Zu teure Kommunikation

Die Erkenntnis, dass sich der neue, einst so hoch gelobte Mobilfunkstandard UTMS (Universal Mobile Telecommunications System), nicht für jeden rechnet, setzt sich offenbar durch. Nach dem Ausstieg von Quam, einer Tochter der spanischen Telefónica und der finnischen Sonera, hat sich inzwischen auch der niederländische Telefonkonzern KPN aus dem Milliardenspiel verabschiedet. Etwa 3,9 Milliarden Euro hat das Unternehmen in Hoffnung auf die Genehmigung abgeschrieben, die UMTS-Technologie über seine Mobilfunktochter E-Plus in Deutschland anbieten zu dürfen. Mitte dieser Woche kündigte nun auch der neue Vorstandschef von Mobilcom, Thorsten Grenz, an, das UMTS-Engagement auf den Prüfstand zu stellen. Mit UMTS lassen sich Daten sechs mal schneller übertragen als über eine ISDN-Festnetzleitung und bis zu zweihundert mal schneller als über die derzeit verwandten GMS-Mobilfunknetze. Unter der Regie der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) waren im August 2000 in Deutschland die Lizenzen für die UMTS-Technologie versteigert worden. Die sechs Mobilfunkunternehmen T-Mobile, Vodafone, E-Plus, Viag Interkom, Mobilcom und Quam bezahlten damals insgesamt 100 Milliarden Mark für die Lizenzen an den Staat. Damit nicht genug: Kräftig in die Tasche müssen die Unternehmen auch noch einmal für die entsprechenden UMTS-Netze greifen. So kos-tet der Aufbau eines einzigen Netzes zwischen drei und fünf Milliarden Euro.

Weil aber die Masse der Kunden der neuen Technologie hierzulande äußerst zurückhaltend gegenübersteht, haben die Unternehmen nun damit begonnen, ihre Investitionen ganz oder teilweise abzuschreiben. „Mobile Multimedia“ werde wohl „nicht wie zunächst erwartet, zu einem boomenden Massenmarkt“, sagt Grenz. Analysten erwarten, dass der Konzern, in dessen Bilanz die UMTS-Lizenz derzeit noch mit 8,4 Milliarden Euro steht, jetzt „50 Prozent oder mehr“ abschreiben wird.

RegTP-Präsident Matthias Kurth glaubt dagegen fest an den Erfolg der UMTS-Technologie. „Ich bin überzeugt, dass in zehn Jahren aus den UMTS-Diensten etwas geworden ist.“ Die schlechte Stimmung in der Branche müsse einer realistischen Betrachtung weichen: „Es wird derzeit so getan, als ob UMTS überhaupt keine Chance hätte.“ Dabei werde übersehen, dass die Lizenzen für 20 Jahre vergeben worden seien. „Auch im Jahr 19 und im Jahr 20 kann man seine Investitionen noch verdienen“, erklärte Kurth in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ und erinnerte daran, dass vor zehn Jahren auch niemand vermutet hätte, dass eines Tages fast alle Deutschen mit dem Handy telefonieren.

Die von einigen Unternehmen derzeit vorgenommenen Wertberichtigungen kommentierte Kurth mit den Worten: „Das ist ein normaler wirtschaftlicher Vorgang.“ Die Korrekturen seien erfolgt, weil sich die „Annahmen für die künftigen Einnahmen“ geändert hätten. Die Abschreibungen seien sinnvoll. Auf diese Weise entstehe eine Situation, in der die Unternehmen bezüglich der Lizenzkosten bei null anfangen könnten. Allerdings müssten die Mobilfunkgesellschaften zusätzlich in den Aufbau der Infrastruktur investieren und bräuchten einen langen Atem, bis die ersten Einnahmen aus den UMTS-Diensten flössen.

Allein die Deutsche Telekom und Vodafone weisen in ihren Bilanzen immer noch die vollen Kosten für Lizenzen aus. Damit gaukeln die Marktführer, die zusammen rund 80 Prozent des Marktes mit rund 43 Millionen Kunden kontrollieren, freilich auch ihren Aktionären vor, dass die UMTS-Technologie immer noch so wertvoll sei, wie vor zwei Jahren. Das stimmt – auch wenn der Wertverlust der Lizenzen für die beiden Großen natürlich nicht so hoch ist, wie für die Kleinen – natürlich nicht. Und selbst Kurth bezeichnet die Kosten für die Lizenzen als „im Nachhinein exorbitant“. Dafür könnten allerdings weder die RegTP noch das Versteigerungsverfahren verantwortlich gemacht werden. So habe die Auktion nun einmal in einer Zeit stattgefunden, in der die High-Tech-Euphorie auf ihrem Höhepunkt gewesen sei. Dies habe zu einer „überzeichneten Erwartungshaltung“ geführt.

Anders als manche seiner Kollegen in anderen Ländern will Kurth die UMTS-Vergabebedingungen jedoch nicht nachbessern. Im Hinblick auf die Krise in der Mobilfunkbranche haben einige ausländischen Regulierungsbehörden ihre Lizenzbedingungen inzwischen geändert, um den finanziellen Druck für die Unternehmen zu mildern. So haben etwa die spanische und die schweizerische Behörde den Startzeitpunkt für UMTS hinausgeschoben. In Italien wurde die Dauer des Lizenznutzungsrechts verlängert. Kurth sieht sich zu solchen Reaktionen nicht veranlasst. Viele Änderungen im Ausland entsprächen einer Angleichung an die deutschen Regeln: „Wir haben von Anfang an praktikable und realistische Voraussetzungen geschaffen.“

Themen & Autoren

Kirche

Der vom Synodalem Weg geplante Synodale Rat stößt auf dezidierte Kritik. Laut Kardinal Kasper zerstört ein solches Gremium die Struktur, „die Christus für seine Kirche gewollt hat“.  
05.07.2022, 10 Uhr
Dorothea Schmidt
Dass der US-Supreme-Court „Roe vs. Wade“ gekippt hat, war zweifelsfrei ein Sieg für den Lebensschutz. Sich von den Mächtigen der Welt das Heil zu erwarten, ginge aber an der Wirklichkeit vorbei.
05.07.2022, 07 Uhr
Rudolf Gehrig
Warum der Zweite Weltkrieg für die orthodoxe Kirche Entspannung brachte, die Verfolgung der Katholiken in der Sowjetunion aber stärker wurde.
05.07.2022, 19 Uhr
Rudolf Grulich