Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Pizza und Pasta

Alles hat ein Ende

In würdigem Rahmen und bei magerer Kost ein letztes Gespräch, bevor sich die Wege trennen.
Domus Sanctae Marthae
Foto: Imago | Das „Domus Sanctae Marthae“ liegt hinter der Audienzhalle an der Piazza Santa Marta und ist das Gästehaus des Vatikans. 

Die Hitze in Rom ist allmählich unerträglich und Monsignore hat uns in die Kantine von Santa Marta eingeladen, dorthin, wo sich auch Papst Franziskus über zehn Jahre lang am Buffet bediente. Man kann über die Gastronomie des vatikanischen Gästehauses sagen, was man will – aber hier ist alles angenehm gekühlt. Diesmal sind wir zu viert. Auch Herr Professor und der römische Kollege sind gekommen. Denn es heißt, Abschied zu nehmen. Schon per Mail hatte uns Monsignore verkündet, dass sein großer Wunsch in Erfüllung gegangen sei und ihn das Staatssekretariat als Geistlichen Botschaftsrat an eine große Nuntiatur Lateinamerikas schicke. Auch Herr Professor packt seine Bücher. Er hat die ehrenvolle Einladung erhalten, im kommenden Akademischen Jahr als „visiting professor“ an einer katholischen Universität in den Vereinigten Staaten die „Ratzinger lectures“ zu halten.

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Überraschend hat sich auch der römische Kollege entschlossen, sein geliebt-gehasstes Rom zu verlassen und die Kommunikationsabteilung einer großen Onlus in Mailand zu übernehmen, also eines gemeinnützigen Vereins, der in den Genuss des „8 per mille“ kommen kann, jenes kleinen Anteils der Einkommensteuer für Religionen, Kultur und Soziales, der in Italien zur Kirchenfinanzierung dient und die Bischöfe davon entbindet, jemanden exkommunizieren zu müssen, der seinen „8 per mille“ anderen Zwecken widmet als der katholischen Kirche. Da wir Gäste des Monsignore sind, werden wir am Tisch bedient. Der Herr in der weißen Kellnerjacke stellt jedem einen Teller Pasta mit ein wenig roter Soße hin. Den Parmigiano nehmen wir löffelweise, um dem Ganzen einen Geschmack zu geben.

Neue Präfekten für wichtige Dikasterien

Ob er Rom im Zeichen eines jetzt ganz anders gearteten Pontifikats nicht vermissen werde, wollen wir von dem römischen Kollegen wissen. Doch der lächelt nur. Ein wenig Abstand tue ganz gut, meint er, und das Einzige, was ihn noch wirklich interessiere, seien die neuen Kardinäle, die Papst Leo berufen werde – vielleicht schon in diesem Jahr, zu Christkönig oder am 8. Dezember. Erst wenn man wisse, wen der Papst in den Kardinalsstand erhebe, lasse sich der Kurs beschreiben, den das Pontifikat nehmen wird. Alles andere seien Worte und Gesten, von denen viele eher dazu dienten, die unterschiedlichsten Lager zufriedenzustellen. Doch bei den Kardinalshüten höre der Spaß dann auf, da zeige sich, welche Kirche Papst Leo wolle. Der Herr in Weiß stellt jedem ein paniertes Schnitzel mit ein paar Stangen Bohnen hin. Der zweite Gang ist so unspektakulär wie der erste.

Herr Professor fügt an, dass er sich in diesem Zusammenhang Aufschlüsse von der Verjüngung des Spitzenpersonals der Kurie erwarte. Wichtige Dikasterien bräuchten neue Präfekten: beim Klerus, der Liturgie, den Dikasterien für Familie, Laien und das Leben, für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen und denen für die Heiligsprechungen sowie für die Ökumene. Monsignore kommentiert etwas spöttisch, dass eben auch die Kurie ein Feldlazarett sei. Ein deutliches Zeichen dafür sei doch, meint er weiter, dass beim kommenden Konsistorium Ende Juni die Kurienkardinäle den über 80 Jahre alten Purpurträgern zugeschlagen worden seien und mit diesen insgesamt elf Gruppen bilden würden, die an den runden Tischen in der Audienzhalle Platz zu nehmen hätten. Während die unter Achtzigjährigen mit Papstwahl-Lizenz samt den Nuntien nur neun runde Tische belegen würden. Vor dem Café bekommt jeder noch ein Eis, einen „Tartufo Nero“ – direkt aus der Fabrik. Zum Abschluss geben wir der Küche der Päpste gnädige vier Punkte, die aber nur dem Umstand geschuldet sind, dass die Klimaanlage wirklich gute Arbeit geleistet hat.

Das „Domus Sanctae Marthae“ liegt hinter der Audienzhalle an der Piazza Santa Marta und ist das Gästehaus des Vatikans. 

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