Zu politisch: Ingolstädter Münster sagt Konzert von Kirchenmusiker ab

Eigentlich sollte die neue Komposition des Münchner Sakralmusikers Robert Maximilian Helmschrott im Ingolstädter Münster uraufgeführt werden. Da sich diese nach Aussage des Künstlers gegen die Politik der CSU richtet, haben sich die Veranstalter zur Absage entschlossen.
Liebfrauenmünster in Ingolstadt
Foto: fotolia.de | „Meine Musik richtet sich auch gegen die Skandalpolitik der CSU“, erklärte der Komponist Helmschrott gegenüber dem "Donaukurier".

Eigentlich hätten die Ingolstädter Orgeltage am kommenden Sonntag mit der Uraufführung eines Werkes des Münchner Komponisten Robert Maximilian Helmschrott beginnen sollen. Nun hat der Veranstalter das geplante Konzert im Ingolstädter Münster jedoch abgesagt. Wie der „Donaukurier“ berichtet, hat die Absage politische Gründe.

"Meine Musik richtet sich auch gegen die Skandalpolitik der CSU"

Das Werk des 79-jährigen Kirchenmusikers mit dem Titel „Salamu“ soll eine ausgeprägte politische Dimension haben. Dazu hatte sich Helmschrott, emeritierter Professor für Tonsatz an der Hochschule für Musik und Theater in München, zuvor in einem Interview mit dem „Donaukurier“ geäußert. „Meine Musik richtet sich auch gegen die Skandalpolitik der CSU“, erklärte der Komponist gegenüber der Zeitung. Sein ganzes Komponistenleben sei der Sakralmusik gewidmet und stets auch vom Kulturverständnis der CSU getragen gewesen. Mit dem aktuellen Kurs der Partei höre für ihn jedoch „jedes CSU-Verständnis auf: Es reicht!“.

Nachdem der Vorsitzende des Vereins „Freunde der Musik am Ingolstädter Münster“, der die Orgeltage veranstaltet, die Aussagen des Künstlers in der Zeitung gelesen hatte, beschloss er zusammen mit dem Pfarrer des Ingolstädter Münster, das Konzert abzusagen. Dem „Donaukurier“ sagte Pfarrer Bernhard Oswald: „Wir mussten etwas tun.“ Daher habe er dem Vorsitzenden Franz-Josef Paefgen, zugestimmt, „dass wir eine solche politische Diskussion in der Kirche nicht haben wollen“. Schließlich habe die Pfarrei gebeten, auf Aufführungen mit politischem Inhalt in der Kirche zu verzichten.

Aufführungsverbot bleibt wohl nicht ohne Diskussion

Kirchenkomponist Helmschrott soll verärgert auf die Absage der Uraufführung reagiert haben. In einem Brief an den Münsterpfarrer Oswald schrieb er, dass politische Kritik „in Ingolstadt im Moment offensichtlich nicht erwünscht“ sei. Wie die Zeitung weiter berichtet, soll er nicht persönlich über die Absage informiert worden sein, sondern diese nur der Homepage des Münsters entnommen haben.

Das Werk „Salamu“, dessen Titel Helmschrott zufolge der erste bekannte Friedensgruß der Menschheit sei und aus der addadischen Sprache stammt, soll anlässlich der diesjährigen Kriegsjubiläen (1618, 1918) in erster Linie ein Aufruf zum Frieden sein. Wie Helmschrott selbst erklärte, folgt auf „20 Minuten Wutmusik“ eine leise „Mutmusik“. In seinem Brief an den Pfarrer des Münsters wies Helmschrott zudem darauf hin, dass das Aufführungsverbot nicht ohne Diskussion bleiben könne, „denn es wurde damit eine ,künstlerische Kompetenz' zur freien Rede verboten“.

Ein weiterer Aspekt, der die Aufführung zusätzlich politisiert hätte, ist die geplante Rezitation eines äußerst CSU-kritischen Gedichts des Münchner Krimiautors Friedrich Ani. Darin heißt es: „Ich glaube nicht, dass Horst Seehofer Christ ist. Ich glaube, er ist ein Unchrist in einer unchristlichen Partei.“ Er hätte allerdings nicht auf die Lesung bestanden, so Helmschrott.

DT/mlu

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