemptoristenorden bei. Im Alter von 41 wurde er Bischof von Philadelphia und kreierte das erste diözesane Schulsystem in den Vereinigten Staaten. Nach seinem frühen Tod im Alter von 48 Jahren wurde er als erster Mann aus den USA heiliggesprochen.

Viele deutschsprachige Redemptoristen

John Neumann wurde auch der Mentor vieler deutschsprachiger Redemptoristen, die es in großen Zahlen über den Atlantik zog, um den deutschen Immigranten zu dienen. Neumann war zum Beispiel der Ordensobere des Seligen Franz Xaver Seelos (1819–1867) aus Füssen. So sehr es den Bayern schmerzte, seine Heimat in den Bergen für immer zu verlassen, wollte er seinem Namensvetter als Missionar in die Ferne gerecht werden. In Baltimore zum Priester geweiht, war er zuerst zusammen mit Neumann an der Ostküste tätig.

Als Abraham Lincoln während des Bürgerkriegs einen Wehrdienst einführte, traf sich Seelos mit dem Präsidenten und überzeugte ihn, eine Ausnahme für die Priesterseminaristen zu machen. Schlussendlich zog es ihn tiefer ins Land hinein und er diente den Deutschen in Pittsburgh und Detroit. Seine letzten Monate verbrachte er in New Orleans, wo das Gelbfieber ausgebrochen war. Er wollte sich um die Infizierten kümmern und erlag selbst der Krankheit.

Im Dienst für Alkoholiker, Leprakranke, Obdachlose und Waisen

Eine ähnliche Aufopferung für die Bedürftigen sehen wir im Leben der Heiligen Marianne Cope (1838–1918). Als Barbara Koob im hessischen Heppenheim geboren, wanderte sie mit ihrer Familie nach Amerika aus. Dort trat sie einem Franziskanerorden in Syracuse bei, wo sie Krankenhäuser für Alkoholiker und afroamerikanische Patienten gründete. Doch als sie von der Arbeit des Heiligen Damien de Veuster auf der verlassenen Insel Molokai’i hörte, zog sie mit einigen ihrer Schwestern Richtung Hawai’i. Der belgische Priester diente in der dortigen Leprakolonie und starb schließlich selbst an der schrecklichen Krankheit. Schwester Marianne schloss sich ihm an und war drei Jahrzehnte mit den Leprakranken auf Molokai’i, wo sie sich besonders um die kranken Frauen und Mädchen kümmerte.

Unzählige weitere Beispiele der Heiligkeit könnten genannt werden. So gründete die Selige Franziska Schervier (1819–1876) aus Aachen eine Franziskaner-Kongregation, die sich in den USA den Ärmsten der Gesellschaft annahm. Während des Bürgerkriegs reiste sie über den Atlantik, pflegte die verletzten Soldaten und kümmerte sich um die Obdachlosen und Waisen. Die Dienerin Gottes Anna Marie Lindenberg (1887–1939) aus Münster war die Gründerin und Priorin des ersten beschuhten Karmel in den USA. Der Diener Gottes Leo Heinrichs (1867–1908), ein Franziskaner aus Erkelenz im heutigen Nordrhein-Westfalen, war in New Jersey und New York missionarisch tätig. Später, als Priester in Denver, wurde er während eines Gottesdienstes von einem Anarchisten erschossen, als er die Kommunion austeilte.

Pioniere beim Aufbau neuer Diözesen

Es sind nicht nur Einzelne, die ihre Spuren hinterließen. Ganze Diözesen und Ordensgemeinschaften wurden von deutschsprachigen Einwanderern aufgebaut. Beispielsweise wurde die Erzdiözese Milwaukee mit ihrem großen Seminar von drei Priestern aus Graubünden, Eichstätt und Linz aufgebaut. Die ersten Kapuziner, die in den USA landeten, brachen von Altötting auf. Ihr Mitbruder, der Heilige Konrad von Parzham, betete sicher für diese Missionen, die zu einer starken Ordenspräsenz in Großstädten führten.

Mönche des Stift Metten in Bayern, angeführt von Bonifaz Wimmer (1809–1887), gründeten die ersten Benediktinerklöster in den USA. Die St. Vinzenz-Erzabtei in Pennsylvania, die erste Mettener Gründung, hat bis heute 150 Mönche, weiterhin garantiert Bier vom Zapf für die Mönche (wie von Wimmer erwünscht) und die bayerische Flagge ist auf dem Logo sichtbar und weht in allen Ecken des Klosters. Auch Benediktinermönche aus Orten wie Einsiedeln und Engelberg in der Schweiz siedelten sich in den USA an.

Hilfen für die Deutschen in der Heimat

Der Diener Gottes Lukas Etlin (1864–1927) war unter ihnen. Er war Schüler im Kloster Engelberg. Ursprünglich aus Sarnen, direkt um die Ecke des Heiligen Bruder Klaus, trat er der Conception-Abtei in Missouri bei. Über Jahrzehnte war er Seelsorger für die benachbarten Anbetungsschwestern. Zusammen mit den Schwestern, die auch größtenteils aus der Schweiz kamen, betete er Jesus in der Eucharistie rund um die Uhr an. Als er das bilinguale Magazin Tabernakel und Fegefeuer gründete, wurde es ein überraschender Erfolg.

Mit dem Geld der vielen deutschsprachigen Abonnenten konnte er nicht nur das Kloster der Schwestern ausbauen. Während des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs in Europa schickte Etlin über Jahre Unmengen an Geld über den Ozean, um den deutschen Priesterseminaristen, Schwestern und Mönchen, die oft hungerten und völlig verarmt waren, finanziell auszuhelfen. Diese Wohltaten retteten wohl eine ganze Generation von deutschen Berufungen. Doch es war nicht nur seine Wohltat – es war die Wohltat der deutschsprachigen Amerikaner an die Deutschen in der Heimat.

Gerade dies zeigt eindrücklich, wie Deutschsprachige mithalfen, die Vereinigten Staaten und die US-Kirche aufzubauen. Es zeigt ebenso, wie die Auswanderer nicht vergaßen, wo sie herkamen, sondern immer weiter versuchten, ihre neue Heimat mit der alten zu verbinden. So bedeutet es auch: Der 250. Geburtstag der USA, das „Land der Freiheit“, aber auch das Land vieler Heiligen, geht auch uns an. Es darf auch für uns Grund sein, eine Geschichte zu feiern, die in oft überraschend intimer Weise mit der unseren verbunden ist.


Der Autor ist katholischer Theologe und lebt in den USA.

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