Zwischen Trabi und Cadillac

Der geniale Techniker und Autobauer Henry Ford hatte sein eigenes Bild von Geschichte. History is bunk – Geschichte sei Blödsinn, meinte er, so als ob man aus der Geschichte, auch als Autobauer, nichts lernen könne. Nun droht sein Werk Teil der Geschichte zu werden und niemand wird sagen, das ist Blödsinn. Im Gegenteil, überall will man dem Rad der Geschichte des Automobils in die Speichen greifen, es hängen zu viele Arbeitsplätze daran. Das ist besonders deutlich zu beobachten in Detroit, der alten Autostadt. Auf der diesjährigen, der 102. „Nordamerikanischen Internationalen Autoshow“ waren Kleinwagen Trumpf.

Automobilindustrie ist weltweit in der Krise

Das war mal ganz anders. Die Detroiter Automesse stand für Luxuskarossen, für metallenen Glanz und Glamour, für Protz und Power. In diesem Jahr war es die große Show der kleinen Wagen. Hat da vielleicht schon jemand aus der Geschichte gelernt?

Kein Zweifel: Überall ist die Automobilindustrie in der Krise, die Höfe stehen voll, der Absatz bricht ein. Weniger gebeutelt als die anderen scheint nur die französische Autoindustrie zu sein; sie profitiert von einer Verschrottungsprämie, die bereits im Dezember eingeführt wurde und offenbar den Kauf neuer Wagen deutlich fördert. Auch in Deutschland soll eine Abwrackprämie nun den Absatz fördern. Aber das reicht natürlich nicht. Zum einen, weil die Bürger lieber noch ein Jahr durch die Krise fahren und auf dem eigenen Geld sitzen bleiben, falls es noch schlimmer kommen sollte. Zum anderen, weil sie auf die neuen Modelle der Zukunft warten. Die werden kleiner und sparsamer sein. Detroit hat das gezeigt. Da lohnt sich das Warten, bis diese Modelle auf den Markt kommen und dann kann man immer noch die Verschrottungsprämie kassieren. Sinnvolle Lehren aus der Geschichte ziehen die Bürger scheinbar eher als Politiker und Manager. Schon das vergangene Jahrhundert schwankte zwischen Markt- und Staatsgläubigkeit, die Autoindustrie war ein Spiegel für das Jahrhundert der Ideologien. In diesem Rückspiegel kann man heute symbolhaft bestaunen, wie Trabi und Cadillac oder Lada und Chevrolet für ganze Systeme und ihre Verfehlungen stehen, sei es im Kollektivismus, sei es in individueller Verschwendung. In der Krise aber scheint der Staat heute die Oberhand zu behalten. Wird auch das sich als Blödsinn erweisen?

Gibt es im Moment überhaupt eine Alternative, ein Zukunftsmodell oder fährt auch das Rettungsmodell der Großen Koalition verschwenderisch-kollektiv und nur auf Kosten künftiger Generationen? Keynes mit seiner Theorie von staatlichen Investitionen oder die Epigonen des Karl Marx – sie alle sitzen mit der Idee von der rettenden Allmacht des Staates nahezu unangefochten am Steuer der Konjunkturprogramme. Gas für den Staat, Bremse für die Freiheit. Und wo bleibt das Denken an die künftigen Generationen, die ja die Zeche zu zahlen haben?

Auch große Unternehmen können auf der Strecke bleiben

In der Tat: Die Große Koalition verscherbelt ohne Rücksicht auf Verluste die Zukunft. Die Geschichte zwingt zum Umdenken. In der Automobilbranche fängt es beispielhaft an, wenn auch nur langsam und endlich mit Hybridwagen und Elektromotoren. Es ist ein Denken für sinnvolles Produzieren und Handeln, für Sparsamkeit und umweltfreundliche Mobilität. Wer nicht auf diesem Highway mitfährt, kann schnell auch als großes Unternehmen auf der Strecke bleiben. Und das sollte auch so sein, wenn ein Unternehmen nicht die Zeichen der Zeit erkennt und entsprechend umdenkt. Man kann die Krise deshalb als Chance sehen, als Chance gegen den Blödsinn. Ja, genauer betrachtet, auch als einen Zipfel vom Mantel der Geschichte. Den sollte man ergreifen, statt die Taschen des Steuerzahlers mit Spenderpose zu leeren.

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