Portrait

Vor der Arbeit in die Kapelle zum Gebet

Die Tagespost schaut auf engagierte Christen in der Wirtschaft – Teil 3: Trigema-Chef Wolfgang Grupp.

Christliche Werte im Berufsalltag leben: Dazu möchte jedes Jahr der Kongress christlicher Führungskräfte ermutigen. Mitte Juni fand die Veranstaltung coronabedingt als Online-Kongress statt. Unter dem Titel „Unternehmen in Krisenzeiten navigieren“ berichtete dort auch der Inhaber und Geschäftsführer des Textilherstellers Trigema, Wolfgang Grupp, über seine Erfahrungen in der Corona-Krise. Für Aufsehen sorgte der 79-Jährige im vergangenen Jahr, als er seinen rund 1 200 Mitarbeitern versprach, keine Kurzarbeit einzuführen oder Mitarbeiter zu entlassen. Grupp gab damals zu, dass er die Corona-Krise für die „größte Herausforderung in seiner über 50-jährigen Unternehmertätigkeit“ hält. Was auf den ersten Blick wie ein vollmundiges Versprechen klingt, ist für den Unternehmer seit Jahrzehnten Teil seiner Firmenpolitik: Arbeitsplatzsicherung als oberstes Ziel, keine Verlagerung ins Ausland, Lokalisierung statt Globalisierung, nicht des Profits wegen mit dem Strom schwimmen – das sind die Grundsätze von Firmeninhaber Wolfgang Grupp. Er gehört heute zu den bekanntesten Unternehmer-Persönlichkeiten in Deutschland. Dass das Leben des Unternehmers durch sein Christsein geprägt ist, daraus macht Grupp kein Geheimnis. Als Kind wuchs er in einem katholischen Elternhaus auf. „Es war wirklich nichts Besonderes. Wie man Mittag gegessen hat, so ging man damals auch in die Kirche“, erinnert sich der Unternehmer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Rechenschaft ablegen

Früh wuchs in ihm die Erkenntnis heran, dass wir alle „später einmal Rechenschaft über unsere Talente ablegen müssen“. Im Januar 1953 wechselte Wolfgang Grupp von der Volksschule auf das Jesuiten-Kolleg St. Blasien im Schwarzwald. Für den Trigema-Chef war das die „schlimmste Zeit“ seines Lebens. Die Zeit habe ihn geprägt. Er erlebte Heimweh und es wurde Gehorsam, den er als Kind als Druck empfand. „Mein Leben wurde früh bestimmt von Disziplin.“, sagt der 79-jährige heute. Er habe verstanden, dass jeder Mensch seinen Erfolg und seinen Misserfolg selber in der Hand habe. Daher hat er sich bis heute sein Misstrauen gegenüber Menschen bewahrt, die persönliches Scheitern immer den äußeren Umständen in die Schuhe schieben möchten.

Von 1961 bis 1967 studierte dann Grupp Betriebswirtschaft an der Universität Köln. Von seinem Vater Franz Grupp übernahm er schließlich 1969 das Textilunternehmen Trigema, das damals hochverschuldet war. Bis 1975 machte Grupp es schuldenfrei und die Umsätze konnten vervielfacht werden. Das Textilunternehmen entwickelt sich zu einer Erfolgsgeschichte: Wer bei Trigema arbeitet, der erhält vom Firmeninhaber eine Arbeitsplatzgarantie, die bis heute gilt. Trotz allen Erfolges ist Grupp auf dem Boden geblieben. Der Erfolg ist ihm nicht zu Kopf gestiegen. „Erfolg zu haben ist keine Kunst, Erfolg durchstehen, das ist schwieriger“, ist sich der Unternehmer sicher. Viele Unternehmerpersönlichkeiten seien erfolgreich gewesen und hätten dann später trotzdem hohe Schulden und krisengeschüttelte Unternehmen hinterlassen.

Konstant seine Pflicht erfüllen

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Für Grupp entscheidet sich der endgültige Erfolg oder Misserfolg daher erst am Grab. „Konstant seine Pflicht erfüllen und Größenwahn einschränken“, das ist das Gruppsche Erfolgrezept, das ihn bisher gut durch das Leben beleitet hat. Dazu gehört auch das tägliche Gebet. Nach dem Frühsport zieht sich Grupp stets in seine Privatkapelle zurück, um zu beten. Gott in seinem Leben Raum zu geben, das hat er schon früh am Jesuitenkolleg gelernt. So wurde dort nicht nur täglich die Heilige. Messe gefeiert, die Kapelle des Internats war auch ein Anlaufpunkt für Stoßgebete vor einer Klassenarbeit oder nach einer schlecht gelaufenen Prüfung. Grupp war es daher klar, bei der späteren Planung seines Hauses eine Kapelle mit einzubeziehen. Grupp versteht nicht, dass sich viele Menschen immer nur in Notzeiten an Gott erinnerten und sich dann an ihn wendeten. „Gerade in guten Zeiten ist Beten und das Gespräch mit Gott wichtig. Es trägt dazu bei, auf dem Boden zu bleiben. Zwei bis drei Minuten Austausch mit Gott, bevor ich dann in den Tag starte, das bewahrt davor, überschwenglich zu werden.“ erklärt der Trigema-Chef. Demut und die Fähigkeit zur Dankbarkeit sind für den Unternehmer wichtige Tugenden. Gier und Größenwahn habe in den letzten Jahren der Wirtschaft großen Schaden zugefügt. Die Gesellschaft allgemein sein verantwortungsloser geworden.

„Hohe Abfindungen sind ein Unding“

Für Grupp ist es ein Unding, dass die Vorstände großer Konzerne auch noch millionenschwere Abfindungen erhielten, wenn sie wegen schwerer Fehler gefeuert würden. Unternehmer müssten bereit sein, die persönliche Haftung für Fehlentscheidungen zu übernehmen. Wolfgang Grupp führt sein Unternehmen daher bis heute als Einzelunternehmer, der persönlich haften muss. „Für mich stellte sich daher nie ernsthaft die Frage, Trigema in eine haftungsbeschränkende Personengesellschaft umzuwandeln.“ Er sei bereit, volle Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung ließe sich nicht wegschieben.

Neben der Verantwortung ist es auch Gerechtigkeit, die Wolfgang Grupp in der Un-ternehmensführung wichtig ist. Das Verhältnis vom Unternehmer zu den Mitarbei-tern beruhe auf Gegenseitigkeit. Der Mitarbeiter verspricht, seine Arbeitsleistung dem Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug übernimmt der Unternehmer die Pflicht, für seine Mitarbeiter zu sorgen. Wenn beide Seiten ihre Pflicht erfüllten, dann ginge es in den Augen des Trigema-Chefs gerecht im Unternehmen zu. Betriebsbedingte Kündigungen gibt es daher nicht, den Kindern seiner Angestellten bietet Grupp eine Ausbildungsplatz- und Arbeitsplatzgarantie und wer in finanzielle Not gerät, der kann sich an die gemeinnützige „Wolfgang und Elisabeth Grupp Stiftung“ wenden.

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