Ruf nach neuen Regeln

Kapitalmärkten beben – Marx: Kirche bietet Perspektiven

München (DT/KNA) Das von der bayerischen Landtagswahl ausgelöste politische Erdbeben ist nach Ansicht des Münchner Erzbischof Reinhard Marx harmloser als die noch bevorstehenden Entwicklungen auf den Kapitalmärkten. Die katholische Kirche könne zwar nicht im Detail sagen, was zu tun sei, dennoch habe sie Perspektiven für eine bessere Welt, sagte Marx vergangene Woche in Freising. Welt und Leben müssten so gestaltet werden, dass keiner auf der Strecke bleibe. Die Angst könne er einem Menschen aber nicht nehmen. Für einen Angestellten des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate gebe es keine Arbeitsplatzgarantie. Der Präsident des Verbands der Bayerischen Wirtschaft, Randolf Rodenstock, gab zu, dass die Menschen derzeit das Vertrauen in die Wirtschaft verloren hätten. Ethik und Wirtschaft schienen nicht mehr zusammenzupassen. Es sei deshalb wichtig, dass sich die Kirche zu Wort melde und das Feld nicht nur linken Gruppen überlasse. Christliche Ethik und Wirtschaft gehörten zusammen. Es sei falsch zu meinen, in der Wirtschaft gäbe es eine wertfreie Zone. Treue, Mut, Verlässlichkeit und Innovationsgeist zeichneten einen guten Unternehmer aus. Es gebe aber auch schwarze Schafe. Der Staat müsse deshalb vernünftige Regeln schaffen.

Der Münchner Astrophysiker Harald Lesch machte die Gier verantwortlich für das Finanzdesaster. Wenn alle so gehandelt hätten, wie es die Kirche vorsehe, wäre es nicht so weit gekommen. „Wenn aber alle nur auf ihren unmittelbaren Vorteil aus sind, ist das Spiel zu Ende.“ Auch der Erzbischof betonte, es müssten Regeln geschaffen werden, die alle einhalten könnten. Nur dann könne jemand auch zur Verantwortung gezogen werden. – Marx, Rodenstock und Lesch äußerten sich bei einer Podiumsdiskussion anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Kardinal-Döpfner-Hauses in Freising.

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