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Der Heilige, dem ein Bär gehorchte

Nach ihm ist St. Gallen benannt: Der heilige Gallus errichtete dort eine Einsiedelei. Auch in Füssen, Kempten und am Bodensee ist er noch heute ein Begriff.
Heiliger Gallus
Foto: IN | Gallus, geboren um 550 in Irland, war ein Wandermönch und Missionar, gilt als Gründer des Klosters St. Gallen und ist, zusammen mit Otmar, Schutzpatron von Stadt und Bistum St. Gallen.

In einem weiten Tal zwischen dem Rosenberg und dem Freudenberg liegt der Ort St. Gallen, die Hauptstadt des gleichnamigen Schweizer Kantons. Der Name des Ortes geht auf den heiligen Gallus zurück, der hier im Jahr 612 eine Einsiedelei errichtete. Aus ihr ging ein Benediktinerkloster hervor, das im Frühmittelalter zu einem der bedeutendsten Zentren abendländischer Kultur wurde. Berühmte Werke der Miniaturmalerei wie der St. Galler Psalter entstanden in dieser „Schreibstube Europas“. Im „Gallus-Jahr“ 2012 – zum 1400. Gründungstag des Klosters – wies der damalige Bischof von St. Gallen, Markus Büchel, auf die „ungeheure Ausstrahlung“ des Heiligen hin, der „mit seinem Rückzug die Wildnis verwandelt“ habe.

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Tatsächlich waren große Teile Europas noch kaum urbar gemachtes Waldgebiet, als Gallus gegen Ende des 6. Jahrhunderts in das Kloster Bangor im nordirischen County Down eintrat, das als Ausbildungsstätte für Missionare diente. Hier wurde er Mönch und auch zum Priester geweiht. 591 schloss Gallus sich dem heiligen Kolumban an, der mit seinem Gefolge zu einer Missionsreise auf den europäischen Kontinent übersetzte. Über die Bretagne kamen die Mönche nach Burgund, von wo sie im Jahr 610 wieder vertrieben wurden. Sie kehrten jedoch nicht nach Irland zurück, sondern bekamen von König Guntram von Burgund das wilde und spärlich besiedelte Waldgebiet der Vogesen für die Missionierung zugewiesen. Sie ließen sich in Luxeuil nieder, wo aus ihrer Gründung später ebenfalls ein blühendes Benediktinerkloster hervorging.

Von Luxeuil gingen sie nach Bregenz am Bodensee. Hier teilte sich die Gruppe im Jahr 612. Der Legende nach hatte Gallus Kolumban gebeten, nicht mit ihm nach Italien ziehen zu müssen, da er krank war und sich zu schwach fühlte. Kolumban, der es für eine bequeme Ausrede hielt, belegte Gallus daraufhin mit einem Bann, der ihm bis zum Lebensende untersagte, die Messe zu feiern.

Der Bär gehorchte ihm

Während Kolumban nach Italien aufbrach, zog Gallus mit einigen anderen Mönchen den Fluss Steinach hinauf. Im Quellgebiet, wo heute St. Gallen liegt, ließen sie sich nieder, was ebenfalls durch die Legende ausgeschmückt wird. So soll Gallus beim Wasserfall an der Mühleggschlucht in die Dornen gefallen sein, was er als göttliches Zeichen deutete, an diesem Ort zu bleiben; er stellte dort ein großes Kreuz auf, an dem er Reliquien befestigte. Dann ging er in der Steinach fischen und briet die Fische anschließend in einem Feuer. Von den Speiseresten angezogen, näherte sich nachts, als Gallus im Gebet versunken war, ein Bär, der sich bedrohlich vor ihm aufrichtete. Unerschrocken befahl Gallus ihm, etwas für sein Essen zu tun und Feuerholz zu besorgen. Der Bär gehorchte, brachte das Holz, und Gallus gab ihm zu essen, woraufhin der Bär verschwand. Ein Mönch sagte staunend zu Gallus: „Jetzt weiß ich, dass der Herr mit dir ist, wenn selbst die Tiere des Waldes deinem Wort gehorchen.“ So wurde der Bär später zum Wappentier von St. Gallen.

Gallus soll zweimal das ihm angebotene Bischofsamt von Konstanz ausgeschlagen haben, nahm aber vom Frankenkönig Siegbert ein Grundstück in Arbon am Bodensee an, um hier ebenfalls ein Kloster zu gründen. In Arbon starb Gallus im hohen Alter von 95 Jahren. Die Einzelheiten des Lebens des heiligen Gallus sind nur legendenhaft überliefert, aber seine historische Existenz steht außer Frage. Die älteste bekannte Vita des Heiligen, von der nur ein Fragment erhalten ist, wird in das achte Jahrhundert datiert, eine zweite Vita stammt aus den Jahren zwischen 819 und 824. Seine Reliquien wurden bis zu ihrer Zerstörung zur Reformationszeit in der Stiftskirche des Benediktinerklosters St. Gallen aufbewahrt, das 1805 säkularisiert wurde; sie dient heute als katholische Kathedrale des Bistums. Der heilige Gallus wird außer in der Schweiz auch im süddeutschen Raum und im Elsass verehrt. In Füssen und Kempten werden wundertätige Stäbe aufbewahrt. Der Legende nach soll es sich um Überreste des Krummstabes handeln, den der heilige Kolumban vom Sterbebett an seinen ehemaligen Schüler Gallus sandte, als Zeichen der Versöhnung und der Erlösung vom Bann des Messverbots.

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Claudia Kock Bischöfe

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